Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1866)
- Date
- 1866-04-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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293 Ministerien, Gerichtshöfen, Kammern rc., Vertretung bei auswärtigen Höfen rc. eingerichtet werden müssen, diese gesteigerten materiellen Leistungen mehr zur Natur geworden. Es mag sein, daß dort in minutiösen Verhältnissen dem Einzelnen viel weniger das Bewußtsein abhanden kommen mag, wie sehr das Gesammtwohl seiner bedürfe, während in größeren Staatencomplexen der Alles ertödtende Wahn, es werde auch ohne ihn gehen, für einen Einzelnen besteht und dort viel mehr seine traurigen Triumphe feiert; es mögen noch andere Motive Mitwirken, gleichviel, die Thatsache steht fest. Deßhalb wollen wir uns auch für unsere Frage um diese Buntscheckigkeit nicht grämen, und glauben wir ganz gewiß, daß das im folgenden zu deducirende Resultat nicht erzielt werden könnte, wenn nicht viele der kleinen Staaten ein erfreuliches Contingent dazu liefern würden Also zunächst Preußen.?) Leider muß hier (höchstens vielleicht einige Orte im Herzogthum Posen ausgenommen, wo die riQ'w' noch in der vorigen Generation unter einem i.i'8 und andern in höchster Blüthe standen, und vielleicht noch jetzt, wenn nicht gar factisch schwache Reste zurückgelassen, doch sich wenigstens das lebendige Angedenken erhalten haben werden) nicht nur thatsächlich, sondern sogar prinzipiell fast überall von vorn angefangen werden. Gerade hier befinden wir uns mit dieser Frage auf einer solchen terra ivoo^uita, daß es selbst den warmen Freunden derselben schwer fallen wird, die große Berechtigung und Rühmlichkeit derselben darzuthun, den Beweis zu liefern, daß sie nicht eine Ausgeburt erhitzter Phantasie und übertriebenen Idealismus sei, sondern die einfachste, solideste, nüchternste Forderung, ja der Lebensnerv der ganzen orthodoxen Parthei. Und dennoch, so sehr wir den grellen Gegensatz rücksichtlich des religiösen Standpunktes (wie solcher übrigens fast in allen Staaten vorkommt) zwischen den Gemeinden, etwa in Pommern und Westphalen einerseits, in Posen und Schlesien anderseits sehr wohl kennen, wir zweiflen dennoch nicht daran, daß es in allen Provinzen noch echt würdige Gelehrte und gesetzestreue Rabbinen geben wird, welche mit genügendem universellem Blicke begabt sind, die 2) Folgende, Preußen betreffende Notizen habe ich dem auf amtliche Quellen begründeten Wertheimer'schen Kalender entnommen, der allerdings schon 1857 erschienen; allein im Ganzen und Großen, woraus es hier allein ankommt, werden wohl die Verhältnisse constant geblieben sein. Daß die angegebenen Procentsätze in vielen, vielleicht in allen einzelnen Angaben ungenau gegriffen sind, halte ich selbst für wahrscheinlich, doch dürften sie so niedrig angenommen sein, daß sich das Ganze wohl günstiger gestaltet. Jedoch wird hier, wie überall, vorausgesetzt, daß in den verschiedensten Gegenden thatkräftige Männer existiren, die die Sache für ihren Kreis in dre Hand nehmen; sonst wird allerdings gar Nichts geschehen können. ihre Gemeinden über die ganze Wucht dieser Frage aufklären, ihr Herz dafür entzünden und dadurch die thätige Theilnahme dafür befördern werden. Ja wir zweifeln nicht, daß es etwa hundert (mehr bedarf es zunächst nicht) in den verschiedenen Provinzen vertheilte thatkräftige Männer geben wird, die unter der Führung ihrer gesinnungsverwandten Rabbinen, wenn sie das Glück haben, einen solchen zu besitzen, aber auch allein, wenn dies nicht der Fall ist, aus der Gluth eigener Ueberzeugung heraus in ihren Kreisen das Bewußtsein wecken und zum Durchbruche verhelfen, daß die religiöse Praxis (trotz der schönsten nur noch zu vereinzelten Beispiele einer herrlichen Umkehr) in größter Gefahr, daß die krasse Ignoranz in ll'pOSi n>"V die Verkommenheit so vieler jungen „Rabbinen" (?) auf diesem Gebiete ein Unglück ist, das alle Tage größere Dimensionen annimmt, die Erhaltung einer „koschern" Wirtschaft, einer „reinen" Ehe, überhaupt aber die präzise Erfüllung einer rituellen Pflicht auf die Dauer unmöglich macht, und daß das haarsträubende bisher nur figürlich genommen, seitdem die Lehrzimmer geschloffen, seitdem man ruhig schlafen kann, ehe sie wieder geöffnet und lebensfähig eingerichtet, im buchstäblichen Sinne des Wortes sich bewahrheiten muß. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 15. April. Der Sopher, Herr Affor Mai aus Raboldshausen im Kurfürstenthum Hessen, hat uns vor circa 6 Wochen 5 Zeugnisse übersandt und zwar 2 vom Herrn Landrabbiner vr. Adler zu Cassel, eins von dem ehemaligen Provinzial - Rabbiner Gosen zu Marburg, ein solches von Or. Levy in Gießen und eins von einem anderen Sopher, die da dessen Befähigung als isiO bekunden sollen; hervorgerufen wurde diese Zusendung durch einen Artikel in Nr. 17 vorigen Jahres, in welchem ein Herr Heoref die gewissenhafte und regelrechte Thätigkeit des Herrn Mai angegriffen hat. Herr Mai sandte uns zugleich eine Entgegnung, in der er behauptete, Heoref sei der an unserer Unterrichtsanstalt funzirende Lehrer Herr Grünebaum aus Vollmerz in Kurhessen. Herr M. greift in dieser Entgegnung die Ehre des Herrn G. an, beschuldigt ihn der Unwahrheit und eigennütziger Absichten, da ein Bruder desselben ebenfalls->SD sei.*) *) Raboldshausen ist übrigens wenigstens 20 Stunden von Vollmerz entfernt, was bei den mangelhaften Verkehrswegen in jener Gegend Kurheffens um noch viel weiter erscheinen muß, so daß also von Concurrenzneid hier gar nicht die Rede sein kann.