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Der Israelit · 1866-03-28 · Heft 13-14 (28.3.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 13-14 (28.3.1866)
Date
1866-03-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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227 Seite Fahrlässigkeit unterlaufen, so würde selbe strenge geahndet werden. Im Falle die Exceffe noch weitere Ausdehnung nehmen sollen, sei er vom Staatsministerium ermächtigt, das Standrecht auch noch auf andere Kreise Böhmens auszudehnen. Der Piseker Kreishauptmann habe seine Schuldigkeit gethan. Italien. Ferrara. Die Organe der jüdischen sowie auch die der politischen Tagespresse bringen die betrübende Nachricht von dem Hinscheiden einer unserer Glaubensgenossen, des Herrn Alaxiinv ä'^aglio. An ihm hat Italien einen seiner ersten Patrioten, die bedrückte Menschheit einen der wackersten Kampfer für Toleranz verloren. Herr von ^.riöAlio war gleich groß als Maler, Schriftsteller, Soldat und Staatsmann. Seine edle Seele war voll des Kummers über die Ausnahmsstellung, die unsere Glaubensgenossen bis zur Errichtung des neuen Königreichs Italien drückte. Schon im Jahre 1848 veröffentlichte er eine Broschüre unter dem Titel: „Ueber die bürgerliche Emancipation der Israeliten," ein sehr beredtes Plaidoycr für unsere Rechte als Menschen und Staatsbürger. Große und harte Kämpfe hatte es auch hier gekostet, die verrotteten Vorurtheile gegen unsere heilige Religion und deren Anhänger zu beseitigen. Wie überall so auch hier bürdete man den Juden den Hang zum Gelde und zum Wucher auf. Doch der gewandte Verteidiger bewies mit Thatsachen, daß dieses — vorausgesetzt, daß es wirklich so sei — bloß die natürliche Folge der Ausnahmsgesetze sei, die den Juden gleichsam auf ^Geldgeschäfte hinwiesen, wenn er anders nicht mit seiner Familie verhungern wollte. Herr von Azeglio citirt die Bibel, den Talmud, Maimonides u. a. Quellen und beweist aus denselben, wie gerecht und erhaben die jüdischen Civilgesetze für den Handel und Wandel mit Andern seien, wie diese der Achtung und Zustimmung eines jeden gebildeten Volkes so würdig seien. — Wir möchten der Redaktion des zu Stuttgart erscheinenden „Jugend-Albums" dieses Merkchen dringend empfehlen; dieselbe dürfte vielleicht daraus belehrt werden, wie schlecht es einer Zeitschrift, die dem Volke, besonders der Jugend in die Hände gegeben werden soll, ansteht, uns heute noch mit dergleichen Kram in den Augen unserer andersgläubigen Mitbürger herabzuwürdigen zu suchen. Wenn wir auch nicht verkennen, daß der Geschäftsmann Nathan in einer Erzählung im Märzheft dieses Jahrgangs der gen. Zeitschrift als Biedermann hingestellt ist, so überwiegt dennoch das Nachtheilige, was seinem Neffen Aron (Aprilheft 1866) in seiner Eigenschaft als Jude Uebles beigemessen wird, bei Weitem das Ehrenhafte seines Onkels. Soll und muß aber eine verschmitzte Wucherseele zur Geschichte vorhanden sein, warum muß denn gerade ein Jude das Bild dazu abgeben? Wahrlich, wir Juden sind es nicht, die sich auf unrechtmäßige Weise fremdes Gut aneignen. Iemehr man uns emancipirt, desto bessere Staatsbürger sind und werden wir sein. Mit Recht konnte unser Religionsgenosse, der berühmte Advokat Cremieux, vor dem Tribunal zu Algier ausrufen: „Nsooieuro, H'ai I'lionuvur ä'ßtrs Huik! Auch unser Azeglio war sich stets seiner großen Abstammung bewußt. Nie in seinem Leben hat er dieselbe verleugnet. Sein freimütiges, cordiales Wort hat in Italien Großes geleistet. In der Synagoge zu Genua hat man einen Trauergottesdienst für den Dahingeschiedenen gehalten, denn das Gebet für die Seele des Gerechten ist Gott angenehm. Der Name Maximo wird stets in Ehren gehalten werden, sein, Andenken ein Segen sein. Feuilleton. Kaiser Karl V. vor Algier.*) Von Es war im I. d. W. 5302, nach 'der gewöhnlichen Zeitrechnung im Jahre 4541, als Carl V. sich von dem Reichstage zu Regensburg nach Italien begab, um von da aus den Zug gegen Algier zu unternehmen, den er schon früher beschlossen. — Haradin Barbarossa, einer der kühnsten und außerordentlichsten Menschen seiner Zeit, hatte sich, wenn auch von geringen Eltern auf der Insel Lesbos geboren, allmählich emporgeschwungen und auf der Nordküste von Afrika festgesetzt und beunruhigte nun, nachdem er viele vom Könige Ferdinand dem Katholischen aus Spanien vertriebene Mauren an sich gezogen, mit ihrer Hülfe durch Seeräuberei die europäischen Meere. Algier und Tunis waren in seiner Gewalt, und der türkische Sultan Soliman hatte dem kühnen Manne seine eigne Seemacht noch zur Verfügung gestellt. Carl V. glaubte als Schirmherr der Christenheit dem entgegentreten zu müssen, um so mehr, als bereits Tausende von christlichen Sklaven zu Algier und Tunis in der Gefangenschaft schmachteten und auch der aus Tunis vertriebene König Hascen ihn um seinen Schutz angefleht hatte. Cr sammelte ein Heer von 30,000 Mann und rüstete eine Flotte aus von 500 Schiffen. Im Sommer 1535 landete man bei 1) S. Süschmath Lhajim d«S R. Reuaffe ben Israel III. Cap. 28 und 3». S. 145 und 147. — Bergl. auch Dibre hajamim von R. Joseph ha Cohen S. 115, b.

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