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Der Israelit · 1866-04-25 · Heft 17 (25.4.1866) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 17 (25.4.1866)
Date
1866-04-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 17 des Israelit. i! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Nfnnftgadt, bei Darmstadt, den 17. April. Unsere Gemeinde hat einen herben Verlust zu beklagen; es starb nämlich am gestrigen Tage Herr Salomon Löb, ältester Sohn des Herrn Lazarus Löb, in einem Alter von erst 22 Jahren. Trotz dieses jugendlichen Alters hatte der Verewigte, der sich sowohl durch talmudische als auch durch profane Kenntnisse auszeichnete und wegen seiner Biederkeit und strengen Rechtlichkeit allgemein, auch bei den Richtjuden, beliebt war, den schönsten Einfluß auf die erwachsene Jugend unseres Ortes geübt die er zum Thoralernen vereinte und aus der er Viele von der Uebertretung göttlicher Gebote in Liebe und Sanftmulh zurückgehalten hatte. So war denn auch die Theilnahme bei dem heute erfolgten Leichenbegängnisse eine allgemeine; auch Herr vr. Lehmann aus Mainz war dazu herübergekommen und gab den Gefühlen der Anwesenden in einer Trauerrede Ausdruck. Hunderte von Menschen folgten der Bahre, und als der Conduct an dem zwei Stunden entfernten bei Alsbach gelegenen Friedhofe anlangte, so hatten sich dort wiederum Hunderte aus der ganzen Umgebung versammelt. Am Grabe sprach Herr vr. Lehmann noch einmal und außer ihm auch Herr Rabbinatscandidat Löb Sulzbach aus Darmstadt. Die hohe Großherzogliche Negierung zu Darmstadt hatte es erst unlängst in Folge eines Processes ausgesprochen, daß es Jedem freistehe, auf dem Friedhofe zu sprechen und daß die Leichenreden nicht zu den ausschließlichen Gerechtsamen des betreffenden Rabbiners gehören. Herr Rabbiner vr. Landsberg in Darmstadt führt gegenwärtig einen Proceß; es wurde nämlich erzählt, man habe denselben in Frankfurt a. M. in einer nichtjüdischen Restauration frischbereitete Fleischspeisen essen sehen; gegen den Erzähler hat der Herr Rabbiner eine Verleumdungsklage angestrengt; dieser aber hat den Beweis der Wahrheit angetreten. Bereits sind viele Zeugen vernommen worden. Man ist hier, wie man sich leicht vorstellen kann, auf den Ausgang des Processes sehr gespannt. — Die hiesige Lehr- und Erziehungsanstalt, an deren Spitze Herr vr. Joel steht, erfreut sich einer gedeihlichen Entwickelung; dieselbe wird sehr stark besucht, hat Schüler aus den entferntesten Gegenden und sorgt für dieselben aufs Ausreichendste. Tüchtige Lehrer stehen Herrn vr. Joel hilfreich zur Seite. Das Jnftitutsgebäude ist ein kleines Schloß mit großem Hof und Garten; schöne luftige Schlafzimmer,! geräumige Lehrsäle, ein großer Speisesaal, eine sehr schöne Synagoge, in der die erwachsmen Schüler, die sich dem Lehrfache widmen, abwechselnd vorbeten und die Sidrah lesen — das Alles macht auf den Beschauer den wohlthuendften Eindruck. — Unser Rabbinats bezirk (Rabbinat Darmstadt), der mehr als 100 Landgemeinden in sich vereint, war früher einer der frömmsten in ganz Deutschland; seitdem jedoch die religiöse Oberleitung so viel zu wünschen übrig läßt, ist auch hier leider Vieles anders geworden. Es wird das allgemein gefühlt und immerwährend darüber geklagt — allein weiter als zu Seufzen und Klagen bringen es unsere Landbewohner nicht; es fehlt ihnen an Energie und Opferfreudigkeit, an Einigkeit und Muth; unsere hohe Regierung würde gewiß gern ihren billigen Wünschen gerecht werden; es fehlt aber leider auch an rechten, tüchtigen Männern, die sich an die Spitze stellen möchten, die mit ganzem Herzen und ganzer Seele und all ihrem Vermögen bereit wären, für die heilige Sache unserer Religion einzustehen; wir besitzen allerdings sehr fromme, sehr brave, sehr tüchtige, sehr ernste und unterrichtete Jthudim, allein das rechte Feuer muß dennoch fehlen, denn sonst wäre es schon längst anders und — besser geworden. Asch eri. lH Münzen 18. April. (Zur Statistik der Israeliten) Alexandrien hat unter seinen 150,000 Einwohnern 4500 Israeliten, darunter 3000 eingeborene und 1500 aus Europa eingewanderte, die zusammen fünf Synagogen besitzen. In den vier den Juden heiligen Städten Palästinas leben 6379 Juden; nämlich in Jerusalem 4346, in Hebron 513 in Safet 2113 in Tiberias 1407 Juden. Konstantinopel hat eine große jüdische Gemeinde, 37 Synagogen und 90 andere Bethäuser. In Korfu beträgt die israelitische Bevölkerung den vierten Theil der Staatseinwohner, und bildet zwei Gemeinden, eine italienische und 1 griechische. Die Moldau zählt 50,000 Israeliten; die Anzahl derselben in der Wallachei ist geringer. In Odessa gibt es 17,000 ansässige Juden und 600t), die sich zeitweilig dort aufhalten. Rußland und Polen zusammen haben gegen zwei Millionen Juden mit 616 Synagogen, 2435 „Betschulen" und 5109 „Geistlichen." DieKaraer (nur an die Schrift Glaubende) wohnen in fünf Gouvernements, am zahlreichsten im südlichen Rußland, wo es deren 12,000 gibt. Im österreichischen Staate beträgt die jüdische Bevölkerung circa 1 Million Seelen; in Italien 43,446,

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