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Der Israelit · 1866-02-07 · Heft 6 (7.2.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 6 (7.2.1866)
Date
1866-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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104 der aus allen oben angegebenen Gründen der status hno ein so prekärer ist? — Die Sorge um diese Angelegenheit erfüllt mich bereits eine Reihe von Jahren, und habe ich derselben schon sehr lange in Privatcorrespondenzen vielfach Ausdruck gegeben. Ich habe mich durch diese an eine Anzahl renommirter, der orthodoxen Partei angehöriger, einflußreicher Männer solcher Gemeinden, in denen sich eben keine Jesch. befinden, gewendet, die große Ungerechtigkeit im Status yuv und die Gefahr in dem laisser aller scharf hervorgehoben und sie zur Thätigkeit nicht etwa für «eine Jesch., sondern überhaupt znr Sustentation irgend einer aufgefordert; leider blieben meines Wissens bis jetzt meine Bemühungen resultatlos; die Rothweudigkeit gemeinsamen Vorgehens ist aber während dieser Zeit nicht etwa vermindert, sondern wird von Tage zu Tage gesteigert. Daher entschloß ich mich jetzt zu unserer treuesten Verbündeten, der öffentlichen Meinung, zu flüchten, nnd muß alle, zu denen diese Zeilen gelangen, wenn sie helfen können, für alle Unterlassungssünden mit verantwortlich machen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Den Lesern dieses Blattes ist bereits die Trauerbotschaft von dem Hinscheiden eines Mannes mitgetheilt worden, dessen Ruf aus den bescheidenen Räumen seines Studirzimmers hinaus weit bis über die Grenzen seiner Vaterstadt gedrungen ist. R. Bär Adler war ein Mann, der mit immenser Gelehrsamkeit die höchstmögliche Bescheidenheit verband, und gewiß wird es Manchen intereffiren, etwas Näheres über den Lebenslauf des Dahingegangenen zu erfahren. 13 Jahr alt kam R. Bär b"2"r nach Frankfurt, um bei seinem Onkel R. Mei'r Schiff zu lernen. Schon damals erregte der kleine Knabe die Aufmerksamkeit des berühmten damaligen Frankfurter Rabbiners R. Pinchas Horwitz b"L"r. Am Sabbat nach seiner Hochzeit konnte der junge 19jährige Mann es wagen vor allen damaligen Koryphäen der hiesigen Gemeinde in der vollgedrängten „Altschul" einen Chilluk zu halten. 23 Jahre alt wurde er vom Vorstände der hiesigen Gemeinde dem zum Pariser Synhedrin deputirten R. Salomon Trier als Adjutant beigegeben. Von dieser Zeit an verwaltete er mit R. Salomon Trier und mit R. Ahron Fuld -"rr"r das Frankfurter Dajanat. Auch war er Begründer und Letter der hiesigen Talmud-Thora-Schule, in welcher der größte Theil der Männer, die jetzt der Religionsgesellschaft angehören, herangebildet wurden. Als aber in der hiesigen Gemeinde der Bruderkrieg ausbrach, als nicht mehr die Christen, sondern die Juden selbst den Talmud und die ihn lehrten verfolgten, da mußte R. Bär es mit ansehen, wie seine Schule geschloffen wurde. Unter Protesterklärung bei den Behörden, wich er der Gewalt. Von der Zeit an sammelte er Männer der Gemeinde um sich, um mit diesen im Verein auf Mittel und Wege zu sinnen, wie dem hereingebrochenen Unheil zu steuern, wie die gefahrbedrohte Thora den kommenden Generationen erhalten bleibe, und er hatte auch die Freude, es zu erleben, daß der alten Lehre wieder eine Stätte hier in Frankfurt errichtet wurde. Aber nicht allein für Frankfurt sorgte er; aus allen Gegenden schaarten sich Schüler um ihn, denen er mit uneigennütziger Hingebung das Wort Gottes lehrte, und welche er für den schwierigen Beruf eines Rabbiners vorbereitete. Viele Rabbinatsstühle in Deutschland und Frankreich sirw durch seine Schüler besetzt. So lange seine Kräfte ausreichten, war er bemüht, ^sr-ilL"2 zu sein, erst nachdem ihm die Aerzte geistige Anstrengung untersagt hatten, hörte er zu unterrichten auf. Niemals wollte R. Bär ^>"2"s ein Nabbinat annehmen, jedes dahin zielende Anerbieten schlug er aus; als Privatmann wollte er leben und lehren, lebte und lehrte er. Das beste Epitaph, das wir auf seinen Grabstein zu schreiben wüßten, wäre: Er war ein ganzer Jehudi. S. Offenbach, 2. Februar. Die kürzlich von Seiten des „großen Soll egs" zur Aufnahme von neuen Mitgliedern stattgehabte Wahl, bei der, wie wir bereits berichteten, Juden ausgeschlossen wurden, äußert jetzt auf eine unangenehme Weisung ihre Wirkung, indem mehrere israelitische Famielen, mit zum Theil sehr bedeutendem Geschäftsbetrieb, unsere Stadt verlassen und nach Frankfurt übersiedeln. Wailersb^ch, 28. Januar. Am 17. v. M. wurde die Synagoge in Wailersbach bei Forchhsim eingeweiht. Es hatten sich zu diesem Behufe sehr viele Freunde von Nah und Fern eingefunden, da ein derartiges Fest in unserer Gegend seit langer Zeit nicht mehr begangen worden. Auch der königliche Herr Bezirksamtmann v. Suttner, der die weltliche Behörde für diesen Bezirk vertritt, hatte sich schon in der Frühe hierherbegeben und nahm mit sichtlich freudigem Gemüthe Antheil an diesem religiösen Akte. Auch der Ortsgeistliche war anwesend, und sehr viele Lehrer jeder Confessio» aus der Umgegend hatten sich eingefunden. Nachdem sich der Festzug geordnet hatte, begann die Feierlichkeit vor dem Hause, in welchem seither der Gottesdienst war abgehalten worden. Es

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