Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 13-14 (28.3.1866)
- Date
- 1866-03-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VII. Jahrgang. Erste Beilage zu Rr. 13 L14 des Israelit. Leitender Artikel. Deutschland. Mainz, den 25. März. Die israelitische Gemeinde zu Berlin hat dem ersten Rabbiner der hiesigen (Reform-) Gemeinde, Herrn vr. Joseph Aub, die dort erledigte Predigerstelle übertragen. Herr I)r. A., der vor seinem Amtsantritte in Mainz bereits 23 Jahre in dem bayrischen Städtchen Bayreuth sungirt hat, ist einer der ältesten Reformrabbinen. Schon im Jahre 1836 wollte er, wie ein in Altona herausgegebenes jüdisches Blatt berichtete, bei Gelegenheit einer Synode das Sabbatgesetz bedeutend modificirt wissen, und den Staatsangestellten erlauben, am Sabbat zu schreiben. In den wenigen von ihm edirten Schriften und Aufsätzen spielt die Verhöhnung und Verspottung des Talmuds und der Talmudisten eine Hauptrolle. lü München, 23. März. Ich habe meinem Bericht über den hiesigen Frauen verein noch Einiges über dessen Leitung beizufügen. Die geehrte Frau erste Vorsteherin nämlich, Frau Jeannette Marx, und die zweite Vorsteherin, Frau Lisette Marx, sind es, welche ob ihrer ausgezeichneten Umsicht und unbegrenzten Fürsorge, den unbedingten Dank sowohl aller Unterstützten als anch besonders die Anerkennung der Mitglieder verdienen. Möchte in allen Gemeinden ein solcher echt Mischer Verein (/'vw vw^> n'.iw wo er noch nicht besteht, recht bald in's Leben gerufen werden! Oesterreichischer Kaiserstaat. lü Wien, 25. März. Die Jsraeliten-Gemeinden Böhmens und ihre Kantoren haben auf Anregung des Prager Oberkantors Herrn M. Pereies dem um den Synagogalgesang verdienten Kantor S ul - zer zu seinem am gestrigen Tags stattgeftmdenen Jubiläum einen kostbaren Pokal übersandt. Ueber die schöne Feier selbst möge ein kurzer Bericht genügen. Herr Salomon Sulz er seit 40 Jahren mit ungeschwächter Kraft, edlem Eifer und voller Hingebung Kantor der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, wurde schon am Vorabend durch ein Konzert hochgeehrt. Dasselbe fand im Musikvereinslocale statt, und glcmzte durch die Anwesenheit hoher Notabilitäten, gefeierter Künstler und Künstlerinnen beider Confessionen und durchaus sehr gewählter Gesellschaft. Am Schluffe wurde dem Jubilare ein Lorbeerkranz überreicht, und wurde ihm ein Hoch ausgebracht. Herr Sslzer dankte unter Thränen; es wird dieses Fest gewiß noch lange in Aller Gedächtniß leben. — Der 3. k. Klinkowsträm hielt in der Univerfitätskirche eine sehr judenseindliche Rede. — In allen böhmischen Bezirken, wo Judenexzesse statt hatten oder noch zu befürchten sind, wurde das Standrecht verkündet. P a l ä st i n a. Jerusalem. Einen herben Verlust betrauern die Einwohner Jerusalems. Am ersten des Monats Adar starb der allgemein bekannte vr. Rothziegel, Arzt im Hospital von Mayer Rothschild. Unsere verehrlichcn Leser werden sich wohl noch einer Privatcorrespondenz des Herrn vr. Albert Cohn erinnern, worin derselbe erzählte, wie inständig der Paschah den unermüdlichen Arzt ersucht hatte, nachdem die Cholera bereits die Frau und den Sohn des braven Arztes hingerasit hatte, Jerusalem auf einige Zeit zu verlassen. Herr vr. Rothziegel antwortete hierauf, daß er lebend die Stadt nicht verlassen werde. So geschah es denn auch. Der Verblichene war allgemein beliebt und opferte sich während der schrecklichen Epidemie förmlich für seine unglücklichen Brüder auf. Wenn auch Herr vr. Rothziegel keine Kinder hinterläßt, so wird sein guter Name ihm ein ewiges Andenken in Aller Herzen zurückgelassen haben .-i2"L^"rv *) Unsere Brüder in Jerusalem erwarten von Herrn vr. Albert Cohn, daß er ihnen baldigst einen Arzt zuschicke, der Jerusalems so würdig sei, wie es der Verstorbene war. (Libanon.) Afrika. (Assisenverhandlung zu Constantine am 1. März 1866.) Ein schauderhaftes Familiendrama, über das verhandelt werden sollte und das schon lange das allgemeine Stadtgespräch bildete, hatte schon frühzeitig eine große Volksmenge in den Justiz Palast versammelt. Die Natur des Verbrechens, die Motive, die es veranlaßt haben, die Umstände, die dabei obwalteten, das Alter und der Charakter des Angeklagten hatten allgemeines Interesse erregt. Der Saal und die Gallerien waren völlig besetzt. Man bemerkte unter dem Auditorium einen großen Theil derHaute-Volee, viele Damen und besonders Israeliten; der Angeklagte Jacob Zerbib gehört nämlich diesem Cultus an. Eine lebhafte Bewegung machte sich, als man den Angeklagten einführte, bemerkbar. Jacob Zerbib ist ein junger Mann von kaum achtzchn Jah- *) Anm. der Red. des Jsr.: Dies ist nicht ganz richtig; es lebt von dem Verstorbenen ein Sohn aus erster Ehe, einKncwe von etwa 10 Jahren. Herr Vr. R. hat kein Vermögen hinterlaffen.