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Der Israelit · 1866-05-02 · Heft 18 (2.5.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 18 (2.5.1866)
Date
1866-05-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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314 sich befinden könne, zwangen fie, ihn solche starke Brechmittel einzunehmen, daß zu befürchten war, es koste ihn das Leben, was übrigens die Richter gerne gesehen hätten; Priester kamen, umhüllten ihn mit einer Weihrauchwolke und beschworen in verschiedenen Formel« die allenthalben in ihm sich bergenden bösen Geister!! Den Juden unerlaubte Speisen gaben fie ihm zu essen und verboten den Juden strenge, ihm irgend welche Nahrungsmittel zu schicken, aus Furcht, es könnte sonst irgend em Zaubertrank gereicht werden. Nachdem der Gefangene so nach ihrer Meinung von jedem Zauber befreit war, führten sie ihn am ersten Tage des Chünukafestes zur Folterkammer und peinigten ihn wie zum ersten Male mit der Tortur des Aufhängens 1^/, Stunde lang. Niemand wollte da glauben , daß er diese und andere so oft wiederholten Qualen auszuhalten vermöge. Doch Gott, der den Müden wieder neue Kraft verleiht, die Fallenden stützt, die Kranken heilt, die Gefesselten befreit und die Gebeugten ausrichtet, Er kräftigte auch Jizchak. Nun wußten die Richter nicht, was mit dem Juden anzufangen; wenn auch einige ihn zum Tode verurteilen wollten, so waren doch wieder viele da, die diesen entschieden mit den Worten cntgegentraten: Wir dürfen ihn nicht umbringen, bevor er die That bekannt oder bevor Zeugen auftreten, welche die von der Mörderin ausgesprochene Behauptung bestätigen; werfen wir ihn in ein unterirdisches Gefängniß , woselbst fein Tod doch bald erfolgen wird." — Wenn im Mittelalter ein großes Gebäude vollständig war, befand sich fast eben so viel Mauerwerk unter der Erde, als über derselben. In den Gefängnissen war der unterirdssche Theil ein Kerker. Einmal da unten in der untersten Tiefe begraben, dann war es aus mit Licht, Luft und Leben. Da heißt es: Laßt alle Hoffnung hinter euch! Begraben — vergessen. Das elende Geschöpf, einmal da hinunter gestoßen, erblickte da- Licht des Tages nur wieder, um von der Welt auf ewig Abschied zu nehmen; höchst selten, daß Einer aus dieser Grube herauskam, um frei gesprochen zu werden. Glücklich war d.er noch zu nennen, dem das Schwert des Henkers oder die Flamme des Scheiterhaufens einen schnellen Ausgang aus dem Leben bereitete. In eine dieser unterirdischen Höhlen schleppte man den a;men, schwachen Jizchak. Hier lag er von dichter Finstqryiß umgeben an die kalte, feuchte Mauer gekettet/lebendig begraben. Kalt wie der Tod, von ollen Menschen abgeschieden, lag er auf halb vermodertem Stroh, ein Bild -es Jammers. Seine Glider lagm halb im Wasser, das von den feuchten Wänden herabtriefte. Die einzige Verbindung mit der Außenwelt durch ein Schubfenster, das an der Decke des Kerkers angebracht war, ihm seine tägliche Nahrung reichte. Und in welchem Zustande wurde er in diese Grube gebracht! Hände und Füße waren von den vielen Torturen derart aus ihren Gelenken gerissen und jedes Gefühl aus denselben g-wichen, daß er sich ihrer nicht mehr bedienen konnte, um die Speisen in seinen Mund zu bringen; sie hingen oder lagen vielrnchr wie ein todtes Stück Fleisch da und natürlicherweise mußte er immer an derselben Stelle liegen bleiben, wo man ihn hingeworfen hatte und so sollte er zwanzig Jahre schmachten. Er sollte verfaulen im dumpfen Kerker bei lebendigem Leibe, und das Ungeziefer sollte ihn aufzehren, so daß er sich selbst zum Eckel werden müßte! Doch Gott, dem Nichts unmöglich ist, half auch diesmal. Die Juden brachten es bei dem Kerkermeister dahin, daß er vermittelst eines langen Löffels und eines mit einem langen Stiele versehenen Bechers dem Gefangenen durch die in den Kerker führende Oeffnung Speise und Trank in den Mund reichte und ihn so vom Hunger ode rettete. Eine Katze, welche in das Gefängniß kam und sich an ihn gewöhnte, befreite ihn vom Ungeziefer und leckte die eiternden Wunden aus, so daß der schon Todtgeclaubte nach Verlauf eines Monates bereits wieder 'so weit genesen war, daß er feine Hände und Füße gebrauchen konnte. Ein solches Wunder war noch nie vernommen worden, und als auch in jenem Jahre viele vom hohen Adel plötzlich starben, da erging durch die ganze Stadt der Ruf: Das ist die Strafe für die gegen den Juden begangene Ungerechtigkeit; er ist unschuldig, sonst hätte ihn Gott nicht auf eine so wunderbare Weise erhalten. Endlich kam im zweiten Jahre, als drei Viertel der Gerichtsversammlung für die Freilassung stimmten, der von den übrigen Juden schon längst ersehnte Tag der Erlösung. Man brachte ihn aus der Grube; alle seine Glaubensgenossen gingen ihm entgegen, um den vom Grabe Huf-rstandenen in seine Wohnung zu begleiten, die er selbst nicht mehr zu sehen gehofft hatte. Er war wieder vollständig hergestellt; nur an dem kleinen Finger keiner linken Hand blieben die Spuren seiner ausgestandenen Marter. Viele christliche Einwohner besuchten ihn und staunten ihn an, indem sie mit Bewunderung ausriefen: Wird wohl geglaubt werden, daß dieser der Mann ist, der alle diese Leiden erduldet. An ihm ist der besondere Schutz Gottes ersichtlich. (Schluß folgt.) Hierzu eine Leilage. war noch der tägliche Besuch des Kerkermeisters, der Lerantwortkche Redaction: vr. Lehman«. — Verlag derLeRoux'schen Hofbuchhaudlung. — Dampf-Schnellprefsendruck von u I. GottSleben in Mainz.

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