Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1866)
- Date
- 1866-04-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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291 Fuchs gehandelt, daß er die Trauben nicht gestohlen hat, die er nicht erlangen konnte! Welch ein Jubel würde in den Mifsionskreisen geherrscht haben, wenn es dem Bischof Gobat «ZOi-n gelungen wäre, 2000 Juden in Jerusalem zu taufen! Für ein solches Resultat hätte die Mission sicherlich gern Millionen geopfert. -- Allein, der ehrwürdige Herr Gobat hat es nicht gethan, weil er es nicht konnte, weil er nur acht Unglückliche fand, die ihm die Freude machten, sich kaufen — wir wollten sagen, sich ti.ufen zu lasten. Unseren Lesern wird es noch erinnerlich sein, wie die Missionäre mit den armen Falascha's in Abessynien verfuhren, wie die Herren Stern, Brandeis rc. sich bei ihnen für echte und wahre Juden ausgaben, ihnen vorspiegelten, der Messias sei schon dem Hause Israel gekommen, so daß jene armen, ununterrichteten Leute einen Brief an den „Hohenpriester" nach Jerusalem sandten und um Aufklärung baten. Von diesen ununterrichteten Falaicha's wurden damals 60 von der Mission gewonnen und getauft, und mit welchem Aplomb wurde dieses Resultat in den Zeitungen verkündet! Es ergeht den erwähnten abestynischen Missionären gegenwärtig schlecht genug; das uns vorliegende Missionsblatt enthält darüber einige Berichte. König Theodor hat sie ins Gefängniß werfen lassen; sie sind gefesselt an Händen und Füßen und werden von Zeit zu Zeit geschlagen und gefoltert. Ob die Herzen dieser Herren Stern, Brandeis*) rc. wohl so verstockt sind, daß sie in ihrem traurigen Geschicke nicht die strafende Hand Gottes erkennen? Ob ihnen auf ihren Schmerzenslagern nicht die furchtbare Sünde, die sie nicht allein durch ihren eigenen Abfall, sondern noch vielmehr durch die schmähliche Verführung Unwissender begangen haben, in ihrer ganzen Erschrecklichkeit vor Augen tritt, ob sich während der Folterqualen nicht das jüdische Bekenntniß z-OL? ihren Herzen und ihren Lippen entringt? Sicherlich; allein die Unglückseligen können doch nicht zurückkehren: N'2 pp'OOO cm N'viiQN 22 Wer Viele zur Sünde verleitete, den lasten seine Vergehungen nicht dazu gelangen, Buße zu thun! Im Üebrigen entnehmen wir dem mehrerwähnten Blatte die Nachricht, daß es mit der Mission für Abessynien für immer aus ist. Der Abuna, das geistliche Oberhaupt der abestynischen Kirche, hat öffentlich erklärt, daß er, so lange er lebe, keine Mission mehr dulden werde. Damit hört jedoch unsere Aufgabe in Bezug auf die armen Falascha's nicht auf; sobald günstigere *) Stern ist ein getaufter Jude aus Kurhessen, Brandeis ist ein getaufter Jude aus dem Badischen rc. rc. Zeitverhältniffe eintreten, wüsten wir dafür sorgen, daß sie Belehrung in der Religion Israels erhalten. Zum Schluffe richtet noch das uns vorliegende Missionsblatt die Frage an die ernsten, gläubigen Juden, an die Rabbinen und Lehrer in Israel, ob wir uns nicht ob der Werke der Barmherzigkeit freuen, welche die Missionäre an unsern unglücklichen Glaubensgenossen in Jerusalem üben. Unsere Antwort darauf ist die, daß wir darauf hinwirken werden, daß von den Rabbinen in Jerusalem ein Cherem verhängt werde über die, welche yon den Missionären noch ferner Unterstützung annehmen, so daß dieselben von jeder Chalukah (Vertheilung der Spenden) ausgeschlossen bleiben. Wir sprechen zu Euch, wie man zu der Biene spricht: „Wir wollen weder deinen Stich noch deinen Honig." — Man mißverstehe uns nicht; Niemand kann so von Achtung und Liebe gegen unsere christlichen Mitbürger durchdrungen sein wie wir; wie wir für uns Toleranz und Humanität verlangen, so sind wir stets bereit, diese gegen unsere andersgläubigen Mitmenschen zu üben; aber die Missionäre, die es sich zum „Geschäft" machen, unsere Glaubensgenosten durch alle erdenklichen Mittel von ihrem Vater im Himmel abtrünnig zu machen, die muffen wir von unsern Brüdern fernhalten mit aller Macht — ^2 ^iQn2Q "NQ l — Noch einmal über die Jeschiba - Angelegenheit. Von vr. lli1äe8deimer. H. Ich kann dir, freundlicher Leser, jetzt nicht erlassen, mir auf ein sehr steriles Feld, das trockener Zahlen, zu folgen, ja partienweise kann ich gar Nichts thun, als diese selbst hinznstellen, ohne ein Wort gemüthlicher Unterhaltung oder geistiger Belehrung. Doch darf ich wohl bei meinen Lesern das Bewußtsein voraussetzen, daß ich ihnen in diesen Aufsätzen nicht etwa Dumas'sche Causerien oder hochmetaphysische Profestorenweisheit liefern wollte, sondern empirische Reflexionen mit beständigem Hinblicke auf die dadurch zu erlangenden praktischen Resultate für eine der größten Fragen des praktischen jüdischen öffentlichenLebens, ja für die allergrößte Frage, ohne welche nach menschlicher Berechnung eine auch nur einigermaßen befriedigende Zukunft nicht möglich. Da zur Eruirung des Resultates die folgenden trockenen Ziffern, die übrigens nur nicht unmittelbar sprechen, mittelbar aber beredter als alles Andere find, unumgänglich nothwendig, so wird man ihnen wohl die Berechtigung, hier erörtert zu werden, -ugestehen.