Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1866)
- Date
- 1866-04-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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300 ziemlich gut sprachen. Geboren und erzogen zu Jerusalem, hatten sie früher viele Länder besucht und von diesen Reisen den Wunsch mit zurückgebracht, sich und ihre Familien zu belehren, und führten in ihre Häuser neben der orientalischen Gastfreundschaft, die europäischen Gilten ein. (Fortsetzung folgt.) England. Herr Frederik D. Goldsmid ist nicht mehr unter den Lebenden. Die Gemeinde zu London verliert an diesem Manne, der seit dem Juli 1865 Parlamentsmitglied war, einen ihrer rvohlthätigsten und strebsamsten Anhänger. Frederik Goldsmid ist im Jahre 1812 geboren und Heirathere im Jahre 1834 die Tochter des Herrn Philipp Samuel. Er gab sich eine Zeit lang den Geschäften mit einem großen Eifer hin ohne jedoch dabei seine philantropischen Werke zu vernachlässigen. Seit 1845 war er Präsident im Comitä der ersten israelitischen Schule. Mehr als zwölf Jahre lang war er einer der thätignen Verwalter des Vereines für die Verbesserung der Wohnungen der armen „Volksklassen," Mitglied des Senates des Ilnivs sit^ eollsge zu London, bei welchem Institute sein Vater einer der ersten Gründer war, Präsident des llevvs dospiial (ebenfalls durch die Ahnen des Verstorbenen, durch die Herren Abraham und Benjamin Goldsmid im Jahre 1810 gegründet.) An die Stelle des Herrn F. D. Goldsmid ist sein Sohn Julian von den Wählern des Districts Honiton zum Parlamentsmitglied erwählt worden. Herr Spencer Colin hat der Versammlung im Namen des Neuerwählten gedankt, der durch den Tod seines Vaters abgehalten war, selbst zu erscheinen und seine Wohnung aus kindlicher Pietät sowohl als auch hauptsächlich aus religiösen Ursachen während der sieben Trauertage nicht verlassen wollte. Die Wahl ging ohne Schwierigkeiten von Statten, denn diejenigen, die für dieselbe stimmten, wollten dem Sohne beweisen, daß sie die Sympathien für den verewigten Vater auch auf die ganze Familie übertragen. Cambridge. Vor noch nicht gar langer Zeit durfte kein Jude an einer englischen Landesuniversität studieren. Daß sich alle diese Verhältnisse umgestaltet haben, versteht sich von einem so aufgeklärten Volke, wie es die Briten find, von selbst. Bezeichnend ist jedoch der Vorfall, daß unlängst ein israeliti'cher Student, Namens Davis aus Woolwich, ein Stipendium von jährlich 700 fl. durch seinen ausgezeichneten Fleiß und seine vortrefflichen Talente erworben hat, wenn man bedenkt, daß gerade dieses Stipendium für denjenigen bestimmt sei, der in der specifisch christlichen Wissenschaft das Ausgezeichnetste leiste. (Nach dem I. Chr.) Spanien. Madrid. Dem „Univ. Jsr." wird aus Spanien geschrieben: „ES befinden sich hier mehrere israelitische Industrielle und Banquiers, die aber ihre Religion sorgfältig verbergen. Ohne die Dazwischenkunft des Herrn Castro aus Bordeaux würden sie vielleicht nicht einmal den Beschneidungsact an ihren Kindern haben vollziehen können. Indessen lebt hier ein Herr Weisweiler, welcher Correspondent und Verwandter des Hauses Rothschild ist, der häufig zu den Hoffesten geladenwird, obschon die Königin weiß, daß er Jude ist." „Unlängst kam in den Cortes die Cultusfreiheit zur Sprache, als ein Deputirter (ein Priester) das Wort ergriff und sagte: es sei schon Unglück genug für Spanien, daß die Regierung das Königreich Italien anerkannt habe; wenn man aber noch die Cultusfreiheit gestatten wollte, so wäre er verpflichtet, auf sein Land Verzicht zu leisten, denn alsdann könne er nicht mehr Spanier sein, und viele seiner Brüder würden ähnlich handeln. Darauf erwiederte der Staatsminister, daß er auch nicht für ein solches Projekt stimme." „Es ist dieses Alles, was ich von unseren Glaubensgenossen in Erfahrung bringen konnte. Sie geben sich alle Mühe, es dahin zu bringen, daß sie so bald als möglich dieses intolerante und fanatische Land verlassen können." Schweden und Norwegen. lH Stockholm, 15. April. Der Verfassungs- Ausschuß des schwedischen Reichstages beantragte, daß Staatsämter auch an Israeliten verliehen werden können. Stockholm. Die Herren Ribbing und Siljenstolpe machten in dem Staatsraths den Vorschlag alle Unterthanen des Königs, ohne Unterschied der Confession zu jedem möglichen Amte zuzulassen. Dieser Vorschlag fand vielen Anklang und wird derselbe wahrscheinlich bald genehmigt werden und alsdann in Kraft treten. Australien. Melbourne. Eine anhaltende Dürre, durch welche Australien beimgesucht worden ist, veranlaßte die Behörden von Victoria, einen Tag für allgemeines Beten und öffentlichen Gottesdienst auszuschreiben. Der 5. Januar dieses Jahres war dazu bestimmt. In allen Kirchen und öffentlichen Beetlocalen wurde Gottesdienst abgehalten. Der „Argus" vom 6. Januar veröffentlicht Auszüge aus den gehaltenen Predigten, bei welcher Gelegenheit er auch den Gottesdienst in der Bourke - street - Synagoge beschreibt,