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Der Israelit · 1866-04-11 · Heft 15 (11.4.1866) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 15 (11.4.1866)
Date
1866-04-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VII. Jahrgang. Beilage zn Nr. 15 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Österreichischer Kaiserstaat. Wie«. Die „Jllustrirte Zeitung" läßt fick aus Wien schreiben: Der Proceß gegen die Fälscher päpstlicher Orden, der in Wien öffentlich verhandelt wurde, bot manches scurrile Intermezzo. Es figurirten unter der Zahl der Geprellten viele jüdische Börsenmänner und Kaufleute, so Karl Hönigfeld, Moritz Mayer, Bernhard Pollek, Anton Karl Schlesinger, Sigmund Stern, Adolph Fürst u. s. w., von denen jeder 50 bis 1(0 Tucaten als Beitrag zum Pkterspfennig nelst einigen hundert Gulden an die Vermittler für die vom Papst geweihten Ordensbänder, bezahlt hat. Anw. d. Red. d. Jsr.: Viele der obenerwähnten Betrogenen, so wie Mayer, Schlesinger, Hönigseld rc. wurden in anderen Zeitungen als Christen bezeichnet; es sind diese Herren wahrscheinlich getaufte Juden!!! Wie«. Ueber einen schauerlichen Selbstmord in Wien berichtet das „Neue Fremdenblatt": Fräulein Ida Pollak, Stieftochter des Schriftstellers Leopold Kompert, begab sich um die Mittagsstunde aus ihrem im dritten Stock in der Kompert'schen Wohunng gelegenen Zimmer in den vierten Stock zu Frau Dinier. Sie fragte das Stubenmädchen nach Frau Dinier, welche alsbald erschien und sich nach dem Begehren des Fräuleins erkundigte. Mit der größten Ruhe erwiderte die Gefragte: „Das oberhalb meines Zimmers befindliche Fenster Ihrer Wohnung macht stets einen fo störenden Lärm; ich wollte Sie daher um Erlaubnis bitten, nach der Ursache dieses Lärms zu forschen." In der zuvorkommendsten Weise führte Frau Dinier Fräulein Ida zu dem fraglichen Fenster. Die junge Dame ging Anfangs mit langsamen Schritten gegen das Fenster zu, beschleunigte dann plötzlich ihren Gang, riß das Fenster weit auf, schwang sich auf die Brüstung und mit dem Rufe: „So ist's recht!" stürzte sie sich in den Hofranm hinab. Die zu Tod erschreckte Nachbarin sank ohnmächtig zusammen. Die entsetzliche That war mit einer solchen Hast vollbracht worden, daß sie geschehen war, bevor noch Frau Dinier eine Ahnung von dem Vorhaben der unglücklichen Selbstmörderin hatte. Frau Dinier gewann bald die nöthige Fassung und schickte ihr Mädchen in die Wohnung des Herrn Kompert hinab, um die Angehörigen der Unglücklichen von dem Geschehenen in Kenntniß zu setzen. Das im Comptoir des Herrn Skene beschäftigte Personal hatte den Sturz der Unglücklichen bemerkt und war in den Hofraum hinausgestürzt. Dort lag bereits der zerschmetterte Körper der jungen Selbstmörderin inmitten einer großen Blutlache mit dem Gesichte auf dem Pflaster. Der Schädel war zertrümmert. Der linke Arm war zersplittert. Ein leises Röcheln hob ihre Brust. Man ttmg die Sterbende an den Brunnen und begoß sie mit frischem Wasser. In demselben Momente trat Ilr. Kompert in den Hofranm. Er kam von auswärts, wußte noch nichts von dem Vorgefallenen, und neugierig gemacht durch die große Anzahl der im Hofe befindlichen Personen war er hinzugetreten. Auch als er die blutige Masse bemerkt hatte ahnte er nicht, daß es seine Tochter war, welche die vielen Leute so beschäftigte, daß sie den Neuhinzugetretenen nicht bemerkten. Plötzlich fällt sein Auge aus dem Shawl des unglücklichen Mädchens. Mit einem Schrei des Entsetzens stürzt er über den unerkenntlichen Ueberresten seines Kindes zusammen. Die Leiche wurde in die Kompert'sche Wohnung gebracht, woselbst auch die Obduction vorgenommen ward. — Das Fräulein soll, wie die Obduction ergab, an Erweichung der Gehirnhäute gelitten haben. Aus der Ryir (Ungarn), 3. Nissan. Ter am Schlüsse meines vorigen Referates über dieRabbinatsbesetzung in Nyiregyhazar ausgesprochene Wunsch hat sich bereits 7/2 (wenngleich noch nickt in seiner ganzen Tragweite) verwirklicht! Schon die Antrittspredigt des Herrn Friedmann pflanzte religiöses Gefühl in die gleubenssck wachen Herzen der Nyiregyhazaer Israeliten. Mit unerschrockener Offenheit klagte er in derselben seine neue Gemeinde ob ihres bisherigen unjüdischen Lebenswandels an; mit herzzerreißenden Worten bejammerte er die öffentliche Entweihung des Sabbats (und dies bildete das Haüptmoment seiner Rede) und in einfacher, aber sehr verständlicher, umfassender Form erörterte er ihnen den vielsagenden Ausspruch unserer Väter: '^i 217122^ Tivin 7,77» LdipTi. In frommer Begeisterung ermahnte er hierauf zu rcuvoller Buße, indem er ihnen mit dem großen Jesaja zurief : P^TI ,2'p 1^2 22'^pv P12 1-,'OTI 12771 1L7I2 (K. I, V. 16) - Herr Friedmann wollte sich seiner neuen Gemeinde nicht — wie dies leider jetzt i'o oft der Fall ist — durch ein „buntes rhetorisches Musterflück" *) vorstellen, sondern er bestrebte sich vielmehr seine Gemeinde durch einfache Beredsamkeit schon im Anfang auf den geraden Weg zu lenken; — was ihm auch, wie ich schon oben bemerkte, *) Herr F. besitzt sowohl profanes als talmudisch-theologisches Wissen. K.

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