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Der Israelit · 1866-01-31 · Heft 5 (31.1.1866) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 5 (31.1.1866)
Date
1866-01-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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92 gangen hörte; doch der schändlichste aller Skandale sollte erst während meines kuitzen Aufenthaltes daselbst Vorkommen. Ein Pasquille in welchem die Ehre der angesehensten Männer, Frauen und Töchter oer Orthodoxen derart angegriffen wurde, wie vielleicht noch kein Merstchenauge ein schmutzigeres, elenderes Machwerk je gesehen hatte, wurde einem jeden Mitglieds per Post in's Haus geschickt. Die Gekränkten, obgleich scheinbar ganz glerchgilttg, sahen die Sache doch nicht so ruhig an, wie man Anfangs glaubte, denn bald ließen sie durch die geheime Polizei die im Dunkel schleichenden Bösewichte aufsuchsn; schnell hatte diese auch alle Spuren aufgefunden; Drucker und Verfasser sind schon bekannt; Helfer und Helfershelfer werden noch gesucht. Und wer ist der Unhold, der diese unselige Mißgeburt zur Welt brachte? Herr Moschä, vormals pn in Speyer , gegenwärtig pn dieser neuen Resormgemeinde in N. O. seine Mitarbeiter sind noch nicht bekannt; sein Zorn über den nach schwerer Schwangerschaft todtgeborenen Chorgesang am Rosch-Haschanay verleitete ihn zu dieser allerniedrigsten und schmachvollsten That. Die Geschichte liegt augenblicklich vor dem Criminal - Gericht; 'glücklicher Weise für den ruhmreichen Verfasser ist der Staatsanwalt mit den Verhören von so vielen Zeugen in vorliegenden Mord- und Naubfällen beschäftigt, daß dieser neue Skandal noch warten muß, bis die Reihe an ihn kommt. — Dies ist in gedrängter Kürze die Entstehungsgeschichte der Neiorm in Nem-Orleans. O! daß ich mich jetzt freuen muß. diesen Ort wieder bald verlassen zu dürfen, wo ich einst so gern weilte, wo ich einst so gern wirkte, wo die Saaten, die ich geftreuet, alle auf ergiebigen und segensreichen Boden fielen, auf den kein einziges Saamenkörnchen fiel, das nicht keimte und Sprossen trieb, deren herrlichen Blüthen mich die schönsten Früchte zu erwarten berechtigten. Aber ach, 2^2 '2'n, der Feind alles Guten und Religiösen hat Alles vernichtet, die Hufe seiner wilden Rosse haben meine zarten Pflanzen niedergetreten und meinen edlen Garten verwüstet, und Giftpflanzen schießen nun da wild hervor, wo sonst die Bäume des Lebens blüheten. Lasten Sie mich nun Ihnen einige Worte über den neuen Gärtner mittheilen. Herr Gutheim kam vor mehreren Jahren als ausgelernter Kürschner nach diesem Lande und betrieb dieses Handwerk so lange, bis ihm seine liebliche Stimme zu einem, wenn nicht bessern, doch edlern, nämlich zu dem eines pn verhelfen hatte; er avancirte von Stelle zu Stelle und erlangte endlich den höchst einträglichen Posten als pn der portugiesischen Gemeinde in N.O. Als ich vor fünf Jahren nach letzterer Stadt kam, fand ich zu meinem Erstaunen, daß die ckuek (Muskat-Ente) ^bei allen Israeliten, selbst in den frömmsten Häusern gegessen wurde; als ich mein Erstaunen ViMber äußerte, verwies man mich an Herrn Gücheim-der sie selbst schlachtete; daran mich jedoch nicht kehrend erklärte ich öffentlich in der Synagoge die Vögel als 21^2^' und untersagte den wn.-iip das Schlachten derselben. Da a.'er Herr Gntheim fest darauf'bestand, noch immer solche zu schlachten, so ersuchte ich meinen Vorsteher, Herrn A. Friedländer, der selbst ein vielseitig gebildeter Mann ist, und viele Jahre in Deutschland Lehrer war, daß er vor zwei anerkannten Gelehrten in Europa den Gegenstand zur Frage bringe. Die Herren!)r. Adler in London und Hirsch in Frankfurt wurden befragt, und beide erklärten die Mnscat-Ente für 2ivr<; als Herr G. den Bescheid dieser beiden Gelehrten hörte, sagte er ganz trocken und einfach: „Von einem Hirsch und einem Adler konnte ich keinen bessern Bescheid erwarten." Ich will dabei nicht die unglaubliche Frechheit aus dem Münde eine? unwissenden Kürschners heroorhsben, sondern die Größe unseres schönen Landes bewundern, von dem man wie von dem riennpri pik sagen kann: 2^222 np'2p2X2 22'in; denn derselbe Herr G. ist nicht mehr Kürschner, nicht mehr pn, sondern 22^2 22121 2-> in einer Gemeinde von mehr als 300 Mitgliedern, worüber nicht die Himmel weinen und die Steine klagen, sondern die armen Muskat-Enten; diese weinen und klagen, daß nach vierjähriger Ruhe ihr Leben wieder von Neuem in Gefahr schwebt; denn die v'vniL' haben nun wieder Auftrag, solche zu schlachten, trotz Talmud und Schulchan Aruch! Aber in einem Lande, wo Rabbiner es wagen, die Austern den Israeliten für 2^2 zu erklären, während sie selbst Kuchen bei nichtjüdischen Zuckerbäckern essen, obgleich hier zu Lande nichts ohne Schweinefett bereitet wird, und im Hause den Dienstboten Seife bei der Reinigung des Tafelgeschirres zu benutzen erlauben, da werden solche alte talmudische Grundsätze nicht langer berücksichtigt. — Dr. B. Jllowy. Fe ui lleton. Der Tanz zum Tode. Eine wahre Geschichte nach den handschriftlichen Mittheilungen eines Zeitgenossen erzählt von L. II. Süßkind von Orb. Auf Einen jedoch, auf den Vorsteher der Gemeinde, Süßkind von Orb, machte die Verkündigung des Rabbi Cresselin keinen so tiefen Eindruck; nicht daß er etwa an den Worten desselben zweifelte, sondern weil er

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