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Der Israelit · 1866-04-11 · Heft 15 (11.4.1866) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 15 (11.4.1866)
Date
1866-04-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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264 man hat ein getreues Bild, von den mitten und der Bildung der Vorzeit." „Sehet, mein junger Freund, es gibt hier einen Mann, der in seinem Leben viel gereist ist und von allen Gegenden der Erde die schönsten Alterthümer mitgebracht hat, und nun für den gelehrtesten Mann der Welt gilt. Als Fremder könnt Ihr ihn besuchen, denn seine Thüre steht jedem Reisenden offen. Sein Name ist Aba-Mari, seine Wohnung bei der Synagoge. Gehet zu ihm, Ihr werdet Freude haben." Aba-Mari war ein Mann, der in der That viel gereist war und viel gesehen hatte, aber er sprach viel und wußte wenig; er war gut, gefällig, aber eitel und stolz. Er empfing unfern Freund mit Bereitwilligkeit und war sehr geschmeichelt, als erhörte, daß der junge Mann ein Schüler des hochberühmten Rabbi Tam war. Ma-Mari zeigte ihm seine wirklich reiche Sammlung der Antiquitäten und sagte ihm, daß er sich einen Gegenstand, zum Andenken und zur Ehre seines großen Lehrers, wählen dürfe. Ulliel, der eine nützliche Sache zu finden hoffte, durchsuchte mit der größten Aufmerksamkeit die ganze Collection. Er sah mehrere hundert merkwürdige Alterthümer, die der Zahn der Zeit verschont hatte, aber keines von ihnen schien ihm sehr nützlich zu sein. Die einen waren Waffen der alten Griechen und Römer, die anderen Krüge und Vasen voll Asche der verbrannten Heiden, und wieder andere alle Sorten Geräthe, alle Arten Gerümpel der Vorzeit. Ulliel hatte fast die ganze Sammlung durchmustert und gab schon die Hoffnung aus, einen Gegenstand zu finden, der ihm als nützliches Geschenk für Sir Bongodas de Lunel dienen konnte, als er plötzlich einen schwarzen Stein endeckte. Auf diesem Stein waren in althebräischer Schrift die Worte eingegraben: Dies ist der Edelstein des Abraham. Er nahm ihn und dankte dem Eigenthümer für sein großmüthiges Anerbieten. Aba-Mari, der die Inschrist nicht lesen konnte und blos einen schwarzen Stein sah, war nicht wenig erstaunt über den geringen Gegenstand, den Ulliel wählte. Dieser eilte hinaus durch die lange Reihe der glänzenden Zimmer, und begab sich nach seiner Wohnung. Hier angelangt, fing er an, den schwarzen Stein zu putzen, und siehe da, er wurde glänzend wie die Sonne. Es war in der That jener Edelstein, den Abraham auf seiner Brust getragen hatte und der die wunderbare Kraft besaß, daß jeder daranfblickende Kranke von seinem Uebel sofort befreit wurde. Ulliels Freude über diese Entdeckung war unbeschreiblich, weil kein nützlicheres Geschenk dem Vater der schönen Valentine überbracht werden konnte, als ein solches Universalmittel gegen alle Krankheiten. Er betrachtete sich schon als den Ehegatten der lieblichen Jungfrau, und konnte die Zeit nicht abwarten, bis die drei Monate vorüber waren und er sein Geschenk dem guten Sir Bongodas de Lunel übergeben konnte. Endlich nahte die festgesetzte Zeit heran. Ulliel eilte nach Villejuif; er fand aber noch keinen der zwei andern Ehecanditaten im Wirthshause. Er erwartete sie mit Ungeduld, träumte Tag und Nacht von seinem Glücke unb machte Pläne über sein künftiges Leben als Schwiegersohn des hochgestellten und hochgeehrten Sir Bongodas de Lunel. Unter diesen Beschäftigungen verstrichen langsam die wenigen Tage, die er noch bis zur festgesetzten Zeit zu warten hatte. Schon begann der letzte Tag zu grauen, als Hillel an die Thür des Wirthshauses klopfte. (Fortsetzung folgt.) 4 L L Neustadt in Mecklenburg-Schwerin. — "i i"2in — In Veranlassung des nahe bevorstehenden Scheidens unseres Religions- und Elementarlehrers, Herrn A. Steinhauser, aus hiesiger israelitischen Gemeinde, gestatten Sie, geehrter Herr Redakteur, mir wohl, dem stillen, echtfrommen und segensreichen Wirken dieses trefflichen Lehrers durch Ihr geschätztes Blatt die wohlverdiente Anerkennung öffentlich zu zollen. um so mehr, als ich hiermit nur der Seitens hiesiger Gemeinde allgemein gegen ihn gehegten Achtung und Liebe, deren er sich vollkommen werth gemacht, Ausdruck gebe. Ich, der ich das Glück seines näheren Umganges bisher genoß, kann am besten von den seltenen herrlichen Eigenschaften seines Geistes und Herzens, von seinem schönen, edlen Charakter, seinem reinen Streben und seinen tüchtigen Leistungen I « « M. zeugen und thue es hiermit freudigst. — Wir bedauern hier einmüthig, daß dieser brave junge Mann uns verläßt, zumal es, wenigstens vorerst, besonders in Betreff der hiesigen israelitischen Schuljugend heißen kann, daß sie wie Schafe ohne Hirten sei. — Möge es uns gelinge», einen unseres Herrn Steinhäuser würdigen Nachfolger zu acquiriren! — Herr Steinhäuser hat sich um riiwpi .uni diese 3 Hauptstützen der sittlichen Welt — hier nach Kräften verdient gemacht. Ein höheres Ziel, dem er nachstrebt und das er erreichen möge zur Verherrlichung unserer heiligen Religion, entreißt ihn uns. Immer wird er uns in liebevollem Andenken bleiben, und so rufen wir ihm im Vorgefühle der nahen Trennung zu: 221 A. M.

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