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Der Israelit · 1866-04-18 · Heft 16 (18.4.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 16 (18.4.1866)
Date
1866-04-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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rotteten sich Haufen von Pöbel zusammen und ließen gegen einen bei ihnen stehenden Juden die Worte hören: „Wenn das Mädchen gefunden wird, so ist es aut für Euch Juden, wo nicht, so HM Ihr Rechenschaft abzulegen, da ihr cs wahrscheinlich ermordet hat, um Christenblut zur Bereitung Eurer Mazzoth zu haben." — Man erkundigte sich und suchte den ganzen Tag nach dem Mädchen; aber alle Bemühungen blieben fruchtlos. Ms es Abend wurde, und das Mädchen noch immer nicht zum Vorschein gekommen war, forschte der Vater desselben, begleitet von Politisiert, in den außerhalb der Stadtmauern stehenden Häusern, da das Mädchen hier sehr oft spazieren ging, genau nach, und fand es endlich im Hause einer im schlechten Rufe stehenden Gärtnerin ermordet und eingehüllt in Lumpen unter einem Bette. Tie Frau wurde sogleich in Fesseln gelegt und während der Nacht von den Policisten streng bewacht. Die schreckliche Nachricht von der Ermordung des Mädchens hatte sich in der Nachbarschaft bald verbreitet, und Alles eilte herbei, um die Mörderin zu sehen. Da sprach Einer aus der Menge zu ihr: „Vielleicht haben hie Juden Dich veranlaßt, das Mädchen zu ermorden, damit sie Christenblut zur Bereitung ihrer Mazzoth haben." Die Mörderin, sich wohl bewußt, daß der Mord nicht zu läugncn, indem die Spuren ihrer fürchterlichen That noch an ihren Kleidern zu sehen waren, benützte die soeben gehörten Worte, als sie vor Gericht gebracht wurde, um ihre Strafe zu mildern und wdrf diesen ungerechten Verdacht auf die Juden, was ihr um so leichter gelang, als den Juden schon seit mehreren Jahrhunderten die boshafte und zugleich lächerliche Beschuldigung nachgesagt wurde, sie hätten Christenblut nöthig zur Bereitung der Mazzoth, zu Liebes- und Zauberkünsten, zum Curiren sonst unheilbarer Krankheiten, zum Bestreichen der Sterbenden, eine Anklage, die von allen Denen, die die Mischen Religionsgesetze kennen und wissen, wie streng selbst der geringste Genuß des Blutes verboten ist, als eine wahnsinnige betrachtet werden muß; und doch wurde sie überall von Vornehmen und Niederen für wahr gehalten und hat große- Unglück über die Juden gebracht. Die Mörderin kannte nur einen Juden in der Stadt, Namens Jizchak Jeschurun. Diesen gab sie an, als habe er ihr befohlen, das Mädchen zu tödten. Sogleich ließ das Gericht die Thore des Ghettos schließen und den genannten Juden vor sich bringen, um zu erfahren, ob die verruchte Aussage des Weibes richtig sei. Jizchak wurde den Richtern gegenübergestellt. Mit ruhigem Blicke betrachtete er dieselben, deren Auge kalt und finster auf iAn hastete. Ihre Züge warm hart, abstoßend — kein Funke von Theilnahme sprach sich in ihnen aus. Araber Jizchak vernahm, welcher fürchterlichen That man ihn beschuldigte, erschrak er und fing an zu zittern, da er wußte, wie leichtfertig man mit dem Leben eines Juden zu verfahren pflegte. Jude, sprach der Richter, schwöre, die Wahrheit zu bekennen. Jizchak erwiderte: „Ich bin mir keinerlei That bewußt, die das allwissende Auge des obersten Richters aller Menschen zu scheuen braucht. Wie kann ich diesem Weibe befohlen haben, daS Mädchen umzubringen, da ich dasselbe vorher gar nicht gekannt habe und dessen Sprache nicht einmal verstehe." *) Diese Worte gereichten Jizchak zum großen Nachtheil, da das Gericht ihm Zeugen gegenüberstellte, die fest behaupteten, ihn schon mehrmals gesehen zu haben, als er mit dem Weibe gesprochen. Ein finsteres, dämonisches Hohnlächeln spielte einen Augenblick um die Lippen des Richters: alsdann sprach er mit furchtbarer Stimme: „Jude, beharrst Du darauf, diese That noch ferner zu läugnen? Bekenne, oder fürchte die Folgen deines frechen Weigerns." — „Ob ich sie läugne? Ich bekenne Nichts; denn ich habe Nichts zu bekennen." — „Gut, sprach der Richter mit höhnischer Ruhe, wir haben Mittel, einen störrischen Nacken zu beugen. Du wirst sie kennen lernen. Angeklagter, dein Lebm ist verwirkt, der qualvollste Tod harret Deiner, und er ist die gelindeste Strafe für dein Vergehen, fuhr er mit eisiger Gleichgiltigkeit fort; dennoch kannst Du noch Gnade finden, wenn Du dein hartnäckiges Leugnen aufgibst, wenn Du reumüthig deine begangene That eingestehst. Noch einmal fordere ich Dich auf bekenne die That." „Ich habe Nichts zu bekennen," erwiderte Jizchak. „Nicht dem Weibe befohlen zu haben, das Mädchen zu ermorden?" Nein!" „Nicht den Verkehr mit diesem Weibe?" — „Nein!" „Wohl denn!" donnerte plötzlich der Richter mit funkelnden Augen und grimmverzerrten Zügen, „wohl denn, verfluchter Jude, so lerne die Strenge des Gerichtes kennen. Schleppt ihn zur Folter! Reckt seine Glieder aus — zwickt ihn mit glühenden Zangen — martert jede seiner Fibern, foltert ihn, bis Schmerzen und Qualen seiner verfluchten Zunge daS Geständuiß seiner Missethat entreißen. Hinweg mit ihm!" — Die Diener der Gewalt schleppten ihn fort. (Fortsetzung folgt.) Die Sprache der Einwohner ist ein Gemisch von Slavo» nisch und Italienisch. Hier-« zwei Seilngen. Lerantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rauschen Hofbuchhandlung. — DampstEchnellpressendruck von I. Sott-lebrn in Mainz.

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