Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1866)
- Date
- 1866-04-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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28! Am Begräbnißplatze Haskewi angelangt, wurde der Zug von den Rabbinen empfangm; auch war dort die Schuljugend aufgestellt, die Trauerhymnen anstimmte. Während des Zuges ereignete sich etwas, was nur in der Türkei Vorkommen dürfte. Als der Zug an einer griechisch-orthodoxen Kirche vorüber kam, kam der Bischof nebst vier Küstern mit Kerze« in der Hand aus der Kirche und begleitete die Leiche bis zum Begräbnißplatze. Während des ganzen Zuges läuteten die Glocken in der griechischen Kirche. Herr Camondo, der Enkel der Verschiedenen, richtete eine Dankadresse an dm Bischof für dessen tolera»tes Benehmen, die im „Courier D'Orient" wiedergegeben wurde. Bei dieser Gelegenheit vertheilteu die Familienangehörigen der Verstorbenen sehr viele Almosen an die Armen der Hauptstadt ohne Unterschied der Culte. Corrftarrtiuopel Vor einigen Tagen wurde eine Anklage gegen uns erhoben, die recht würdig des Mittelalters ist. In dem Quartier von Couscoundjonk verlief sich ein griechischer Gassenjunge aus dem väterlichen Hause, wo er schlecht behandelt worden war. Die Eltern, anstatt ihn zu suchen, liefen auf das Polizeibureau, um die Juden anzuklagen, daß sie den Jungen getödtet hätten, da sie nämlich Christenblut zur Bereitung des Brodes für Ostern gebrauchen. Wie überall so auch am Bosphorus ist es die niedere Classe, von der die Verläumdung ausgeht. Der aufgeklärte Theil der Bevölkerung vergißt nicht, daß der Sultan die Gleichstellung aller seiner Unterthanen wünscht, und wenn der Polizeikommissär in den geachtetesten Häusern Nachsuchungen veranstaltet hat, so hat er sich " dadurch den allerhöchsten Tadel zugezogen. Es erfolgte dieser in Folge der energischen Eingabe, die von dem ComitL der „Alliance israälite" au S. M. Mehmed Ali gerichtet wurde. Während dieser Zeit hat sich das Kind wieder gefunden. (A. P a l ä st i n a. Jerusalem. Herr Guedalla in London erhielt ein Telegramm, datirt Jerusalem den 5. April, in welchem Sir Moses Montefiore den Tod seines Reisegefährten, des vr. Hodgkin, der zu Jaffa erfolgte, anzeigt. Schon am 19. März erkrankte dieser berühmte Mann, worauf Sir Moses Montefiore den Arzt vr. Chaplin aus Jerusalem telegraphisch berufen ließ, der Anfangs auf baldige Genesung des Erktankten hoffte, ihm jedoch untersagte, die Reise nach Jerusalem fortzusetzen. In Folge dessen verweilte die ganze Reisegesellschaft zu Jaffa. Da sich aber der Zustand des Kranken selbst nach Verlauf von 8 Tagen nicht wesentlich gebessert hatte, so reisten Sir Moses Montefiore, Herr Sebag und. Lr. Löwe allein nach Jerusalem. Capitain Moore und die Dienerschaft blieben in Jaffa bei dem Patienten. Herr Hodgkin war ein Mann von großer Gelehrsamkeit. Er war einer der Begründer der Aborigines Protection und Ethnolozial Sscietes, Ehrenmitglied des Vorstandes der Geographischen Gesellschaft, Mitglied des Senats der Londoner Universität, und correspondirendes Mitglied vieler anderer gelehrten Gesellschaften. Er starb in dem Alter von 68 Jahren. Eine Depesche an ein Londoner Tagesblatt meldet, daß die sterblichen Ueberreste des Verewigten nach Jerusalem gebracht wurden. Möge er in Friede ruhen, bis die Tobten auferstehen werden 12p 1221. 7i"22Zcr (Jew. Chron.) Afrika. E. Ingo. Vor einigen Jahren befand ich mich auf den Inseln des grünen Vorgebirges. Hier erfuhr ich, daß gerade damals die Beamten verordnet hatten, daß kein Fremder sein Dätail-Geschaft ferner betreiben dürfe. Nun sind aber diese Fremden nur Israeliten, hiedurch sind diese Fremden gezwungen, ihre Läsen zu schließen. Sie wandten sich mit ihren Beschwerden an die Regierung zu Lissabon, welche entschied, daß die französischen und englischen Juden von dieser Maßregel ausgenommen seien, also ihren Handel fortsetzen können. Ich habe nur noch zu bemerken, daß die Reelamanten größtentheils marokkanische Unterthanen sind und daß die Cap-Verdischen Inseln unter den — Portugiesen stehen. S. Azavey. (Univ. isr.) Feuilleton. Kern un- Schale. Eine Sage aus dem XU. Jahrhundert. Mitgetheilt von k. Lsinrol^. (Fortsetzung.) m. Joseph's silberner Becher. Hillel hatte erst vor drei Tagen Metz verlassen; er reiste Tag und Nacht, aus einem Pferde reitend, das er dort gekauft hatte. Er hatte in jener gelehrten Stadt fast die ganzen drei Monate verweilt, ehe er zum Zweck seiner Reise gelangt war. Er durchsuchte alle Märkte, alle Läden von Metz, ohne auch nur den geringsten Gegenstand zu finden, der zu einem nützlichen Geschenk für einen Sir Bongodas geeignet gewesen wäre. Der junge Hillel setzte sich am Ende des dritten Monates ans eine Bank in einer abgelegenen Allee der städt. Glacis. Ein armes, altes Weib in jüdischer Tracht, nimmt den Platz am anderen Enoe der Bank ein und säugt au zu weinen. Stillschweigend betrachtet der L>chnler von Rabbi Tam eine Zeit lang