Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1866)
- Date
- 1866-04-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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273 vollständige Entwicklung wahrer konstitutioneller Zustände gehofft werden kann! Vr. Diamant erklärte, auf seine Stelle verzichten zu wollen, wenn die Bewohner von Sommerein auf der Auferhaltung ihrer „verbrieften und privilegirten Stadtrechte," die ihre Lebensfähigkeit längst verloren, noch länger beharrlich bestehen. (Fr. I.) Prag, 8. April. Wie uns gemeldet wird, werben die Berichte der Zeitung „Nar. Listy" über die Judenhetzsn einen Proceß zur Folge haven. Das Preßals Strafgericht hat die „Nar. Listy" wegen dieser Korrespondenzen, zunächst wegen des Berichtes über die Horzowitzer Vorfälle und das Einschreiten des Militärs, in Anklagestand versetzt und die Voruntersuchung bereits eingeleitet. Die Anklage wurde gegen den Eigentümer und Rsdacteur der Zeitung, dann gegen den Horzowitzer Korrespondenten, der dem Gerichte genannt wurde, erhoben und lautet auf das Vergehen der Aufreizung und der Ehrenbeleidigung, begangen gegen die Armee. (Fremdenbl. Italien. Alorev) In dem Königreichs Italien besteht ein Verein, bekannt unter dem Namen Oougorrlo nationale, der den Zweck hat, durch freiwillige Beiträge an der Verminderung der Staatsschuld thätig zu sein. Unter den Mitgliedern des höheren Cornitö's, dessen Präsident S. H. der Prinz von Carignan ist, befinden sich unsere Glaubensgenossen Fcanchstti, Todros, Guastalla. Unter den bedeutendsten Subscriptionen begegnen wir denen des Baron Franchstti (25,000 Frs. sofort und 75,000 bedingungsweise), des Tullo Massarani, Deyutirter im Parlament (20,000 Frs.), Sforni zu Mailand (20,000 Frs.) rc. (A-I.) Frankreich.» Paris. Dank einer gewichtigen Intervention ist das Princip einer Gehaltsverbefserung des franzöfichen Landrabbinats endlich zur Geltung gebracht worden. Diese Besoldung wird nach dem Jahre 1867 im Staatsetat die Summe von 18,000 Frs. ausmachen. Bis jetzt bestanden zu Paris nur zwei Rabbinatsstellen, die vom Staate subventionirt wurden. Man hofft eine dritte hier zu creiren, die gleichfalls theilweise aus Staatsmitteln bestritten werden soll. (A. I.) Paris. Ein Pariser Blatt bringt einen Artikel über die kaiserliche Diamantschleiferei, der von einem unserer Glaubensgenoffen, Herrn Adrian Marx, unterzeichnet ist, aus dem wir Folgendes hervorheben : „Ich habe die Ateliers besucht ... ich glaubte mich in einer Synagoge zu befinden, denn alle Leute, die bei der Diamantschleiferei beschäftigt find, find Juden. Sie unterhalten sich in einer Sprache, die wenig harmonisch klingt und verbringen den Tag, über die Platten gebeugt, die in ihrer raschen Rotation die Rauten schleift, die Schneideflächen polirt und die kleinen Massen, grau oder erdfarbig, aus den angeschwellten Gefilden der neuen Welt stammend, den Glanz des MorgenthaueS verleiht. Der Werkführer heißt van Kloot, seine Physiognomie beweist, daß er von denen abstammt, dis die Kleinodien zu Tage förderten, welche der König Salomo der Königin von Saba zum Geschenke anbot. Ec verdient 20 Frs. täglich und lebt zwölf Stunden lang von einem Häring und einer Taffe Kaffee. Die Oberaufsicht, dis er über die Arbeiten der Offizin hält, hat ebensosehr das Interesse des Herrn Bernhard als das Hollands im Sinne. Er wacht darüber, daß kein Fremder seine ReligionSgenossen fragt und daß das Nationalgeheimniß nicht verrathen werde. Ich war gestern Zeuge, wie Siraudin, der fruchtbare Wortspielfabrikant, ausrief : Die Aerzte und die Israeliten des Herrn Bernard sind die einzigen Personen, die die Operation des Schneidens gründlich verstehen. Ich fragte einige dieser Proletarier, deren Hände täglich Diamanten von 10, 15 und 20,000 FrS. bearbeiten, und ich erfuhr, daß sie in der Nähe der Fabrik eins Art Colonie nebst Schule für ihre Kinder und einen Tsmprl für ihren Gottesvienft angelegt haben." Paris. (Jüdische Briefe von Albert Cohn. Fortsetzung.) Die wenigen Tage, die ich noch in der alten Stadt Davos zu verbringen hatte, verwendete ich für die Schulen in Jerusalem. Bsthlchsm besuchte ich ebenfalls und verbrachte dort eine Nacht. Die Prisstsr in dem dortigen Kloster ersuchten mich, ihre Schüler zu sxaminiren. — Auch versäumte ich nicht, mich vom Pascha und von den übrigen Beamten der Stabt zu verabschieden. Den nächsten Samstag, an dem unserer Liturgie gemäß das erste Kapitel von Jesaias verlesen wird, wurde ich von mehreren Gemeinden gebeten, diesen Abschnitt in ihren Synagogen voczutragen. Di-sie wenigen Prophstenworte, die ewige Moral und die erhabenen Principien der jüdischen Religion, die us enthalten, erfüllten mich mit einem unaussprechlichen Gefühle von Ehrfurcht. An dieser doppelt heilig u Stelle wurde meine Ssele von einem solchen Enthusiasmus hingerissen, wie noch nie in meinem Leben. Ich drückte bei dieser Gelegenheit den Wunsch aus, bald wieder Jerusalem zu besuch;n. Tags darauf verließen wir, Herr Erlanger u w ich, die Stadt. Auf der ganzen Strecke des Wsg.s unterhielten wir uns von der metkwürdigen Geschichte Jerusalems und des Volkes Israel.