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Der Israelit · 1866-04-18 · Heft 16 (18.4.1866) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 16 (18.4.1866)
Date
1866-04-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VII. Jahrgang. Beilage z« Rr. 18 des Israelit. L<it««der Artikel. Hetzereien gegen die Inden. Mainz, den 13. April. Die traurigen Erfolge, welche einige czechische Zeitungen durch Hetzereien gegen die Juden errungen, indem sie das niedere Volk zu dessen eigenem höchsten Nachthcile gegen die Juden aufwiegelten und zu Thätlichkeiten veranlaßten, scheinen ähnlich gesinnte Blätter zu gleichem Thun anzuregen. In Euskirchen, einer Stadt in der preußischen Rheinprovinz, deren Bevölkerung zum großen Theile aus Fabrikarbeitern besieht, erscheint ein Wochenblatt, das die Hauptlectüre dieser Arbeiter bildet. In der Beilage zu Nr. 14. des genannten Blattes erschien ein Artikel voll gemeiner Schmähungen und erdichteter Anklagen gegen die Juden. Wir geben hier eine Entgegnung gegen den genannten Artikel wieder, die an das Euskirchener Wochenblattt eingesandt wurde und die hoffentlich von demselben veröffentlicht werden wird: Die Könige -er Welt Unter dieser Ueberschrist enthält die Beilage zu Nr. 14 des „Euskirchener Wochenblattes" einen Artikel, der in seinen Grnndzügen aus Unwahrheiten beruhend, geeignet ist, einen Theil der Bevölkerung in Aufregung und den anderen in Unruhe und Besorgniß zu versetzen, Ereignisse heraufzubeschwören, die unserer Zeit und unserem Lande zur ewigen Schande gereichen winken. Wir erwarten daher von Ihrem Gerechtigkeitsgefühle, daß Sie uns ein Wort der Vertheidignng nicht versagen werden. Der erwähnte Artikel zerfällt in drei Theile; er enthält erstens die Klagen des sogenannten gemeinen Mannes gegen die Juden, zweitens die Beschwerden der sogenannten Gebildeten über dieselben, und fordert drittens zum Widerstande oder zum Angriffe auf. Zuerst wird behauptet: „Die Juden arbeiten fast ohne Ausnahme nicht und doch werden sie in der Regel reich — vom Schweiße der Christen." Es ist dies eine grobe Unwahrheit. Die Juden, die nicht arbeiten, werden nicht reich, und diejenigen, welche sich Vermögen erwerben, verdanken dasselbe nur der angestrengtesten Thätigkeit. Wenn die Arbeit der Juden vielfach anderer Art ist, so liegt dies lediglich darin, daß die Israeliten ein Jahrtausend lang von jeder Handarbeit ausgeschlossen waren, daß ihnen Handwerk und Bearbeitung des Bodens durch die Gesetzgebung untersagt war. Kein Volk kann schnell I j eine Gewöhnung, die ein Jahrtausend gewahrt hat,! — und sollte sie auch eine aufgezwungene sein — I abschütteln. Nichtsdestoweniger sehen wir überall, wo es die Gesetzgebung seit längerer Zeit gestattet hat, die Juden sich dem Handwerke und der Bodenkultur zuwenden. Wenn der erwähnte Artikel ferner behauptet, daß „die Ortschaft ruinirt sei, in welcher die Juden viel verkehren," so spricht er das gerade Gegentheil von der Wahrheit aus. All diejenigen Städte, welche die Juden ausgeschlossen haben, sind von ihrer Bedeutung und Größe im Mittelalter herabgesunken und haben sich erst wieder in neuester Zeit gehoben, da sie der Intelligenz und dem Fleiß e der Juden die Rückkehr gestatteten; wir nennen nur Köln, Magdeburg, Lübeck; Hamburg dagegen, das seit dreihundert Jahren eine jüdische Bevölkerung von über 10,000 Seelen zählt, ist seit dieser Zeit die erste und größte deutsche Handelsstadt geworden. ein wahrhaftes Juwel im deutschen Vaterlande. Was das noch weiter in diesem ersten Theile gegen die Juden Vorgebrachte betrifft, so hat der Verfasser des Artikels vollkommen Recht, wenn er die so Redenden als „gemeinen Plebs" bezeichnet; es sind das ordinäre Schimpfereien, die man am Besten mit Stillschweigen übergeht. Gehen wir nun zum zweiten Theile über. Hier wird der Reichthum und der Einfluß einzelner jüdischer Bauqniers geschildert; es wird von den großartigen Unternehmungen gesprochen, die mit Hilfe der jüdischen Intelligenz und des jüdischen Capitals ins Leben gerufen worden sind. Jeder Wahrheit und Gerechtigkeit liebende Mensch wird zugestehen, daß diese Eisenbahnen, diese Telegrophenverbindungcn, diese ungeheure Hebung und Erleichterung des Verkehrs ein wahrer Segen für die Menschheit sind, daß sie den Wohlstand heben und die überflüssigen Produkte eines Landes dem daran Mangel leidenden anderen Lande zuführen. In Ungarn zum Beispiele mußten noch vor 20 Jahren die Landbebauer des einen Landestheiles ihren Ueberfluß vergraben, während die Bewohner des anderen manchmal Hunger litten; es fehlte nämlich an Verkehrsstraßen, so daß der Transport unmöglich war. Wenn aber diese Männer, die Industrie, Handel und Gewerbe zu nie geahnter Höhe emporheben, für sich Reichthümer erwerben, sollen sie diese nicht genießen, sollen sie dieselben etwa in die Erde verscharren? Der Artikel ergeht sich in Schmähungen gegen das Haus Rothschild, blickt neidisch auf die Pracht des Schlosses Ferneres! Mögen sich doch die Glieder der Familie Rothschild unbehindert ihres Reichthnms freuen; es klebt kein unrechtmäßig erworbener Pfennig an ihrem

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