Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1866-05-02 · Heft 18 (2.5.1866) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 18 (2.5.1866)
Date
1866-05-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447245-2447257--04165-2459604
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

311 Schulen, allein der Unterricht im Hebräischen ist nur sehr gering. In Oldesloe, Arensberg und Kiel werden vom I2NN7 einige Stunden Unterricht gegeben; weiter als zum Hebräischlesen bringen es die Kinder fast nie (!!). In Schleswig sind nur zwei Gemeinden; Friedrichstadt leistete früher für das jüd. Schulwesen mehr; hat aber durch den Wegzug vieler Mitglieder, meist nach Hamburg, viel verloren; Flensburg constituirt sich erst. In Jütland find kleine Gemeinden höchst trostlosen Charakters (höchstens das kleine Friedrichsort ausgenommen). Rechnen wir unter obgedachten Umständen von den ca. 2000 Seelen in diesen Herzogtümern 2o/o, also 40 Personen, so dürfte von diesen wohl auch dort eine Betheiligung an solcher Organisation zu erzielen sein. Desgleichen in den aus ca. 50 Gemeinden voll 8 — 60 Familien bestehenden beiden Herzogthümern Mecklenburg, wo leider schon sehr, sehr viel von den Reformern, an deren Spitze Holdheim, herumgewirthschastet, was durch vr. Lipschütz und jetzt durch Or. Cohn noch nicht ganz ausgegätet werden konnte, wie viel weniger kann dort für eine allgemeine Empfänglichkeit für die Rede sein. Jndeß gibt es auch dort wahre, denkende und warmfühlende v'i-.-i', und stetes oder auch nur langhaltiges Tropfen wird wohl auch dort den Stein höhlen. Die Gesammtzahl der Bevölkerung ist uns nicht bekannt; nach obiger Angabe nach Gemeinden dürften es etwa 6 — 7000 sein. Rechnen wir davon 2o/o, so wären dies ungefähr 120. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Niederhefsen, 18. April, p-w-n bp -211 xbi In diesen Klageruf wird Jeder, der den braven Lehrer Silberberg zu Volkmarsen gekannt hat, und nun erfährt, daß derselbe am 12. d. M. von dem Herrn aus diesem Erdenleben abgerufen worden ist, mit mir einstimmen. Er war ein Lehrer, desgleichen wir nur selten finden. Ein Mann von gediegenen Kenntnissen in unfern heiligen Religiondschriften und allen weltlichen Wissenschaften, wie sie unsere Zeit von einem tüchtigen Lehrer fordert, war 4) Nach Meier's Conversationslexicon wohnen in dem sßei Herausgabe des Werkes noch mit Dänemark verbundenen) Schleswig-Hotstein mit Dänemark selbst 5000 Individuen. Da mm aber Kopenhagen selbst 3000 isr. Einwohner hat, Altona allein aber 2000, so bliebe für das übrrge Schleswig-Holstein Nichts übrig. Es wäre dies nicht anders erklärlich, als daß der Rest von 2000 Individuen auf das Land Schleswig-Holstein, außer Altona, käme. er eia über alles gewissenhafter Lehrer in Israels urrd erzielte die besten Erfolge bei seinen Schülern, die ihn liebten und verehrten, denn bei seinem Unterrichte war Ernst mit Liebe gepaart, und bei seiner Behandlung der Kinder gab sich überall kund, daß er nur die reinste Absicht habe, sie zu guten und tüchtigen Menschen und Juden zu machen. Zur Handhabung der Disciplin brauchte er seit Jahren keinen Stock oder andere dergleichen körperliche Zuchtmittel; eine strenge Censur genügte, seine Schüler zum Eifer und Fleiß anzuspornen, und Ordnung und Sittlichkeit bei denselben in und außer der Schule zu erhalten. Seinen Leistungen in der Schule, die bei jeder öffentlichen Schulprüfung und Schnlreoiston durch den christlichen Oberschulinspektor, sowie durch den Landrabbinen wrhrzunehmen waren — wurde auch von den Vorgesetzten hohen Behörden die gebührende Anerkennung durch Belobungsschreiben und Gratifikationen aus dem Provinzialschulfond gezollt; was nicht minder von oem dabei anwesenden Synagogengemeindevorstand aus der Gemeindekasse geschah. Aber nicht blos auf die Schuljugend, sondern auch auf alle Individuen seiner Gemeinde strebte der brave Srlberberg bei jeder sich darbietenden Gelegenheit belehrend und anregend zu wirken, und suchte dies besonders durch die öffentlichen Borträge und Reden, die er an manchen Festtagen, oder bei feierlichen Gelegenheiten hielt, zu erzielen; denn er war im wahren ^>inne des Wortes ein und man konnte von ihm sagen rix rwni rwi. Seine ächte Religiösität, seine gediegenen Kenntnisse, mit denen er ein wahrhaft bescheidenes und freundliches Benehmen gegen Jedermann verband, neigte» ihm die Herzen und die Achtung aller derer zu, die mit ihm bekannt geworden; so Christen, als Juden. Sein Dahinscheiden hat darum die Menge seiner zahlreichen Freunde und Verehrer mit Trauer erfüllt, und Alle denen es möglich war, nahmen an seinem Leichenbegängniß den 15. 0. M. Nachmittags 4 Uhr, Theil, das ein so großes war, daß der Leichenzug zwei Straßen füllte. Man sah in demselben außer den Mitgliedern seiner Synagogengemeinde von Jung bis Alt (die ja zumeist Schüler des Dahingeschiedenen waren) und gar vielen Israeliten und Lehrern aus de» Gemeinden der Umgegend, auch die meisten Bürger der Stadt, von den angesehensten bis zu den Tagelöhnern herab: der Bürgermeister, die Stadträthe und andere angestellte Männer, und an der Spitze derselben die katholischen und protestantischen^ Pfarrer und Lehrer; alle erwiesen dem ihnen so . werthen Entschlafenen die letzte Ehre. Der Lehrer Gutkind aus Wolfhageu hielt die Grabrede, in welcher er unter anderem auch auf de» Verlust hindeutete, der durch den Tod Silberhergs in so manchen Kreisen und Verhältnissen, in denen derselbe gelebt und gewirkt^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.