Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1866)
- Date
- 1866-04-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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260 Grausamkeit trägt, versetzt^ dieser Tage die israelitischen Bewohner unserer Gemeinde in die höchste Aufregung und Bestürzung. Der Pächter des hiesigen israelitischen Vadehauses fand früh morgens zu seinem höchsten Schrecken seine christliche Magd in einer Wanne geschlachtet. Nachdem er hierüber die Anzeige gemacht, verbreitete sich bald das Gerücht, die Juden hätten zu Ostern dem obigen Opfer das Blut abgezapft, welche Kunde sowohl in der Stadt als in der Umgebung bei den noch au Fanatismus leidenden Bauern williges Gehör fand. Es erwies sich aber deutlich, daß das Opfer im Garten geschlachtet und dann nach Erbrechen eines Fensters in das Innere des Badehauses geschleudert wurde. Die Thatsachen konstatiren, daß der Bösewicht auf diese Art die finstere Idee eines Judenexceffes auszuführen beabsichtigte, was aber durch die Energie unserer Behörde und das Dazwischentreten unserer loyalen Intelligenz glücklich vereitelt wurde." Weißkirche» Vor zwei Tagen trat ein raubsüchtiger Strolch am Hellen Tage in das Berschleißgewölde e-nes jüdischen Lsderhändlers zu Weißkirchen, woselbst nur ein Knabe die Aufsicht hielt und fing ohne Weiteres an, von den tragbaren Ledergattungen mit den Worten: „Ihr Juden habt alles und wir haben nichts" einzuraffen. Wie nun der Knabe Lärm machte, herrschte ihm der Gleichberechtigte zu: „Was zeterst du, nächstens werdet ihr Juden ja ohnedies alle ausgeplündert werden, wir sind Alle beisammen." Das Geschrei des Knaben rief einen Retter herbei, dem schnell anders folgten, man rief! die Polizei und der Apostel des Kommunismus wurde in Verwahrung gebracht. Aus Böhme». Der Benateker Bürger, Herr V. Papouszek wurde am 22. März verhaftet und nach Jungbunzlau abgeführt. Wie man, dem „Nar." zufolge, vermuthet, war die Ursache folgende: Herr Papouszek kaufte ein paar Tage früher bei einem Lsrael. Kaufmann etwas und verlangte „scherzweise", der Kaufmann möge ihm einen Häring zugeben. Auf die Frage des Kaufmannes, wofür er den Häring geben solle, erwiderte Herr P. wieder „im Scherze", er werde den Juden vertheidigen, bis das Volk sich gegen ihn erheben «erde. Der Kaufmann nahm den jedenfalls unzeitigen „Scherz" als Ernst und zeigte die Sache bei Gericht an. Ein Schänker und drei Israeliten wurden noch am Tage der Verhaftung Papouschek's nach Jungbunzlau vorgeladen. Die czechischen Blätter bringen noch immer Mittheilungen aus einzelnen Städten, daß gegen Israeliten Unbilden verübt worden feien; doch find dis betreffenden Vorfälle unbedeutend, . E a. Ujhely Unser ehrwürdiger Oberrabbiner, Herr Jeremias Höw, bleibt unsrer Gemeinde erhalten; die Gemeinde kst auf die Erfüllung seiner Forderungen, die jedoch nicht ihm, sondern lediglich uns zum Vortheil gereichen «erden, bereitwilligst emgegangen. Italien. Aerrara Ein Correfpondent schreibt dem „Educatore Jsraelita": „ Unter den vielen Lasten, die die päpstliche Regierung uns aufbürdete, war eine, tue alle Maße der Ungerechtigkeit überschritt. Seit 1596 wurde unseren Synagogen eine jährliche Abgabe zum Unterhalt des Instituts für zum Christenthum übergegaugene Inden auferlegt. Wir waren gezwungen, ein Etablissement zu unterstützen, das dazu bestimmt war, unsere eigenen Religionsgenoffen von uns abwendig zu machen, und die Kinder zu beherbergen, die man uys gestohlen hatte. Später, um sich die Entrichtung dieser Auflage zu sichern, ließ man die Synagogen und ihr Eigenthum, gegenwärtiges und späteres, dafür haften. Nach 1359 verweigerten unsere Beamten die fernere Zahlung dieser tyrannischen Auflage, und zwar trotz der Proteste der Direktion des Instituts; gesetzlich bestand aber diese Abgabe noch. Unlängst wollte einer unserer Vorsteher an der deutschen Synagoge zu Ferrara diese schmähliche Erpressung, die des Mittelalters würdig ist, auch gesetzlich aufgehoben wissen, er wandte sich deshalb an die Regierung. Diese entschied zu Gunsten der Inden. Es ist zu hoffen, daß die übrigen Gemeinden. ermathLgt durch dieses Beispiel, um dieselbe Gerechtigkeit nachlnchen, die sie auch sicherlich erlangen werden. Frankreich. Ein Beschluß des Cultusministeriums vom 26. Februar d. I. verwilligt der Gemeinde Saint-Dizier (Haute-Marne) die Summe von 4090 Fres. zur Unterstützung ihres Synagozenbaues. Der Gemeinde Osthauseu (Bas-Rhin) wurden 6000 Frcs. zu gleichem Zwecke angewiesen. (Univ. isr.) Türkei. Gousturrtirropel Frau Clara Camondo, die Frau des ehrwürdigen Banquier A. Camondo von hier, starb am 6. März d. I. nach kurzem Krankenlager. Das Leichenbegängmß fand mit großem Pompe statt; von allen Seiten kamen Leidtragende, um das Andenken der wohlthätigen Frau, die wahrend ihres ganzen Lebens ein Muster der Frömmigkeit und der häuslichen Tugenden war, zu ehren. Freitag gegen zehn Uhr Morgens setzte sich der Zug in Bewegung, an der Spitze sämmtliche Rahbiuen unserer Stadt in ihrer Amtstracht, die Natahlen und die Banquiers aus allen Religionen und den verschiedenen Nationalitäten, die Deligirten dsp verschiedenen Consultate. Einige Brigade» GenSdarmerie hatten über die Ordnung im Zuge zu wachen.