Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1866)
- Date
- 1866-04-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447255--04127-2459564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
278 Palästina. Die Expedition des englischen Hauptmanns Wilson hat in letzter Zeit besonders in dem Striche des Sees Genezareth gearbeitet. Die astronomischen Beobachtungen, die gemacht wurden, geben die Grundlage zu einer Karte, welche die Topographie dieses Theiles von Palästina seststellen wird. Die Aufnahmen erstrecken sich über die Wasserscheide zwischen dem Mittelmeer und dem todten Meer und reichen am Jordan bis Safet herab. Die Gegend rund um den See soll am genauesten vermessen und jedes der WadyS ausgenommen werden, die vom Westen her in ihn münden. Bon den merkwürdigsten Alterthümeru werden Photographien genommen. Bei Schloß Hunin wurde ein in den Felsen eingehauener Graben gesunden, der an einigen Stellen zwanzig Fuß tief ist und und em sehr altes Werk zu sein scheint. In KedeS wurden zwischen den Ruinen Ausgrabungen veranstaltet. Das westliche Gebäude ist ein Grabmal, das zwölf Sarkophage enthält. Das östliche Gebäude ist ein Sormentempel aus etwa gleicher Zeit mit dem zu Baalbek. Der reich verzierte Thürsturz über dem Haupteingange wurde ausgegraben. Dicht neben dem Tempel fand sich ein Altar mit einer griechischen Inschrift. der offenbar zum Tempel gehört hat. Man entdeckte hier im Boden einen vortrefflich gearbeiteten Sarkophag, der sich viel besser erhalten hatte als die, welche immer der Luft ausgesetzt gewesen waren. Auf einem, keine ganze Stunde in südöstlicher Richtung von Kedes entfernten isolirten Berge, Tel Havah genannt, zeigten sich oie Ueberreste einer großen Stadt von sehr hohem Alter. Die Mauern der Citadelle und ein Theil der Stadtmauer ließen sich genau verfolgen. Wilson glaubte in diesen Ruinen das lange gesuchte Hazor gefunden zu haben. Die Ruinen von Chorazin bei Kevageh erwiesen sich als viel bedeutender, als man bisher vermuthet hatte. Sie erstrecken sich über eine weit größere Fläche als Tel Hum, und unter den Prioathäusern sind einige, die sich mit Ausnahme der Dächer vollständig erhalten haben. Hier und da haben die Thür- und Fensteröffnungen die äußeren Umrisse behalten. Alle Gebäude, einschließlich der Synagoge oder Kirche sind von Basalt und man muß mitten unter ihnen stehen, Um zu erkennen, was sie sind. In einer Entfernung von fünfzig bis hundert Schritten sehen sie wie die Haufen von Basaltsteinen aus, die in dieser Gegend so häufig sind. Der breite Einschnitt iu deu Felsen, dem man oberhalb Am und Tin begegnet, hat sich als Theil einer Wasserleitung herausgestellt, durch welche LaL ganze Wasser der Quelle Tabigha in die Ebene von Genezareth geleitet worden ist, um zu Bewässerungszwecken zu dienen. Das Wasser stoß m eiuen Teich zusammen, von wo ab es an den Hängen des Tabighahthales abwärts geführt wurde. An verschiedenen Punkten stehen einzelne Theile der Wasserleitung noch aufrecht und ihre ganze Richtung läßt sich leicht an den Ruinen verfolgen, die mit anklebendem Cement an den Feldern liegen. DaS System ist nicht so großartig wie in der Ebene von Damaskus, aber das Princip der Bewässeruna ist dasselbe. Ausgrabungen in den Grabhügeln von Kohan Minyeh haben keine befriedigenden Resultate ergeben; die aufgefundenen Geschirre und die Mauern verratheu einen verhältuißmäßia modernen Ursprung. (Wstrm. MtShfte.) Mexico. Dera-Urirz Vr. S. Basch, einer unserer Glaubensgenossen, der seither Hilfsarzt im Hauptspital zu Wien war, hat seine Stelle aufgegeben, um als Militärarzt bei der kaiserlich mexikanischen Armee in die hiesige Garnison einzntreten. Wahrscheinlich ist dieses der erste Jude, der ein öffentliches Amt in Mexiko bekleidet. „Hebrew Leader." Feuilleton. Eine beabsichtigte Judenverfolgung in Nagnsa im Jahre 5383 (1622). Nach dem erzählt von Ragula, eine Kreisstadt im Königreiche Dalmatien, war früher die Hauptstadt eines Keinen Freistaates am adriatischen Meere, der schon im sechsten Jahrhundert gegründet wurde und unter allen Stürmen der Züt sich erhalten hatte, bis er durch die von Frankreich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ausgehenden gewaltigen Erschütterungen sein Ende erreichte. In dieser Stadt lebten im 17. Jahrhundert ungefähr 20 jüdische Familien an deren Spitze ein Rabbiner stand, genannt Rabbi Ahroa Hacohen, Verfasser des Werkes;pi op ivo Die Juden waren hier, wie überall, schutzlos, verachtet, den Plackereien und Verfolgungen des Pöbels preisgegeben und wohnten in einem Ghetto, eingepfercht wie Thiere. Jeden Abend wurde die EingangSthüre verschlossen, am Morgen wieder geöffnet. Diese Gnrichtung war zur Zeit der Verfolgungen oft Ursache, daß Tausende bequem auf einmal Opfer der Volkswuth wurden, da man den Gegenstand des Raubes uüd der Verfolgung recht beisammen hatte. Am ersten Tage des Laubhüttenfestes im Jahre 5383 wurde die Tochter eines christlichen Kaufmannes vermißt und alle Nachforschungen nach derselbe« waren vergeblich. Schon im Laufe des Tages