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Der Israelit · 1866-04-25 · Heft 17 (25.4.1866) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 17 (25.4.1866)
Date
1866-04-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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292 Nur noch eine Vorbemerkung zur theilweisen Milderung des Bekümmernisses, das nicht wenige und nicht unwesentliche Theile der folgenden Spezifikation bei Jedem, der es aufrichtig mit Gott und Seiner heiligen Thora meint, Hervorrufen müssen. Nicht nur die traurigen „sprechenden Zahlen", sondern auch die Zerrissenheit und Zerstückelung dieser 32 Skizzen (wie Herweg sagt), so daß so wie in politischer Beziehung so auch in religiöser selbst kleine Vaterländer, von denen man mehrere in einer Stunde mit dem Dampfrosse durchfliegen kann, ganz ohne Einfluß auf einander bleiben, so daß z. B. Nassau nicht einmal von dem nahen Frankfurt, oder vom ebenso nahen Großherzogthume Hessen annimmt, so lange es nicht der Vorsehung gefällt, es in staatlicher Beziehung damit zu verschmelzen. Wohl bildet sich auch dort manches Talent im Stillen, allein es fehlt jeder Wirkungskreis zur Entfaltung desselben. Nun, ist es wohl nicht zu läugnen, daß auch in religiöser Beziehung die Centralisation unter Umständen von großem Nutzen wäre; unter gegenwärtigen Verhältnissen jedoch und prinzipiell für die Orthodoxie überhaupt ist die Decentralisation eine unendliche Wohlthat. Dieses große hochwichtige Thema für den religiösen Standpunkt im Allgemeinen auszuführen, ist hier der Ort nicht; auch enthält es des Stoffes zu viel, um nur so im Vorbeigehen besprochen zu werden. Für unsere spezielle Frage ist die Centralisation schließlich nützlich. Die straffe Einheit liefert nämlich vorzugsweise da einen Nutzen, wo politische, moralische oder materielle Pression auf Einzelne geübt und deren Entschließungen bestimmt und vorgeschrieben werden können. Wo aber wie hier nur Sympathie, ureigene freie Entschließung, Folgeleistung der Eingebung einer bessern Natur rc. rc., wo nur dies die Factoren sind, mit denen gerechnet werden kann, da muß es, so wünschenswerth es im Einzelnen wäre, daß die edlen thatkräftigen Muster - Charactere einen größeren Wirkungskreis für ihre für Geist und Gemüth organisatorische Thätigkeit hätten, doch vom universellen Standpunkte auS zugestanden werden, daß die größtmögliche Autonomie des Einzelnen und das Selfgouvernement kleinerer gesinnungstüchtiger Gemeinden, die im straffen Centralismus von dem Jndifferentismus der Majorität des größeren Nachbarstaates oder gar wie in Württemberg dem Despotismus der „kirchlichen Behörde" ertödtet würden, das größte Glück ist. Hierzu kommt noch der Erfahrungssatz, daß die Glaubensgenossen in kleineren Staaten im Allgemeinen viel opferfreudiger sind, als in großen. Man denke nur beispielsweise an die siaunenerregenden Beispiele, welche die Enegie der Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main nach allen Richtungen des öffentlichen jüdischen 1) Freilich gilt auch hier in moralischer Beziehung das Gesetz innerhalb der Schöpfung: ex uidiio nidii üt. Frankfurt Lebens, besonders des Jugendunterrichts gibt, an die wahrhaft erhebenden Musterbilder, welche seit vielen Decennien in Hamburg gegeben werden, an die Großthaten des relativ kleineren Bayern, wo zumeist nur der gesetzestreue Theil daselbst für Jeschiboth-Anstalten, für den Jugendunterricht, das Lehrerseminar und die vielen Seiten der Wohlthätigkeit für Einheimische und Fremde, ganz besonders aber zur Beschämung der Glaubensgenossen in weit größeren Staaten, für unsere armen Glaubensgenossen in Palästina arbeitet. Es mag wohl sein, daß den Bewohnern relativ kleinerer Staaten, aus dem politischen öffentlichen Leben in dem auch dort mit nicht geringen Ansprüchen an die einzelnen Bürger aller staatlichen Institutionen, wie: würdige Repräsentanz des Fürsten, Bildung von wäre nicht geblieben was es ist, wenn dasselbe nicht seit Jahrhunderten an Opferwilligkeit für 2'IOll ^'2)1 ,">"N2p ."Nlll gewöhnt, auch 22>2^> '2>2 s'2 die "'-12 und ">P2 jahrelang auch '0 '28 '"11.12 PX2."I 2"I."l die Maier Goldschmits und herrlichen GesilMUNgs- und Thatengenossen behalten und jetzt unter der Aegide des Rabbiners Hirsch stände. Bayern wäre nicht was es ."Ip"2 geblieben ist, wenn nicht ^11221 ^-811 Hunderte von Schülern erzogen, welche „wohl brechen aber nicht biegen" und welche ein Interregnum lräftiglich conservirt, bis der thatkräftige ">"28 P-U1 ^"Ii28"i'i1 an der Spitze des wunderbaren Umschwunges zum Bessern, der muthvolle Führer der orthodoxen Partei in Bayern geworden. Aber auch Hamburg wäre nicht, was es in der That blieb, geblieben, wenn nicht ein 2'2">P2 PI28' und wenigstens ein Vierteljahrhundert lang mit unbeschreiblicher Meisterhastigkeit und fast unglaublicher Genialität den Geist der Denkenden durch die tiefsinnigsten Ideen über .">1821 ,"1111 entzündete, und wenigstens die Gemüt her der Tausenden seiner Zuhörer, „die ihn nicht verstanden, ' mit einem gewissen Etwas, worüber diese selbst sich zwar keine Rechenschaft geben konnten, dennoch so erfüllte, daß sie, mögen sie nun Fabrikanten oder Torflader gewesen sein, unbewußt prinzipiell aus dem Innern ihrer jüdischen Natur heraus, über rii82i ."IHN dachten oder vielmehr fühlten, und sich naiv, aber zum Staunen unterhielten, wovon sich Schreiber dieses oft genug überzeugte. Hamburg hätte sich auch nachher kaum erhalten, wenn nicht seit etwa IV« Decennien der Herr Rabb- Stern daselbst wirken und mit größter Energie für 1111 und N1L2 'piipi einstehen würde. Bei dieser Gelegenheit ergänze ich auf Grund von in diesen Tagen eingegangenen Mittheilungen meine Angaben in der letzten Nummer sehr gern dahin, daß Herr Rabbiner S. bald nach seiner Ankunft junge Leute um sich zusammensuchte, mit denen er täglich 2—3 Stunden 1ip'L? lernt. Für Realien und klassische Studien wurden Lehrer angestellt, die Herr Rabb. Sin der ersten Zeit aus seiner Tasche bezahlte. Den jungen Leuten räumte er für den ganzen Tag ein Zimmer in seinem Hause ein für den Unterricht und für das Arbeiten. Später veranstaltete derselbe Sammlungen, erreichte Zeichnungen jährlicher Beiträge, begründete das jüdisch-theologische Collegium, bei welcher Gelegenheit auch ein Lehrer für Mathematik angestellt werden konnte. — Obgleich ich nun durch ziemlich genaue Kenntniß der Oertlichkeit für sehr wahrscheinlich halte, daß solche Anstrengungen nur in einer sehr geringen A zahl von Schülern verwerthet werden; so verdienen doch diese selbst die größte Anerkennung und lebhafteste Nachahmung.

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