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Der Israelit · 1866-04-18 · Heft 16 (18.4.1866) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 16 (18.4.1866)
Date
1866-04-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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272 Antheils an der Welt der Zukunft eingeschärst. Ebenso führten sie dem entsprechend die Leichenbestattung ein. Der spatere Gebrauch der weißen Leichenkleider sollte zur Befestigung desselben beitragen. Wahrend des Tempelgottesdienstes zu Jerusalem wurde die Auferstehung im Gebet besonders hervorgehoben. Hierher gehörten: das Achtzehngebet, das spätere Gebet: Mein Gott, die Seele! auf das Erwachen vom Schlafe, die Danksprüche an Gott beim Wiedersehen eines Freundes und Vorbeigehen vor einem Begräbnißplatz nach 30 Tagen re. Mehrerer siehe: Wiederbelebungsakt, Todtenbelebungszeit, Todtenbelebungspersonen. Welt der Auferstehung, Geist und Leib. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 8. April. Wie alljährlich wurden auch in diesem Jahrs die hier garnisonnirenden (jüdischen) österreichischen, preußischen und hessischen Soldaten, sowie die hier arbeitenden Handwerker und andere Bedürftige während des ganzen Peßachfeftes verköstigt. Es wurden, da in dem jetzt hier liegenden ungarischen Regiments sich viele Juden befinden, gegen 1.200 Mahlzeiten verabreicht, was einen Kostenaufwand von circa 400 fl. verursachte. Die Kosten wurden wie immer durch zu diesem Zwecke gesammelte freiwillige Beiträge bestritten. Preußen. Glberfeld, am 9. April. Die Nr. 12 Ihrer Zeitschrift bringt eine Mittheilung aus unserer Gemeinde, in welcher die hiesigen religiösen Zustände als höchst traurige geschildert werden. Wir würden uns nicht veranlaßt finden, gegen diese persönliche Anschauung des Referenten irgend etwas zu bemerken, wenn der Schluß des Referates nicht in gehässiger Weise unfern Prediger, Herrn Or. Kleeberg, als den Schöpfer der bei uns eingeführten Aenderungen beim Gottesdienste bezeichnte, die einzig und allein durch dm Vorstand in Uebereinstimmung mit der Gemeinde-Repräsentation berathen und eingeführt wuv- 33) Sanh. 90. Woth d. R. N. 1. — 34) Sabbat 115. Jalkut Hiob S24. Jerus. Kilaim Abschn. 9. Mischna 1. Bergl. Beerdigung der Leichen. — 35) Das. und Tanchuma zu Waichi. — SS) Berach. 54. — 37) Megilla 17 d. Jerus. Berachoth Abschn. 1. — 38) Siche: Gebetbuch und Berachoth 60. — 39) Berachoth den, obgleich uns die gegentheilige Ansicht des Herr» Dr. Kleeberg über die Abschaffung des Gebetmantel-*) nicht unbekannt gewesen ist. Wir fühlen uns im Interesse der Wahrheit verpflichtet, diese Erklärung abzugeben und ersuchen Sie ergebenst, derselben in Ihrem geehrten Blatte Aufnahme zu schenken. — Der Vorstand der israel. Gemeinde. Oesterreichischer Kaiserstaat. Preßbrrrg. 8. April. ES wurden bereits sehr viele, mitunter recht schöne Phrasen für die endliche Emancipation der Juden in Ungarn verschwendet, ohne daß aber in Wirklichkeit auch nur em Federzug für die Realifirung dieser liberalen Idee vollführt worden wäre. Trotz der ausgesprochenen Freizügigkeit der Juden in Oesterreich gibt ebesonders in Ungarn noch sehr viele Orte, besonders die Primattal- und andere „privilegirte" Städte, in denen keine Juden geduldet werden. Fürst-Primas Alexander v. Rudnay hat wohl in den zwanziger Jahren diese Beschränkung für viele Orte (Neuhäusel u. a. O.) aufgehoben, nichtsdestoweniger ist z. B. in Sommerein (Hauptort der Schüttinsel) den durchreisenden Juden, Handelsleuten, Haufirern rc ein kaum vierundzwanzigstündiger Aufenthalt gestattet. Wir würden von dieser unerquicklichen Thatsache kaum Notiz genommen haben, wäre damit nicht ein anderer eigenthümlicher Umstand verbunden. Der Stadtarzt von Sommerein ist nämlich ein Jude, I)r. Diamant. Treu den Principien ihrer Altvordern, können sich nun die Sommrreiner Bürger nicht entschließen, den Mann, dem sie ihre Gesundheit und ihr Leben anoertrauen, in ihren Mauern zu dulden. Der Doctor wohnt in dem zwei Stunden entlegenen Orte Milchdorf. Täglich morgens fährt die Equipage des Sommereiner Bürgermeisters hinaus, den Doctor abzuholen, dieser bleibt den ganzen Tag über in Sommerein und des Abends muß er unter allen Umständen bei jedem Wetter nach 'Milchdorf zurückkehren. Alle Versuche, die bisher von Seiten des Doctors gemacht worden, um diesem Uebelstands abzuhelfen, blieben erfolglos, denn wenn auch einzelne Bürger in Sommerein geneigt waren, dem Stadtarzt eine Wohnung anzubieten, unterlassen sie solches aus Furcht vor den Insulten ihrer Mitbürger, die durchaus keine freiere Anschauung Eingang finden lassen. Bedürfen solche Thatsachen noch eines Commentars? Wie Vieles muß noch anders werden in unserem Vaterland, bevor die *) Also nur in Bezug auf die Abschaffung des Talith? und auch da nur die „gegentheilige Ansicht" — keine That, nicht einmal ein ernstes Wort, so daß unser Correspondent ihn hiebei ebenso wie bei den übrigen Reformen für einverstanden halten mußte? -Der Sachverhalt wird durch die obige Erklärung kaum geändert.

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