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Der Israelit · 1866-03-28 · Heft 13-14 (28.3.1866) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 13-14 (28.3.1866)
Date
1866-03-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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tz 225 sollte, ward beschlossen, einen kostbaren Pokal mit sinnigen Inschriften zu überreichen, und wurde diese Uebergabe des Ehrengeschenkes durch den Herrn Vorsteher Maier aus Müllheim — einen ehemaligen Talmudschüler des Gefeierten — mit einer feierlichen Anrede vollzogen, in Anwesenheit des Herrn Bezirksältesten Maier aus Müllheim, und fast aller Vorsteher und vieler Synagogenräthe des Bezirkes, so wie ferner des Festcomitö's und vieler anderer intimer Freunde, die sich dem Feste angeschlossen hatten. Nachdem nun Nachmittags 2 Uhr das ,-iruO Gebet im Festlocale abgehalten worden, begann das Festessen. Unvergessen werden uns die ergreifenden Worte bleiben, die der gefeierte Herr Bezirks-Rabbiner vargetragen. Anlehnend an den Vers tt'F-r mpnL" Ow, „den Kelch der Hilfe erhebe ich," sprach sich der Herr Rabbiner dahin aus, daß er vor Allem den Schöpfer alles Guten für seine Huld und Gnade lobpreise, der ihm Kraft und Beistand verliehen, so lange schon seinen Gemeinden vorzustehen; sodann sprach der Gefeierte, daß er dieses Ehrengeschenk nur deßhalb so freudig begrüße, weil eS dafür bürge, daß seine Gesinnungen und Handlungen sich der lebhaftesten Sympathien seiner Gemeinden zu erfreuen haben, und hoffe er, daß dieses Fest dazu beitragen werde, noch recht viel des Guten und Wahren im Vereine mit seinen Gemeinden mit Gottes Hilfe durchzuführen. Sodann hielt der Gefeierte eine ergreifende Rede über die Glückseligkeit des badischen Landes, von einer so höchst weisen und guten Regierung verwaltet zu werden, und forderte zu einem dreifachen „Lebehoch" auf das Wohl S einer Kgl. Hoheit des Großher^ogs auf, und Alles stimmte begeistert ein in die herrlichen Worte des Redners. Als nun zahlreiche Reden und Toaste von vielen Anwesenden zu Ehren des Herrn Bezirks-Rabbiners vorgetragen worden, da ergriff der Gefeierte noch einmal das Wort, einen Toast auszubringen auf die ehrwürdigen orthodoxen Herren Rabbinen, und bezeichnete namentlich die in den vordern Reihen für Erhaltung und Kräftigung unverfälschter israelitischer Religiosität kämpfenden, wobei auch Sie, hochgeehrter Herr Redakteur, einen höchst ehrenhaften Rang einnahmen, und alle Anwesenden stimmten mit ihm ein dreifaches Lebehoch an. Daß bei dieser Festlichkeit auch unsere frommen, aber armen Brüder im heiligen Lande nicht vergessen wurden, wird aus der Spendenliste des Israelit ersichtlich sein. DaS Fest verfehlte nicht, auf alle Anwesenden einen sichtlich erhebenden und erbauenden, und gewiß auch bleibenden Eindruck zu machen. Da es nun Nacht geworden war, so wurde das Gebet verrichtet, und nachdem man sich dann bis spät in die Nacht bei Wein und Gesang gütlich gethan, so kehrten die Gäste voll des Bewußtseins, ein wahrhaft jüdisch es Fest gefeiert zu haben, in ihre Heimath zurück. Preußen. Berlin. Der Syndikus der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr vr. Hur. A. Rubo ist am 12. d. M. plötzlich gestorben. Auch als juristischer Schriftsteller hatte Rubo sich einen geachteten Namen erworben , so wie er in gemeinnütziger Weise als erster Vorsteher des Moses Mendelssohn'schen Waisenhauses und der Friebe'schen Mildenstiftung thätig war. (VolkSzeitung.) Berlin. Am Sonnabend feierte der Hilfs- Verein für jüdische L>tudirende im Anschluß an die regelmäßige Generalversammlung sein fünfundzwanzigjähriges Stiftungsfest. Der Verein hat alle Ursache mit den Resultaten der Thätigkeit in diesen 25 Jahren zufrieden zu sein. Im Jahre 1841 traten einige wenige Personen, welche ein Kapital von 25 Thlr. zusammengelegt hatten, zusammen, um hilfsbedürftige jüdische Studirende zu unterstützen, am Schluß des Jahres zeigte die Vereinskasse ein Vermögen von 123 Thlr. Und wie steht der Verein jetzt nach 25 Jahren? Die Mitgliederzahl beläuft sich auf viele Hunderte, das Vermögen des Vereins beträgt, incl. der Nebenstiftungen, etwa 13,000 Thlr., die Summe der jährlichen Beiträge übersteigt 2000 Thlr., und die Summe der im Laufe der 25 Jahre gegebenen Unterstützungen beläuft sich auf 25,021 Thlr. 3 Sgr. 6 Pf. Von den gezahlten Unterstützungen sind bis jetzt etwa 1800 Thlr. zurückgezahlt worden. Die Sammlung, welche bei dem stattfindenden Festmahle veranstaltet wurde, ergab über 300 Thlr. (Volkszeitung.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 15. März Nach einer Correspondenz der „Prager Zeitung" aus Schüttenhofen hatte der vorgestrige Exceß daselbst große Dimensionen angenommen. Ein Judenhaus und mehrere Judenläden wurden ausgeplündert. Die Bemühungen des Vice- Bürgermeifters und der Gemeinderäthe, die Zusammenrottung einzuhalten, waren vergebens. Den Gensdarmen wurden die Gewehre entrissen, es entstand ein Handgemenge mit dem Volk; es wurde geschossen. Das Volk, mit Prügeln bewaffnet, vertrieb die Gensdarmerie, durchtobte die ganze Stadt. Der Tumult endete theilweise gegen Morgen mit einer großen Prügelei unter den Excedenten, welche über die Theilung des Raubes entstanden war. — Der „N. fr. Pr." wird über die Schüttenhofer Excesse aus Prag. 14. d., telegraphirt: ..Es war die Demolirung aller Judenhäuser beabsichtigt; es wurden indeß nur (!) drei Judenhäuser ausgeplündert. Die Gensdarmerie mußte von der Schußwaffe Gebrauch machen, der Volkshaufe schoß auf die Gensdarmen. Die Polizei war genöthigt, sich im Rathhause zu verbarricadiren. Die Arbeiter

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