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Der Israelit · 1866-05-09 · Heft 19 (9.5.1866) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 19 (9.5.1866)
Date
1866-05-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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327 Zeitungsnachrichten und Eorrefpoudenze«. Deutschland. lü Frankfurt a. M. Das Programm der Unterrichts-Anstalt der israelitischen Religionsgesellschaft enthält außer Schulnachrichten eine Abhandlung: „Einige Andeutungen über den hebräischen Unterricht als allgemeines Bildungselement in unserer Schule" vom Rektor der Anstalt, Herrn Rabbiner Hirsch. Der Inhalt ergibt sich aus dem Titel und fügen wir nur hinzu, daß der Verfasser durch elegante Diction und geistvolle Darstellung einer Fülle ebenso origineller als tiefer Ideen das Interesse für den Gegenstand zu fesseln weiß. Sachkenner wollen wir jedoch, auf einige zu ungemein interessanten, durchaus neuen Resultaten führende sprachwissenschaftliche Forschungen, die in der Abhandlung angedeutet find, ganz besonders aufmerksam zu machen, nicht verfehlen. — (Didask.) lü München, 19. April. Das Verdienst der Gründung des von uns unlängst erwähnten „Israel. Fremden-Unterstützungs-Vereins" omix gebührt vorzüglich unseren berühmten Rechtsgelehrten HH. vr. Gotthelf und vr. Rau, sowie Herrn Nsa. vr. Drey, was wir hiermit nachzutragen nicht verfehlen wollten. Aaffel im April. Für diejenigen Ihrer geehrten Leser, welche unsere Berichte über den Stand der Orgelfrage mit Aufmerksamkeit verfolgt haben, dürfte es von Interesse sein, zu erfahren, wie dieselbe nunmehr ihre endgiltige Lösung gefunden. Nachdem der Vorstand unserer Gemeinde gegen das Veto des von derselben gewählten Comitä's die Einführung der Orgel beschlossen und bei der Behörde beantragt, ist eine Resolution Kurfürstlicher Provinzialregierung erfolgt, wonach jede Neuerung in dem jüdischen CultuS, namentlich aber die Zulassung einer Orgel in der Synagoge als unstatthaft erklärt worden ist. Es bleibt daher bis auf Weiteres Alles beim Alten. — Uebrigens ist eine Reformirung des Gottesdienstes nunmehr in Kassel nicht mehr so gewünscht, um nicht zu sagen ein Bedürfnis. (?) Denn seitdem eine beträchtliche Anzahl von Familien aus verschiedenen Landgemeinden hieher gezogen ist, bildet sie die Mehrzahl der Synagogenbesucher, welche natürlich von Orgel und Reform nichts wissen will. Indessen hat die Gemeinde keineswegeS ihre moderne und indifferente Physiognomie verloren, und es bildet einen seltsamen Contrast, wenn man aller Orten den Sabbat gemächlich entweihen sieht, aber in der Synagoge junge Mädchen mit wahrhaftem Künstlereifer erblickt, die uns mahnend die biblischen Worte '12 lavm Vorsingen. ES ist schwer zu entscheiden, welche Bezeichnung dieser sanctionirte Widerspruch verdient — die der Lächerlichkeit oder der Blasphemie! 6. Ll. No» Lauber-ruude. (Privatmittheilung.) In Nr. 16 dieser geschätzten Blätter hat Ihr verehrter Württemberger Correspondent in Kürze die bestandene Maturitäts-Prüfung eines Herrn Stern erwähnt, der inPreßburg seine talmudischen Kenntnisse erworben hat. Ihr Herr Correspondent scheint Wohlgefallen daran zu finden, daß endlich auch für Württemberg, für welches Land „der Israelit" schon so Vieles und Ersprießliches geleistet hat, sich ein Rabbinats-Candidat heranbildet, welcher seine talmudischen Kenntnisse in Preßburg erworben hat. Deßhalb halte ich es für nöthig, diese Persönlichkeit etwas näher zu zeichnen. Genannter Herr Stern aus Niederstetten hat wirklich längere Zeit in Preßburg Talmud studiert; er kam dann mit langgedrehten Seitenlocken (nn?) nach Hause, hatte sich schon den polnischen Dialect eigen gemacht, führte sich als ->'Oii, enthielt sich an den Wochentagen des Fleischgenusses, ließ seine Mutter alle Morgen um 4 Uhr schon zum Bäcker gehen, damit der junge i'vn frisches ->20 Brod erhielt, ließ sich auf jedesmal 12 sogenannte Berches backen, ging am Freitag Abend auf's freie Feld um wie ''i dort vüpa zu sein, kurz er trieb das rn-i'vn so ziemlich hoch und laut. Dabei studierte er nicht mehr viel Talmud, hierzu war der junge i'via schon zu gelehrt, beschäftigte sich dafür hauptsächlich mit kabalistischen Werken als '2N2 2c: rc. und behauptete trotz des Widerspruches von vieler Seite, daß er diese Werke auch ohne Lehrer sehr gut verstehe. Endlich trieb er das so weit, daß er, um die kabalistischen Werke besser begreifen zu können, (not» dens, wie er behauptete) kNLch N20O fastete. Er lebte so ziemlich zurückgezogen, blickte kaum über seine mv-r hinaus, und schimpfte über die jüdisch irreligiösen Verhältnisse Württembergs sehr laut, besonders heftig eiferte er aber gegen den Kirchenrath Herr Or. Mayer in Stuttgart als r>-O2 N'irm und wunderte sich stets, wie man sich nicht einmal zu einem Attentat auf denselben Herbeilaffen möchte. Die Urtheile des Publikums über unseren 1'ON waren sehr verschieden. Während Manche denselben wegen seines rni'ON und seiner angeblichen - Kenntniß anstaunten, wollten Andere von der ganzen Sache gar nichts halten, insbesondere da der junge Mann es mit dem Gebote „Du sollst Vater und Mutter ehren" nicht eben genau nahm. Ein alter erfahrener Mann jener Gegend ging so weit, zu

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