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Der Israelit · 1866-01-31 · Heft 5 (31.1.1866) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 5 (31.1.1866)
Date
1866-01-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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93 meinte, sein Einfluß würde wohl ein so großes Unglück von der Gemeinde abwenden können. Der Einfluß dieses reichen und . großmüthigeu Mannes war in der That sehr bedeutend. Beim Kaiser sehr angesehen, war er auch. Hoffactor bei größeren üsld kleineren Fürsten Deutschlands. Das Vxrhältnkß war ein wechselseitig inniges, das' durch .Vertrauen von. Seiten der fürstlichen Personen und durch erprobte Zuverlässigkeit von Seiten des Höffäctörs öald auch ein befreundetes wurde, Durch diese Stellung hatte Süßkind von Orb mehr als einmal das Glück, seinen Brüdern in Deutschland wesentliche Dienste zu' leisten. Sein offener, biederer Character erwarb ihm die wärmste Hochachtung aller Behörden von Nordhausen, und sein Wohlthätigkeitssinn gewann ihm die Herzen aller Bürger. Hier wäre nun vielleächd. der passende Ort, eine lange Reihe der edelsten Handlungen aufzuzähleü. welche uns von diesem seltenen Manne, bekannt geworden sind. Von ihm selbst, dem wahren Sachverhalte gemäß, erzählt, beurkunden alle die echteste Humanität und das hochherzigste Gefühl der laüter 'en Menschenliebe. Snßkind von Orb gründete auf eigene Kosten ein Krankenhaus, eine Urmensch ule, eine Waisenanstalt, eine Armenkasse, ein Institut für arme Greise, und verdiente sich durch diese und andere edle Werke den Dank der Zeitgenossen und die Verehrung der Nachwelt. Dieser ehrwürdige Vorsteher ließ den Sonntag nach dem Dortrag des erblindeten Rabbiners die ganze Gemeinde, Rabbi Jakob an ihrer Spitze, in die Gemeindestube berufen und sprach sie mit folgenden Worten an: „Theure Gemeinde, mit gerührtem Herzen und bewegter Seele habe ich Euch heute versammeln lassen, um mich mit Euch über die traurige Mittheilung des Gottesgclehrten aus Chinon zu berathen. Zuerst unfern innigsten Dank dein großen Lehrer, dem ehrwürdigen Märtyrer in Israel, der seine Heimath verlassen und eine mühsame Reise in die Fremde füounserHeil unternommen hat. Die Hochachtung, die wir alle für seine heiligen Worte, die Ehrfurcht, die wir für seine fromme Person hegen, darf uns nicht veranlassen, ohne Ueberlegung seinen Willen zu vollziehen. Er verlangt, daß wir mit Weib und Kinkß mit Hab und Gut die Stadt, in der wir geboren, verlassen, damit uns nicht ein schreckliches Unglück treffe, das über uns verhängt sei!" „Theure Gemeinde, wir sind in Gottes Hand, wer kann vor ihm fliehen? heißt es nicht: „Wohin soll ich gehen vor deinem Geiste, und wohin fliehen vor deinemAntlitz? Wenn ich in den Himmel steige, bist du dort, und macheich die Unterwelt zum Lager, bist du da." Wenn wir, wegen unserer Sünden, bestimmt find, umzukommen, so wird uns allenthalben die Hand Gottes erreichen. Wenn wir aber leben bleiben sollen, wo werden wir eher Schutz und Schirm finden als hier? Nordhausen ist die einzige Stadt in Deutschland, wo wir unbeschränkt unserem Glauben und unserem Gewerbe nachgehen können. Die Behörde achtet uns, das Volk liebt uns, selbst die Geistlichkeit legt uns nichts in den Weg. Wir leben unter einem Kaiser, der für uns Wohlwollen hegt, unter Fürsten, die für unS Sympathie haben. Besonders erfreuen wir uns der Freundschaft des Markgrafen von Meißen, Friedlich des Ernsten, der ein Unglück, wie das angekündigte, nicht dulden wird. Ich meine daher, wir bleiben hier und vertrauen auf Gott und die Fürsten; denn Gott ist es ja, der die Herzen der Fürsten lenkt und führt." Als Süßkind von Orb seine Anrede fertig hatte, ergriff Rabbi Jakob das Wort und sprach: „Geehrte Versammlung, ich trete nicht auf, um eine ausführliche Widerlegung der Anrede unseres würdigen Vorstehers zu geben; dieses würde mich zu weit führen. Ich bemerke nur, daß das ganze Gemälde von der Lage der Inden in Deutschland, von ihm so schön entworfen, nur sein persönliches Verdienst zu Grande hat, und nur seine große Bescheidenheit konnte ihn glauben machen, daß die gegenwärtige Milde aus reiner Menschenliebe und Gerechtigkeit entspringe." „Freilich erläßt der Kaiser Ludwig der Bayer, dem unsere Brüder zu Rom bei seiner Krönung durch Überreichung einer Thora huldigten, manchen Schutzbnef zu Gunsten der Israeli en. Allein seine unruhige Regierung ist nicht geeignet, unS den gehörigen Schutz zu gewahren. Wie hätte sonst vor drei Jahren ein Armleder die Greuel R i n d r l e i s ch's erneuern können? Und was erlaubte 'ich nicht der deutsche Pöbel gegen uns vor zwei Jahren in Sachsen, Bayern und anderwärts, ohne daß von Seiten der Fürsten der geringste Einhalt geschah." „Ich will Euch, meine Lieben, die GrarNamkeiten nicht schildern, die 'ich so viele Fürsten gegen uns zu Schulden kommen ließen, worunter Friederich der Gebissene, Vater des gegenwärtigen Markgrafen von Meißen, den ersten Plan einnimmt. Dieser rohe Krieger erhob eine barbarische Inden-Verfolgung in Thüringen, die sich über das Osterlaud und die Mark Meißen ausdehnte. Die Hand Gottes aber ergriff ihn plötzlich; von einer fürchterlichen Melancholie befallen und dabei vom Schlage an der Zunge und an allen Gliedern gelähmt, lebte er nur noch erbärmlich, fest an das Bett geheftet, bis er endlich elend starb. „Ich glaube daher den Worten eines Mannes, wie Rabbi Creffelin, das Licht Israels, dessen Augen in GotteSgesetz leuchten, dessen ganzes Leben geheiligt ist, und dessen Geist in die Zukunft blicket. Er will nicht nur, daß wir Nordhansen, sondern auch daß wir ganz

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