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Der Israelit · 1866-04-11 · Heft 15 (11.4.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 15 (11.4.1866)
Date
1866-04-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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israelitischen Gemeinde über das Geschäftsjahr 1L65 ergibt sich, daß 4972 fl. an regelmäßigen Unterstützungen gewährt wurden und 6775 fl. 9 kr. als Geschenke zur sofortigen Verkeilung eingegangen stnd. Wie die Lassen für die Armenpflege nnerhalb der christlichen Gemeinden, so klagt auch die Verwaltung des israelitischen Alwoseukosteus über d e Abnahme der regelmäßigen Jahresbeiträge. In Bechhofen, einem Marktflecken im Bezirksamte Feucklwavgen und LandgerichteHerriel en (Bayern) lebt ein Jsraelite, Reb Isaak Bechhöfer, welcher — zu Anfang des Jahres 1759 geboren — z. Z. ein Alter von 107 Jahren hinter sich hat. Derselbe ist noch ganz gesund und rüstig, trinkt bisweilen noch sein Gläschen Bier im nahen Wirthshause und raucht täglich einige Pfeifen starken Tabak. In dem Hause seines jüngsten Sohnes, des Handelsmanns Nathan B. daselbst, genießt er die aufmerksamste Behandlung. Er ist bereits auch Ururgroßvater. Preußen. Joha«uisb«rg, Ende März. Indem ich Ihnen 26 Thlr. (siehe das Spendenverzeichniß) für das heilige Land überreiche, freut es mich, Ihnen gleichzeitig mittheilen zu können, daß auch in unserer so kleinen Gemeinde das jüdische Interesse stets rege ist. Am jüngsten Purim fand hier eine Verloosuna „zum Besten der hiesigen jüdischen Armen statt". Zu diesem Zwecke lieferten sömmtliche hiesige jüd. Damen Handarbeiten. Es ergab sich eine ansehnliche Summe, von der die eine Hälfte am Purim, die andere am Peßach den Armen vertheilt wird, '2 V'O'N .T7 Simon Eger. Oesterreichischer Kaiserstaal. Wie«, 24. März. In Graz (Steiermark) wurde ein Complott gegen die dortige Judenschaft entdeckt; es wurde selbst eine schriftliche Vereinigung von 150 Personen, darunter die Intelligenz der Etadt, von den Behörden aufgefunden. (F. I.) Wie», 26. März. „Von der Moldau Ufer bis zum Donaustrande", so scheint die Losung der edlen Söhne Czechiertts zu lauten. Die Krawalle, Exceffe und Judenverfolgungen in Böhmen haben auch bei den Czechen in deu anderen Kronländern Anklang gefunden, wie nur ein edles Beispiel Nachahmung zu finden vermag. Zunächst waren es die wackeren Söhne der Helden ans dem Jahre 1646 in Trebitsch in Mähren, welche, den Thatenlchrer Väter rrachahMend, den Juden die Fenster einschlugen. Das war übrigens, wie sie erklärten, „das Wenigste, was sie thmr konnten," so daß ein Statthalterei-Erlaß die Bezirksvorstände, des Jglauer Kreises künftighin für die Exceffe verantwortlich - machte. Diese herrlichen Grvßthaten find für die Ezechen in Wien zu verlockend. Sollten sie ihre Brüder in Böhmen und Mähren allein handeln lassen? Demzufolge wurden auch heute bei Gelegenheit einiger öffentlichen Versteigerungen aus der Wieden und in Gaudenzdorf die Juden „hinausgeprügelt." Hervorgehobcn verdient zu werden, daß die „Kirchenzeitung", auf die Aufforderung einiger hiesiger Blätter, von solchen Ausschreitungen konfessioneller und nationaler Fanatiker abzurathen, in ihrer letzten Nummer diese Zumuthung entrüstet zurückweist mit der Btuurlnrg: „Tie Juden gehören nicht ans die Kanzel der katholischen Kirchen, denn hier predigten wir nur Christus den Gekreuzigten!" Die Nummer trägt das Datum: 24. März ein Tausend acht Hundert sechsundsechzig. (Fr. I.) Palästina. Der Telegraph meldet, daß Sir Moses Monte fiore nach einer ausgezeichneten Fahrt, Sonntag den 11. März in Alexandrien angekommen sei. Das Auftreten der Cholera am letzteren Platze hielt die Reisegesellschaft einige Tage in Jaffa zurück, wo sie eine Zeit lang Quarantäne halten mußte. Sämmtliche Reisenden befinden sich beim besten Wohlsein. — Auf telegraphischem Wege geht uns ferner die Nachricht zu, daß Sir Mojes mit seiner ganzen Reisegesellschaft Freitag, den?.l.März wohlbehalten in Jerusalem angelangt ist. — Feuilleton. Das Mische Osterfest in -er City.*) London, Anfang April. Die Riesenstadt an der Themse besitzt zwar kein Ghetto, wie dasselbe in der ewigen Stadt, oder dem hnndertthürmigen Krakau, oder dem ernsten Livorno anzntrefsen ist, nichtsdestoweniger aber haben manche Gaffen und Straßen ein exklusiv orientalisch-jüdisches Gepräge. Es ist nämlich ein alter Erfahrungssatz, daß die Kinder Israels, selbst da, wo der Staat ihrer freien Entfaltung und ungehemmten Entwickelung keine mittelalterliche Schranke entgegenstellt, es verziehen, eng geschlossen bei einander zu wohnen. Es hat diese Neigung in den nationalen Gewohnheiten und religiösen ritualen Bedürfnissen ihre Begründung. Wenn man an einem Sabath oder sonstigen jüdischen Festtage gewisse Straßen durchwandert, so wird man durch die Masse geschlossener Kaufläden und Trödelbuden, durch die feierliche Sülle, den Staat und Schmuck der schönen Evenstöchter, die blanken Zilinder, die nach englicher Manier getragen auf den gewichsten Haarlocken des starken Geschlechtes balanziren, die steifen Vatermörder die bis an die kühngeschnittenen Adlernasen mit ihren Spitzen heranreichen, die butterfarbenen Glacehandschuhe und sonstige Stutzerfeierlagsgewänder erinnert^ daß hier ein Tag Siesta mache. 7 Aus dem Wiener „Fremdenblatt".

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