Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1866)
- Date
- 1866-04-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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274 Gegen Mitternacht begegneten wir in der Ebene Saron dem französischen Consnl, der von einem Zuge nach Jaffa zurückkehrte. Die Befürchtungen sind jedoch G. f. D. nicht eingetroffen. Der jetzige Generalkonsul von Tripolis in der Berberei, ebenso wie sein Kanzler haben mit Befriedigung von vielen Pilgerimen erfahren, wie ihre Institutionen einer ununterbrochenen Entwickelung entgegen gehen. Eine gute Ueberfahrt brachte uns am Lage der Zerstörung Jerusalems nach Alexandrien, und alle Welt war froh und begierig, aus unserem Munde gute Nachrichten zu erfahren. Selten wird wohl ein Sabbat mehr den Namen der Tröstung verdient haben, als dieser, der dem Fasttage folgte. Alle Freunde unserer Sache, und an ihrer Spitze der ausgezeichnete Herr Hüber, Oesterreichs General- Coniul in Egypten, begleiteten mich an den Lloyd- Dampfer, der mich nach Konstantinopel bringen sollte. Rach einer Ueberfahrt von 6 Lagen uuo einigen Stunden Aufenthalt zu Smyrna, kam ich dort Samstag am 1t. August an. Noch in den Reisekleidern empfing mich Baron Bruck, österreichischer Jnternuntius bei der Pforte. Sonntag und Montag verbrachte ich zum größten Theile in seiner Residenz zu Bujukdere am Bosphorus zu. Dieser gute Mann hatte für die Entwickelung der israelitischen Angelegenheit ein solches Interesse, daß er beim Sultan Abd-ul-Medjid eine Audienz für mich erwirkte. Eine solche Couferenz schien mir schon darum sehr nothwendig, weil man hoffen durste, daß der damalige Krimkrieg eine Verfassungsänderung in den Beziehungen der Pforte zu ihren andersgläubigen Unterthanen zur Folge haben «erde. Ja, die Katholiken und Protestanten, die hatten schon weltliche Beschützer, aber wo sollten unsere Glaubensgenossen Vertheidiger gegen Eingriffe ungerechter Berwaltungsbeamten in ihre Menschenrechte finden? Diese Idee war es, die mich so sehr beschäftigte, die mir während meiner ganzen Reise wie ein Alp auf dem Herzen lastete, von der ich jedoch zu Niemanden bis jetzt zu sprechen wagte. In der Zwischenzeit suchte ich mir die Unterstützung der einflußreichsten Israeliten zu verschaffen, um eine Knabenschule gründen zu können, die die zahlreiche Bevölkerung dieser Stadt wieder auf die Stufe ihres früheren Ansehens bringen sollte. (Forts, folgt.) Portugal. Dem , Univers iSr." wird unter dem 4. März d. I. geschrieben: Herr Redacteurl Sie verlangen von mir Nachrichten über dar Judenthum in Portugal. Ich raffe also zusammen, was mir zur Hand ist. Noch recht gut erinnere ich mich des Tages, an welchem mein armer Vater mich an die Hand nahm und mich die Ruinen des Inquisition-- Hauses zu Lissabon sehen ließ. Hier erfaßte mich Entsetzen, als ich die Instrumente, mit denen einst unsere Vorfahren zu Tode gemartert wurden, umherliegen sah . . . Doch lasten wir diese traurigen Erinnerungen, und gehen wir zu den heutigen Verhältnissen unserer Brüder über. Ein Mitglied der Kammer (vr. Levy) hatte der Regierung die Cultusfreiheit sehr warm empfohlen; aber er stieß auf eine große Opposition und selbst die Journale haben ihn Jude genannt (er ist Katholik). Indessen verliert er dadurch den Muth nicht und setzt sein verdienstliches Unternehmen fort. Wir haben in Portugal katholische Familien, die von Juden abstammen (avusivr), die sich am Jom Kippur heimlich versammeln und fastend beten; auch bewahren sie sorgfältig die Bücher, die ihre jüdischen Vorfahren ihnen vererbt haben. Während einiger Feste brennen sie sogar Oellampcn zur Erinnerung der Seelen ihrer Ahnen. Zu Lissabon bemerkte ich, daß an diesem Tage sich einige dieser Katholiken in unserer Synagoge befanden und mit großer Andacht beteten. Es find zu Lissabon alte Bibliotheken, die würdig sind, besucht zu werden. In derjenigen der Stadt Maffra befinden sich Gesetzrollen (sexllarirn) und andere Manuskripte auf Pergament, die noch gut erhalten sind; man behauptet, daß sie den Israeliten zur Zeit der Verfolgung abgenommen worden. Heute würde die Regierung vielleicht diese Rollen Herausgebern, und man könnte sie in dem projectirten Tempel aufstellen. Die Synagoge zu Lissabon hat kaum cm Stockwert eines Hauses, das in einer sehr abgelegenen Straße steht, inne; hier also, fast versteckt, verrichten unsere Glaubensgenossen ihre Gebete; sie lassen stets die Thüre offen für diejenigen, die die Synagoge besuchen wollen. Sie leben ohne Ausnahme sehr religiös. Sie beobachten b,n Sabbat auf eine sehr würdige und vorsichtige Weise. Sie sind wohlthätig gegen den fremden Armen, der zu ihnen kommt. Da sie stets die Ausgaben für die Synagoge, den Begräbnißplatz, die Schlächtereien, die Angestellten rc. bestreiten, und viel nach Jerusalem schicken, thrm sie viel mehr als sie können, weil es hier höchstens zehn vermögende Familien gibt, die zu allen Lasten beitragen können. Es ist in Portugal kein Jude, der ein öffentliches Amt bekleidet, trotz der Geschicklichkeit uud des lebhaften Wunscheeiniger jungen Leute, ich füge hinzu, trotz ihres ausgezeichneten Betragens. S. Alzaney.