Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1866-03-28 · Heft 13-14 (28.3.1866) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 13-14 (28.3.1866)
Date
1866-03-28
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447245-2447253--04093-2459528
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

247 aus den Prnlateuch 12.21. genannt. (Esr. 7,6.11.) Hieraus sei demnach zu schließen, daß nur der Pentateuch abgeschlossen, und die anderen Bücher demselben noch nicht angesügt gewesen seien. 2) 2 Macc. 2, 13., aus welcher Stelle zu entnehmen ist, daß man erst nach Nehemia eine Sammlung der übrigen hl. Schriften gekannt habe, mit Ausnahme der oben erwähnten?). Diese Bücher haben denn für sich allein gestanden, bis man ste später mit dem Pentateuch vereinigt habe; wann dieses vorgegangen, laste sich aber nicht genau bestimmen, wahrscheinlich aber zwischen 350 und 200 v. Zugleich seien auch dann noch mit ausgenommen worden, wenn es nicht schon bereits geschehen war, und die Bücher nur an der Maccabäerstelle übergangen sind, die poet. Bb. Sprüche Sal., Hiob, Hohelied, Prediger und wahrscheinlich auch Ruth und Klagelieder. Ob Esther, Nehemia, Esra und Chronik mit ausgenommen oder später zugesetzt wurden, sei zweifelhaft. — Jetzt sei nun die Sammlung geschloffen worden, und man habe nichts mehr Hinzugelasien. Wie aber früher der Pentateuch als geschloffen erklärt war, und zu diesem noch die anderen Bb. hinzugekommen seien, so sei doch auch hier der Fall denkbar, daß man noch später Bücher in die Sammlurg ausgenommen habe, so daß also später noch die Bb. Esra, Nehemia und Chronik der Sammlung angefügt worden seien. „Und sollte man es sich nun nicht als möglich denken können, daß es ein ähnliches Bewandtniß mit dem B. Daniel habe, wenn dieses auch wirklich erst zur Zeit des Antiochus Epiphanes zum Vorschein kam? Man habe es für eine prophetische Schrift gehalten, und daß es gegen Ende der Kethubim zu stehen kam, könne nicht auffallen, da auch die übrigen historischen Bücher dorthin gestellt wurden. Für die späte Entstehung des Buches Daniel spreche aber auch noch der Ausdruck O'iLO.-i (e. 9,2.), da dieses Wort auf eine Sammlung, die mit dem Pentateuche verbunden sei, Hinweise^). So weit Bleek. mit seiner Annahme über die Entstehung des Kanon. Wir haben dieselbe hier ziemlich ausführlich gegeben, weil sie, oberflächlich betrachtet, Manchem wahr scheinen könnte, indem sie gleichsam zwischen der rationellen und traditionellen Annahme vermittelnd auftritt. Es bedarf aber nur einer eingehenden Prüfung, um die Unhaltbarkeit dieser Hypothese aufzudecken, um zu zeigen, wie die Basis dieses ganzen Kunstgebäudes untergraben ist, welcher, wenn sie fällt, der ganze Bau nachstürzen muß. 2) Dort werden erwähnt die früheren und späteren Propheten, die Psalmen und Briefe über Geschenke. Diese Stelle ist von mir in einem Special - Aufsatze behandelt, auf welchen ich hier verweise. Wissenschaft!. Beilage des „Israelit- VII. Nr. 2. 3) Diesen Beweis führt auch Cäsar v. Lengerke: „Das Buch Daniel". Einl. S. I.XI. Der Grundgedanke der Bleekschen Annahme ist: Die späteren Schriften seien mit dem Pentateuch vereinig! worden; wie man demPentateuch,der doch als geschlossener Kanon galt, spater die Propheten und Psalmen ansügte, so seien auch dem von Neuem geschlossenen Kanon später wiederum andere Schriften angereiht worden. Nun finden wir aber nirgends auch die leiseste Spur davon, daß man Schriften mit dem Pentateuch vereinigt habe; der Pentateuch stand immer als ein für sich abgeschlossenes Ganze da unter der Benennung 7>-iin oder ihm folgte erst in zweiter Ordnung die Abtheilung den Nebiim. Und wenn Bleek unter (Tan. 9, 2.) sich nur eine Büchersammlung denken kann, die mit dem Pentateuch vereinigt gewesen war, so liefern gerade die Stellen, die er als Beweis für seine Meinung anführt, den Beweis gegen ihn. Wenn Daniel von den Werken der Propheten spricht, so gebraucht er das Wort in der Mehrzahl- (Dan. 9, 10.), spricht er aber vom Pentateuch, so bedient er sich der Einzahl: i r> (Das. V. 1l.), oder,-MQ (Das. V. 13.). So sagt auch Maleachi (e. 3, 22.) .iL'v So wird auch Esra (Esra 7, 6.) isiO genannt. (Vgl. Das. 7, 11. 12. 21.) Daher behaupte ich, daß gerade der Ausdruck O'-sv.-i unterschiedlich von iiL'Q riin-> gebraucht ist, und daß man hier die Bücher zu verstehen habe, die zwar als heilige anerkannt (daher auch der Artikel), aber noch immer einzelne waren, noch nicht ein abgeschlossenes Ganze bildeten. Man hat nicht nöthig, wie Hengstenberg annimmt, hier an eine Privatsammlung zu denken ^), noch weniger aber, nie Hävernik meint, an den Brief des Jeremias an die Exulanten, in welchem das Ende des Exils verheißen wird 5), das Wort in der Mehrzahl nicht dem Lateinischen adäquat einen einzelnen Brief bedeutet, wie Hävernik irrthümlich annimmt. (Vgl. II. Sam. 11, 14., wo ->SO in der Bedeutung von Brief vorkommt.) Eine fernere Schwierigkeit bietet noch nach Bleeks Annahme die Stellung der Psalmen, die den Kethubim eingeordnet sind; müßten sie nicht nach ihm der zweiten Ordnung angehören? Warum fehlt ferner das Buch Sirach, das doch noch älter (nach Bleek nämlich) als der Daniel sein soll? Was nun die Stellen betrifft, die Bleek citirt, um zu beweisen, daß unter Esra noch keine Sammlung bestanden habe, daß vielmehr erst nach Nehemia an eine solche zu denken sei, so gebe ich Bleek die Thatsache an sich zu, denn erst unter Esra begann man die Bücher zu sammeln: die Beweise jedoch, die von Bleek angeführt werden, halten die Probe nicht aus. 4) Hengstenberg, die Authentie des Daniel und die Integrität des Secharjah. S. 34. 5) Hävernick, Commentar über das Buch Daniel. S. 327 f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.