Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1866)
- Date
- 1866-04-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447255--04130-2459567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
278 Besitze, von dem vielmehr eine unbegrenzte Wohlthätigkeit Hunderttausende von Armen mitgenießen. Das Haus Rothschild gibt den glänzendsten Beweis, daß die strengste Ehrlichkeit und Redlichkeit, die unbestechlichste Rechtschaffenheit weiter führen und besser fördern als alle unedlen Künste, alle niedere oder unredliche Erwerbsarten. — Daß wir wahnsinnige Behauptungen, wie solche, die Juden hätten die österreichischen Finanzen ruinirt, mit Stillschweigen übergehen, wird uns Niemand verdenken; mit demselben Rechte könnte man behaupten, die Juden hätten den Ausbruch der Cholera veranlaßt. Der Verfasser des in Rede stehenden Artikels schmäht ferner, auf den schädlichen Einfluß der Juden in der Presse und nennt zum Beweise die Schriftsteller Börne und Heine; abgesehen davon, daß das hier über die zwei genannten Schriftsteller gefällte Urtheil ein durchaus nicht zutreffendes ist, haben wir nur darauf zu entgegnen, daß Börne und Heine Christen waren, daß sie längst getauft waren, als sie die von ihnen angezogenen Aussprüche thaten. Daß die Juden die Revolution lieben ist ebenfalls eine nicht auf Wahrheit beruhende Behauptung. Die jüdischen Staatsbürger gehören im Gegentheil zu den conservativften Elementen der Bevölkerung und sind allüberall mit aufopferungsfähiger Treue dem Fürstenhause und dem Vaterlande ergeben. Am meisten beklagen wir in dem mehrerwähnten Artikel einige Citate aus einer angeblich in Lyon von einem Rabbiner A. Fabins km Jabre 1842 gehaltenen und gedruckten Predigt, in der gegen die christliche Religion Schmähungen ausgestoßen sein sollen. Unseres Wissens existirt kein Rabbiner dieses Namens; wir sind sehr geneigt, die ganze citirte Predigt für das böswillige Produkt eines Judenfeindes zu halten. Dem sei jedoch wie ihm wolle, wie kann man für einen einzigen thörichten Mann die ganze Judenheit verantwortlich machen wollen? Möge doch der Herr Verfasser in unsere Schulen und Synagogen gehen und sich davon überzeugen, was dort gelehrt und gepredigt wird; nichts als die reinste Menschenliebe, die Duldung und Liebe gegen Andersgläubige, Ermahnungen zur Rechtlichkeit, Redlichkeit, Wohlthätigkeit ohne Unterschied des Glaubens oder der Gesinnung. Wir schmähen keine Religion, wir können die aufrichtigsten Anhänger der unsrigen sein, ohne eine andere zu verachten, wir lehren Liebe und Eintracht, und die Grundlehre unserer Religion ist die, daß Gott der Schöpfer und Vater des Weltalls ist, daß daher alle Menschen sich als Brüder lieben und achten sollen. Das „Euskirchener Wochenblatt", das meistens den Arbeitern zur Lecmre dient, würde seiner Aufgabe in viel besserer und würdigerer Weise genügen, wenn es statt Haß und Feindschaft zu säen, Liebe, Eintracht und Versöhnung zu seinen Prineipien machen wollte. Während wir dieses schreiben', kömmt uns die Nummer 13. des „Landwirthschaftlichen General-Anzeigers" (Berlin, den 7. April) zu. die an ihrer Spitze das Portrait eines Juden, des Herrn Joseph Jakob Flat au trägt. Wie kömmt der Mann zu dieser Auszeichnung? In der Mark Brandenburg liegt eine kleine Stadt, Namens Buckow, die 2000 Einwohner zählt. Die Stadt war so verarmt, daß in derselben fast das ganze Jahr hindurch kein Rind geschlachtet wurde, weil Wenige da waren, die Fleisch hätten kaufen können. Da berief der Stadtvorstand den Juden Flatau, um der Hopfencultur, die derselbe mit großem Erfolge in Neutomysl im Pssen'schen eingeführt hatte, auch in Bukow Eingang zu verschaffen. Flatau begann mit der größten Aufopferung im Jahre 1861 sein Werk mit Ueberwindung der entgegenstehenden Schwierigkeiten, die ein schlechter, ungeeigneter Boden brachte. Jetzt sind in Bukow 150 Hopfenproducenten, die Ernte des Jahres 65 betrug 300 Centner und brachte 11,000 Thaler ein. Die Stadt Buckow hat, wie schon früher Neutomysl ihren Wohlthäter zum Ehrenbürger ernannt, und 2000 christlichen Seelen verdanken einem einzigen Juden ihren neuerblühenden Wohlstand!!! Warum verweist der Verfasser des mehrerwahnten Artikels nicht auch auf solche Thatsachen? Wir empfehlen ihm, den 71. Psalm zu lesen, mit dessen Schlußworten auch wir schließen: „Den ganzen Tag redet meine Zunge von deiner (Gottes) Gerechtigkeit, denn es werden beschämt werden und erröthen, die mein Verderben suchen." — AeLtungSnachrichten und Correfpoudenzen. Deutschland. Mainz, den 15. April. Zu der Trichinenkrankheit gesellt sich nunmehr die — Austernpest. Die naturwissenschaftliche Sektion der Akademie von Christiania macht soeben eine merkwürdige Thrtsachs bekannt. In jenen armen norwegischen G^enden, die sich hauptsächlich vom Fischfang nähren, spielt die Auster nicht als Delicatesse, aber als tägliches Nahrungsmittel aller Klaffen eine sehr wichtige Rolle. Plötzlich kamen dort vielfache merkwürdige Erkrankungs- und Todesfälle vor; die hervorragendsten Mitglieder der medizinischen Fakultät widmeten derThatsache, welche die ganze Bevölkerung von Christiania in Aufregung versetzte, die eingehendste Sorgfalt, und es stellte sich in Folge ihrer Untersuchungen heraus, daß diese Unglücksfälle von einer bidahin unbekann-