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Der Israelit · 1866-03-28 · Heft 13-14 (28.3.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 13-14 (28.3.1866)
Date
1866-03-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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L23 Nicht in ausgelassenem Freiheitstaumel, nicht in feindlicher Gesinnung gegen unsere andersglaubenden Mitbrüder, nicht im Schmieden staatsgefährlicher Pläne findet uns diese heilige, geschichtlich-ehrwürdige Peßach- Nacht. In dankbarer Liebe zum Lenker aller menschlichen Schicksale ist unser Herz entflammt, daß Er uns die Freiheit gegeben, sie nutzbar zu machen für Gott und seine heilige Lehre. Leider , existirt im religiösem wie im politischen Leben ein gefährlicher Freiheitsschwindel. Wie in bewegten Zeiten die Thoren mit dem Worte Freiheit spielen, so treiben auch auf religiösem Gebiete sog. Freiheitshelden, die dieses Wortes wahre Bedeutung verkennen, Unwesen mit religiösen Anordnungen. Wie, wann hoch gehen des Sturmes Wogen in aufgeregten Tagen, der eitle Geck, der schuldenbeladne Verschwender sich anschließen den freiheitverkündenden Wirthshaushelden, so schließen sich auf religiösem Gebiete unwissende oder verkommene Menschen am ehesten unfern großen Reformatoren der Gegenwart an. Sie identificiren Freiheit mit Willkür '2 Wie dort das Gesetz und die gesellschaftliche Ordnung, so werden hier Glaube und Tradition in Frage gestellt. Eitle Schwärmer und unwissende Gecken vermessen sich unseren Baum des Lebens, fällen zu wollen. Doch ihre Mühe ist eine vergebliche, wie es die Tagesgeschichte zur Genüge darthut, wie es unsre heilige Geschichte gar oft schon bewiesen, wie es eben unser Peßachfest durch sein Entstehen vollständig erhärtet. — Darum lasset uns im Gottesglauben und in Gottesfurcht die bevorstehenden inv-Nächte unter Lob- und Dankliedern feiern. Lasset uns in denselben die vor Jahrtausenden gewonnene Freiheit zu Nutz und Frommen unserer heiligen Religion verwerthen. — Singet, jubelt der Befreiuung aus Egypten. Der in O'-iLv über unsere Ahnen gewacht, wird auch heute noch über uns schützend wachen, der uns aus erlöst hat, wird uns auch von allem Nebel erlösen. Literarischer Gericht. Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud. Biblisch-talmudisches Wörterbuch zum Handgebrauch für Theologen, Juristen, Gemeinde- und Schul- Vorsteher, Lehrer und andere Bibelfreunde. Ausgearbeitet von vr. I. Hamburger, Landrabbiner zu Strelitz in Mecklenburg. Heft I. Von A — Eidesformel. Strelitz. Im Selbstverlag des Verfassers und in Commission bei Poppelauer, Buchh. in Berlin. 1866. Der Verfasser sagt in der Vorrede: „Die immer größere Ausdehnung der Kunst und Wissenschaft, der rasche Umschwung der Ideen auf allen ihren Gebieten und der täglich sich erweiternde Gesichtskreis des Forschers, diese freudigen Erscheinungen der Neuzeit gegenüber dem regen Verkehr des Lebens und den Anforderungen der Gegenwart, wo Kenntnisse aus fernen Kreisen oft vorausgesetzt werden, machen „Encyclopädische Wörterbücher" zur raschen Orientirung über fremde Gegenstände zu einem unabweisbaren Bedürfniß. Ist dieses bei der weltlichen Literatur schon der Fall, so erscheint es viel nothwendiger auf dem Gebiete des Wissenswürdigen in Bibel und Talmud. Diese Bücher sind in einer tobten Sprache, die darin niedergelegten Ideen, Sitten und Anschauungen gehören Zeilen und Ländern an, denen wir fremd geworden, so daß es eines lebenslänglichen Studiums bedarf, um mit allen ihren Erzeugnissen vertraut zu werden — und doch ist die Berührung des Iudenthums mit der Außenwelt eine solch häufige und lebhafte, daß Fragen über die Lehren seiner Religion zur öffentlichen Besprechung kommen, deren richtige Beurtheilung von nicht unbedeutender Wichtigkeit ist. Wir erinnern an den Kompert'schen Prozeß in Wien über die Messiaslehre im Iudenthume; die Artikel der „Wiener Kirchenzeitung" über die Gottesidee im Talmud; die Aeußerungen eines Professors in Wien über die Behandlung der Leichen bei den Juden; die in Preußen und den andern Staaten Deutschlands oft auftauchenden Erörterungen des Jude neides, der Mischehen rc. Es ist äußerst beklagenswerth, welchen irrigen Vorstellungen über Judenthum man selbst in den gebildeten Kreisen begegnet. — Mer auch innerhalb des Iudenthums, besonders bei den häufigen Resormbestrebungen in den Gemeinden, kommen Gegenstände zur Erörterung, wo ein Zurückgehen auf die Quellen, um die Lehren in ihrer geschichtlichen Entwickelung kennen zu lernen, immer dringender wird. Von welcher Bedeutsamkeit daher eine geschichtliche Darstellung der Lehren des Iudenthums für Gemeinde, Schule und Haus in einer weithin verbreiteten Landessprache wäre, bedarf kaum noch des Nachweises. Mein gegenwärtiges Werk, die „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud" soll diesem Bedürfnisse möglichst entgegen kommen. In der Form eines Wörterbuches werden neben den geschichtlichen, geographischen und naturwissenschaftlichen Artikeln die ethischen,dogmatischen und juristischcnGegenstände in der Ordnung des Alphabets nach ihrer geschichtlichen Entwickelung behandelt, wo durch eine Beleuchtung der Stellung der Nebergangsliteratur von der Bibel zum Talmud, also der Apokryphen, des alexandrinischen Schriftthums rc. der Standpunkt des Talmud klar hervortritt. Dasselbe soll ein Handbuch der Bibel in ihrem Zusammenhänge mit dem Talmud für Bibel- und Alterthumsfreunde sein, so wie zur Belehrung über die das Iudenthum betreffenden Fragen für Vorsteher,

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