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Der Israelit · 1866-02-07 · Heft 6 (7.2.1866) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 6 (7.2.1866)
Date
1866-02-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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.. „Leider ist die' Bosheit dev Pfüffen so groß/ daß sie, was sie am Heiligsten halten) die Bibel, ihrem' Haffe opfern: denn die jüdische Religion ist ja die, welche Ms dem Munde Gottes selbst ertönen ließ: D u sollst nicht tobten! der jüdische Glaube ist ja der, Welcher aus deM Munde Gottes selbst ertönen ließ: Du sollst kein Blut essenl Welche lügenhafte Behauptung auch, daß man dasl Ungesäuerte Brod mit Blut knetet; wie oft waren wir nicht, Wilhelm, zugegen, als sie ihr Osterbrod machten, es wurde bloß mit Wasser geknetet." „Eine andere verruchte Anklage gegen die armen Juden, erfunden von bigottem Religionshaß und habsüchtiger Begierde nach ihren Besitzthümern, ist hie, das sie Hostien schänden und durchbohren. Aber die Hostien, um diese böse Handlung an den Tag zu legen, bluteten und thaten noch andere Wunder. Daß eine solche Beschuldigung nicht wahr ist und nicht wahr sein kann, ist bekannt, und man weiß nur allzu gut, dafl Geistlichkeit und Laien die Hostien selbst mit Blut, wie zu Paffau, befleckt haben, um den leichtgläubigen Pöbel gegen die Juden aufzuhetzen. Rindfleisch und Armledcr waren große Bösewichter, die mit dergleichen Betrügereien Tausende und aber Tausende unschuldig ermordet, verbrannt, ertränkt und sich ihrer Habe und ihres Gut's bemächtigt haben. Viele Fürsten, die an dem Raub Antheil hatten, ließen sie ruhig gewähren und machten Deutschland zum Schauplatze der abscheulichsten und grausamsten Verbrechen. „Noch unglaublicher und lügenhafter ist die Beschuldigung der Brunnen-Vergiftung, die Meister Henrich Schnetzen uns also wahrheitsgetreu berichtet, als sei diese in Frankreich und Spanien verübt worden, um dort alle Christen zu vergiften. Ich habe nie von einer solchen Beschuldigung etwas gehört, und glaube auch nicht, das ein Mensch, der seine fünf Sinne hat, einem solchem Unsinne Glauben beimessen kann. Denn erstens, gehört die Thatsache wohl ins Gebiet des Unmöglichen, und dann hatten ja die Juden kein anderes Wasser als die Christen. Doch wozu so viele Worte, es scheint, daß diese Beschuldigung eine Erfindung des Henrich Schnetzen ist, dessen Fanatismus noch andere Anklagen gegen die Nachkommen Abraham's erzeugt hat, ohne daß der einfältige Mensch sich um möglich oder unmöglich bekümmert." Wilhelm, den solche Reden seine- Vaters sehr erfreuten, hatte nichts Dringenderes zu thun, als sie seinem Freunde Gottlieb von Orb zu überbringen, und dieser Iheilte sie seinem Vater mit. Die Wirkung aber, die sich Friederich davon versprach, ging nicht in Erfüllung. Denn Süßkind von Orb hatte bereits Kunde von der Aufwiegelung des gemeinen Volkes in Meißen und- Thüringen, durch.Beschuldigungen und Anklagen gegen, die Juden - die Henrich > Schnetzen verbreitete. Da ihm auch bekannt war, daß Henrich Schnetzen der Vertraute Friederich's war, so würde er burch seiür falsche!« Reden nicht getäuscht! .' Was war. aber zu thun? Sich an den Kaiser Ludwig den Bayer zu wenden? Er erhielt aber eben die Nachricht, daß der Kaffer den 21. Oktober 1347? in Folge eines Sturzes vom Pferde, gestorben war.- Es blieb ihm nichts anders übrig , als die Zeit abzuwarten, bis er sich beim neuen Kaffer, Carl IV., dasselbe Ansehen und denselben Credit erworben habe, wie bei seinem Vorgänger. Bis dahin aber beschloß er, den Markgrafen zu überlisten. Er dankte ihm bei der ersten Gelegenheit für. seine gute Gesinnungen gegen die Juden, die er. durch seinen Sohn Wilhelm neuerdings vernommen, und setzte hinzu, daß er nie an seiner Aufrichtigkeit, an seinem vorurteilsfreien Sinne und feiner Gerechtigkeit gezweifelt, und ihn daher immer als einen treuen Freund betrachtet und behandelt habe. Friedrich gratulirte sich schon zudem guten Erfolge seines Planes. „Ich war klug", sagte er zu sich mit Befriedigung, „ich war geschickt, einen Plan zu entwerfen, der mir alle die Vortheile meines Vatergibt, als er die Juden seines Landes ausrotten ließ, um sich ihres Vermögens zu bemächtigen, ohne daß ich seinen Ruf eines habsüchtigen und grausamen Fürsten zu theilen brauchte. Auch die Ausführung meines Planewar gut durchdacht, das Volk ist in Aufruhr, ohne daß ein Mann wie Süßkind von Orb, dem so viele Mittel zu Gebote stehen, nur den geringsten Argwohn hegt. Nur eines Winkes bedarf eS, und die rasende Bestie, der Pöbel, ist los. Wehe den Gläubigern! wehe Allen, die sich nicht loskaufen! Doch ich vergesse, daß dies alles nur in meinem Lande stattfinden rann, nicht aber in Nordhausen, der freien Reichsstadt; und gerade dort lebt Süßkind von Orb, das Haupt meiner Gläubiger! Zum Henker! an dies habe ich nicht gedacht, und ohne das kann gar nichts geschehen, sonst bin ich compromittirt. Ich muß überlegen, mit Henrich Schnetzen überlegen; wir werden wobl ein Mittel finden, um auch den Krösus von Nordhausen ins Verderben zu ziehen." So sprach Friedrich von Meißen mit sich selbst und begab sich nach Salza, zum Vogt Henrich Schnetzen. Während dieser Zeit aber blieb Süßnnd von Orb nicht unthätig; er begab sich zum Kaffer Carl IV., und dieser empfing ihn huldreich; er sagte, daß ihm seine Leistungen bei der vorigen Regierung bekanrtt seien, und er hoffe, daß auch seine Regierung sich deren zu erfreuen haben würde. Er könnte sich bei jeder Gelegenheit an ihn direkt wenden, er werde immer seinen Wünschen zuvorkommen. Auch Möchte er seine ReligioySgenofsen, die treuen Kammerknechte de- Reiches, seiner Gunst und seines Schutzes versichern. Süßkind von Orb kehrte ruhig und vergnügt zurück. Er nahm sich vor, zur gelegenen Zeit den Kaiser vom Treiben des Markgrafen von Meißen in KirmrtNiß z« setzen und seine hilfreiche Hand in Anspruch zu

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