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Der Israelit · 1866-04-25 · Heft 17 (25.4.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 17 (25.4.1866)
Date
1866-04-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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396 des Unglücklichen. Die Glieder waren kläglich verrenkt durch dm furchtbarm Sturz. Der Anblick des Unglücklichen war unsäglich trauervoll, sein Haupt sank nieder auf seine Brust, jede Muskel zuckte vor Qual, seine Augen schloffen sich, das Uebermaaß des fürchterlichen Schmerzes schien ihn getödtet zu haben. Ohnmächtig lag er auf dem Boden ausgestreckt, wie es schien ohne Spur von Leben. Als er nach einigen Minuten die Augen wieder aufschlug und ein leises Stöhnen sich seinen qualvoll verzogenen, bleichen Lippen entrang, donnerte ihn der Richter an: „Bekennst Du dich schuldig?" „Unschuldig, so wahr mir Gott helfe," ächzte der Arme. Ein leise gemurmelter Fluch getäuschter Erwartung entfuhr dem Richter und dann befahl er, den Gefangenen zu entfernen. Am siebenten Tage seiner Gefangenschaft, als die Schmerzen der ersten Tortur in seinen Gliedern noch nicht aufgehört hatten, wurde Jizchak wieder in die Folterkammer geschleppt, um mit derselben Pein gequält zu werden; jedoch schoren sie ihm zuerst die Haare vom Kopfe, denn die Richter glaubten, er wäre ein Zauberer und darum könne er diese fürchterlichen Schmerzen aushalten. Der Gemarterte ächzte und schrie jämmerlich und betheuerte immerfort seine Unschuld, doch ohne Gehör zu finden. Gott gab ihm die Kraft, auch diese zweite Pein zu ertragen. Da wunderten sich die Richter, als sie sahen, daß Jizchak eine übermenschliche Kraft besaß, und da sie keinen weiteren Vorwand fanden, ihn zu martern, so brachten sie die Sache an den höheren Gerichtshof, an den hohen Rath, der aus 12 Mitgliedern bestand, und dieser beschloß, ihn noch eine dritte Tortur erdulden zu lasten. Am 20. Tag, nachdem er eingezogen worden war, wurde dieser Beschluß zur Ausführung gebracht. Diesesmal wurde ihm, als er an dem Seile schwebend hing, ein Balken zwischen seine Füße eingekeilt, so daß er dieselben gar nicht mehr bewegen konnte und sein Körper bald unter der Last zusammenbrach. So hing er eine ganze Stunde, während welcher Zeit die Henkersknechte den Körper fortwährend auf- und niederbewegten, so daß sein Schmerz immer heftiger wurde. Jizchak schrie mit heiserer Stimme um Gnade; aber die grausamen Richter spotteten seiner und sprachen zornig zu ihm: Warum beharrst du Judenhund, die Thatsache zu läugnen, derer Du beschuldigt bist? Wir misten mit Bestimmtheit, daß Du dem Weibe befohlen, die Mordthat zu begehen. Er aber versetzte: Ich bin unschuldig, keinerlei Schuld ruht auf mir; ich werde Euch bei dem Richter aller Menschen anklagen, wenn ich an diesem Stricke sterbe. Die Richter, nicht zweifelnd, daß der Jude diese wiederholte Marter nicht überleben werde, indem die meisten Unglücklichen schon bei der ersten Tortur unterlagen, wurden in großes Erstaunen verfitzt, als Jizchak auch diese Pein überstanden hatte. Nun sollte auch die Reihe an die Mörderin kommen; auch sie mußte jetzt die Tortur des Aufziehens oder der Wippe erdulden; aber trotz aller Schmerzen beharrte sie bei ihrer früheren Aussage. Da entbrannte die Wuth der Richter aufs Neue und sie verhängten über Jizak eine Tortur, bei der bis jetzt alle die, welche sie zu erdulden hatten, ihr Leben ausgehaucht hatten. Während er an dem Stricke hing, knüpften sie an seine Füße die Beine eines lebendigen Widders, besten Kopf an dem Boden schleifte. Der Widder bewegte und schleuderte den Armen mit aller Kraft hin und her. Als dieser Widder verendete, brachte man alsobald einen anderen noch kräftigeren, um diese Höllenpein noch immer mehr zu vergrößern. Diese Tortur erfüllte Jizchak mit Entsetzen, und er war nahe daran, dem Wunsche der Richter zu willfahren, eine That zu bekennen, die er nicht ausgeübt; bald hätte er den einmaligen Todesschmerz den fortgesetzten gräßlichen Qualen der Folter vorgezogen. Doch als manfortfuhr, ihn so auf eine unmenschliche Weise zu plagen, da stärkte sich sein Heldenmuth und mit standhafter Ausdauer, die nicht genug zu bewundern ist, hielt er dre immer aufs Neue sich vergrößernden Schmerzen aus. „Glaubt Ihr, rief er, daß ich die Kraft besitze, dieses Alles zu ertragen? Mein Gott ist es, der mir hilft, welcher mir, wie er es einst Daniel gethan, seinen Engel gesendet, der hier zu meiner Rechten steht, um mich vor meinen blutgierigen Richtern zu schützen. Ein Thor wäre ich, mich durch meine eigene Aussage ins Verderben zu stürzen und anzuerkennen, daß wir Juden Christenblut zum Bereiten der Mazzoth gebrauchen. Haltet Ihr mich für blind? Glaubt Ihr, ich sehe nicht, daß Ihr mich schuldig finden wollt, wenn ich auch rein wäre, wie ein Engel? Verfahret mit mir nach Belieben! Ich bin in Eurer Macht, peinigt mich weiter, martert mich ferner, zerrenket immer noch meine Glieder, mordet mich, das Alles möget Ihr thun — aber Eure schändlichen Ungerechtigkeiten sollen mich nicht dahin bringen, eine That zu bekennen, die nicht von mir geschehen ist. Schicket Eure Henker und Bluthunde wider mich; meinen Leib könnt Ihr tödten, aber die Standhaftigkeit meiner Seele zu erschüttern, das soll Euch nicht gelingen!" (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Revaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schncllpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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