Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 13-14 (28.3.1866)
- Date
- 1866-03-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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226 in dm Fabriken (Fabrik für türkische Kappen und für Zündwaarcn der Firma Fürth) beobachteten eine musterhafte Haltung." Strrhlweißevbrn-g, 15. März. Die edlen Worte des gefeierten großen Patrioten Franz Deäk bezüglich der bürgerlichen Gleichstellung der Juden Ungarns haben in dem königl. Rescript einen glänzenden Wiederhall gefunden. Se. Majestät hat mit Vergnügen die bürgerliche Gleichstellung aller Confessionen mtgegcngenommen. Es ist somit die Emancipation von beiden Faktoren der legislativen Gewalt im Principe ausgesprochen und wird gewiß nach Erledigung der staatsrechtlichen Fragen zum Gesetze erhoben werden. Wie haben sich doch die Zeiten geändert! Am 47. April 4861 haben sich einige unberufene" Männer der jüdischen Dcputirtcn-Versammlung in Pest angeschickt, die Emancipation einzuschachern für — Judenthum. Von einer Emancipation sn dlvo war damals gar keine Rede. Und nun begegnen sich König und Landesvertretung in Betreff der Judenfrage und lösen sie in einer so hochherzigen Weise ohne Hinzuthun dersogenannten Culturvereinschwindler. Wir erblickten in den Worten Deäk's noch überdies eine glänzende Manifestation zu Gunsten des orthodoxen Judenthums. Denk will den Juden als Juden in die menschliche Gesellschaft als Bürger ausgenommen wissen und wünscht hiefür von Seite des Judenthums gar keine Concession. Wie kann es auch anders sein? Ein Mann, der mit dem Aufgebote seiner ganzen parlamentarischen Kraft die Rechtscontinuität gegen die Opportunität vertheidigt, wie konnte der verlangen, daß der Jude seine Continuität den Opportunitätsrücksichten opfern soll? Wir haben also jetzt ein ganz neues Thema berührt. Das orthodoxe Judenthum und die Magyaren haben einen gleichen Kampf. Sie vertheidigen beide die Continuität gegen die Opportunität. Die hiesige orthodoxe israelitische Gemeinde hat diesem Gedanken bereits in einem am 47. Sept. 4865 an den Obergespan des Weißenburger Comitates Ladislaus v. Szögyeny-Marich gerichteten Gratulationsfchreiben Ausdruck gegeben. Nachdem das Schreiben Eingangs einen Rückblick aus die Genesis der Gemeinde, ihre neugebaute Synagoge, ihre vortreffliche Schule und sonstigen Institute wirft, und im Verlaufe dem edlen Obergespan ihre aufrichtigsten Glückwünsche verdolmetscht, schließt dasselbe mit folgenden Worten: „Möge es schließlich uns — die wir gleich der ungarischen Nation bloß im Festhalten an unseren alten, „tradirten Gesetze die größte, unbesiegbare Macht gefunden und diese von den hohen Behörden genehmigte „glänzende Stellung errungen haben — möge es uns „gegönnt sein, zu hoffen, daß unsere, ihrer Constituirung „nach, junge, hinsichtlich ihrer Principien uralte Gemeinde sich der Sympathie und Protection Ew. Excellenz ,zu erfreuen habe. D. F. Prag, 44. März: „Die in den czechischen Orten unseres Kronlandes schon mit einer Art System betriebene Ausbeutung des Przibramer Silberdiebstahles zur Ver- 1 spottung und Verhöhnung der Juden hat, wie mitgetheilt wird, in einem wenige Meile von Prag ertfernten Orte dieser Tage zu einer köstlichen Scene geführt. Ein in der ganzen Gegend angesehener jüdischer Hofpächter kam am Abende in das Städtchen K-, um den von Prag Nachts einlangenden Bahnzug weiter zu benutzen. Kaum ins Gasthaus eingetreten, wird er von einigen ihm befreundeten Bürgern aufgefordert, an ihrem Tische Platz zu nehmen. Das, wie natürlich in K., czechisch geführte Gespräch dreht sich begreiflicherweise um den bekannten Silberdiebstahl. Auf einmal bricht einer vom „Honoratioren-Tische", dem das Gespräch eine viel zu ruhige Haltung angenommen zu haben schien, los und fragt den Hofpächter, ob er Przibramer Silber kaufen wolle, eine jetzt in czechischen Kreisen „Juden" gegenüber sehr beliebte Phrase. Dieser bleibt ganz ruhig, fragt, wie viel Silber er denn zu verkaufen habe, erhält zur Antwort: drei Pfund, erkundigt sich nach dem Preise und erklärt sich bereit, auf das Geschäft einzugehen. Dadurch noch mehr animirt, stellt ein zweiter „Honoratior" dieselbe Frage; der Jude bejaht sie und notirt sich in Gegenwart der Gesellschaft die ihm angegebenen Preise und das Gewicht. Der Hofpächter bittet sodann die Gesellschaft, ihn für einen Augenblick zu entschuldigen, da er zu diesem Geschäfte nicht genügende Kasse bei sich habe und solche von einem ihm bekannten jüdischen Kaufmanne entlehnen wolle — begibt sich aber direct vom Gasthause zum Bezirksvorsteher. Demselben theilt er das Factum mit, daß ihm Przibramer Silber von diesen und diesen Bürgern zum Kaufe angetragen worden sei und ersucht ihn, die nothwendige Amtshandlung einzuleiten. Der Bezirksvorsteher nahm die Mittheilung zu Protokoll und entsendete den Gerichtsdiener mit einem Vorführungsbcfehl für die zwei angeblichen Besitzer Przibramer Silbers in das Gasthaus. Sie können sich leicht denken, wie die über den an dem „Juden" ausgeführten „Witz" noch freudig strahlenden sich entfärbten, als die beiden Witzbolde die bestimmte Aufforderung erhielten, sich aufs Bezirksgericht zu begeben. Die beiden ihrer eigenen Aussage nach schwer belasteten Delinquenten wurden in Arrest geführt, wo sie bis zum Morgen das Vergnügen halten, über das Wechselvolle im Leben nachzudenken. Am andern Morgen ins Verhör genommen, stellten die Jncriminirten die ganze Sache als Scherz dar, und der Bezirksvorsteher entließ sie schließlich mit der energischen Ermahnung, mit den Bestimmungen des Strafgesetzes nicht — zu scherzen." (Reue freie Presse.)? Prag, 47. März. Statthalterei-Leiter Lazanky beantwortet Wolfrum's Interpellation dahin: die Untersuchung über die Schüttenhofener Vorgänge sei im Zuge; sollte sich Herausstellen, daß von irgend einer