Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1866)
- Date
- 1866-04-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447256--04152-2459590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2SS Sei es, daß der Sultan (Mich verstanden hatte, oder daß er durch den Großvezier darauf vorbereitet worden war, dem ich vorher schon einige Befürchtungen ausgesprochen, die ich wegen des Abschlusses des Vertrages hegte, er erwiederte sofort: „Mein Herz kennt keinen Unterschied zwischen den RajahS, den nicht muselmännischen Unterthanen, meines Reiches. Alle Rechte, Privilegien, welchen Namen sie auch führen, werden stets allen Rajahs zuerkannt werden, und noch einmal wiederholte er das Wort „ohne den geringsten Unterschied." Ich dankte ihm mit Rührung für diese Güte, und als später der Friedensschluß zu Paris verhandelt wurde, hielt die Pforte, trotz der Opposition mehrerer christlicher Regierungen, die gern das Wort „christlich" angewendet wissen wollten, fest an dem Ausdrucke „Rajahs". Dadurch wurde wenigstens erwirkt, daß, wenn, irgend eine europäische Regierung ihren Unterthanen in den ottomanischen Landen eine Gerechtigkeit verschaffte, auch die Juden daran Antheil hatten. Zu Galata schiffte ich mich am 2t. August Nachmittags ein. Noch an Bord des Schiffes erhielt ich einen Abschiedsbrief vom österreichischen Jnternuntius, den ich hier Wort für Wort wiedergebe, um dadurch meine aufrichtige Dankbarkeit gegen diese edlen Diplomaten an dm Tag zu legen. Bukjedere, den 21. August 1854. Sehr geehrter Herr! „In diesem Augenblicke erhalte ich Ihren werthen Brief; es freut mich außerordentlich, zu sehen, wie Ihre Thätigkeit, wie überall so auch hier, viele Institutionen ins Leben gerufen hat, die den Zweck haben, die Lage Ihrer Religionsgenoffen in diesen Ländern zu verbessern. Was mich betrifft, wird es mir stets zum Vergnügen gereichen, Ihre Bemühungen unterstützen zu können. Kommen Sie also bald wieder, damit die Saat, die Sie jetzt ausgestreut haben, nicht verkomme, sondern gepflegt werde und Früchte trage. Also glückliche Reise! Ihr Bruck." Diese ermuthigenden Worte waren eine wahre Befriedigung für mich. Eine Reise von acht Tagen brachte mich nach Triest und nach Wien, wohin die Erfolge meiner Reise bereits vor meiner Ankunft gedrungen waren. Wiederum hatte ich die Ehre, dem Kaiser von Oesterreich vorgestellt zu werden, der meinen Erzählungen mit Aufmerksamkeit folgte. Ich hatte das Glück, meine theuere Mutter noch einmal zu sehen, Samstag dem Gottesdienste in der Synagoge anzuwohnen, und einige Worte an die Gemeinde zu richten, und sie von dem glücklichen Resultate meiner schwachen Intervention zu benachrichtigen. Ueberall wohin ich kam, in Prag ebenso wie in Leipzig und Frankfurt begegnete ich der aufrichtigsten Sympathie. Wie jedoch kein Glück vollkommen ist, so mußte auch ich empfinden, wie der Schmerz stets an der Seite der Freude herschreitet, um diese zu beschränken; das religiöse Jahr sollte nicht enden bevor ich meinen jüngsten Sohn, der sechs Monate alt war, der Erde übergab. Er ruhe in Friede, wie auch seine Name Schalom lautete. Als ich am Rosch-Haschanah unseren Glaubensgenoffen in Paris, in den Synagogen der beiden Rite, von dem Fortschritte, der unseren Brüdern im Orient bevorstehe, Kunde gab, hatten meine Worte unwillkürlich den Ton angenommen, der dieser Tage, die den Namen O'xntt v'v' führen, an welchen sich die göttliche Majestät des Vaters und Königs zeigt, geziemt. In der Zeit, die zwischen meiner ersten und zweiten Reise nach Jerusalem, also in den Jahren 1854 bis 1856, verstoß, wurde Jerusalem von dem ehrwürdigen Sir Moses Montefiore besucht, dessen Name stets da genannt werden wird, wo von der Verbesserung der Lage unserer Glaubensgenoffen die Rede ist. Auch Herr Alphons von Rothschild besuchte die heilige Stadt vor seiner Verehlichung. Im Frühjahre traf ich die nöthigen Anstalten für eine nochmalige Reise nach Palästina. Im Juni verließ ich Paris, besuchte Lyon, verbrachte einen Tag zu Turin, verweilte zu Vercelli und Mailand. Zu Padua verbrachte ich einen Tag bei dem seligen Professor Luzzatto. Hier bewunderte ich den Palast der für das Lombardei-Venezianische Rabbinerseminar bestimmt ist, wo der Gelehrte Deila L'orrv Talmud vorträgt, nur bedauerte ich, daß unsere Rabbinerschule nicht auch ein ähnliches Haus besitzt. Den Abend verbrachte ich bei drei Freunden unserer heiligen Literatur, die seitdem alle in der Ewigkeit find; Gabriel Triefte, Almanzi und Luzzatto. Nachdem ich Herz und Geist in diesen Unterhaltungen erquickt hatte, setzte ich meine Route über Venedig und Triest fort, um mich nach Aegypten zu begeben, wo ich auch am 3. Juli ankam. Da ich während meiner ersten Reise keine Gelegenheit hatte, Kairo zu besuchen, so suchte ich mein früheres Versäumniß nachzuholen. Auch hier handelte es sich, Samen zu streuen, der geeignet sei, das religiöse Leben in der alten Gemeinde des großen MaimonideS wieder auzufachen. Der Rabbine Hayam und sein gelehrter Sohn, der indessen zum Mitglied des Staatsrathes Aegytens für den jüdischen CultuS erwählt wurde, warm große Freunde der Wissenschaft. Dieser gelehrte Rabbine besaß nicht allein ein große Bibliothek und cultivirte die hebräische Literatur in all ihrm Zweigen, sondern er hatte auch dafür Sorge getragen, daß seine Söhne und selbst feine Töchter eine sorgfältige Bildung genossen, von dmm einige Französisch lasm und selbst