Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1866)
- Date
- 1866-01-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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84 Deutschland verlassen, denn in diesem Lande, meint er, würden wir nie eine ordentliche Rühe finden. Ja, setzte er bedeutrmgSvoll Hinzu, es wird eine Zeit kommen, wo die Juden allenthalben als Menschen betrachtet und die volley Rechte - aller andern Bürger, aenietzeu werden, nur. in Deutschland werden sie am längsten zurückgesetzt bleiben. Laßt uns nach Polen gehen, wo unsere Brüder ruhig und glücklich leben." Der Vortrag des Rabbi Jakob fand jedoch wenig eifall, weil die Liebe zur theuren Vaterstadt die ganze emeinde belebte, und sie beschloß, mit ihrem Vorsteher in Nordhausen zu bleiben, und sich eher einer Gefahr auszusetzen, als diese Stadt zu verlassen. Als Rabbi Cresselin von Chinon den Entschluß der Gemeinde vernahm, erschrak er sehr, schlug die Hände zusammen und schrie verzweiflungsvoll: „Feuer! Feuer! Feuer!" Der Gedanke an den Scheiterhaufen rief ihm den Feuertod von Chinon so lebhaft ins Gedächtnis daß er glaubte, nochmals mit seiner Familie und seinen Freunden den Holzstoß zu besteigen. „Ich bin da, edler Vater, gute Mutter, euer Sohn ist bei euch! meine lieben Geschwister, euer Bruder Cresselin stirbt mit euch, im Namen des Ewigen, des einen und alleinigen Gottes. Sehet, der Himmel ist osten, und zahllose Engel erwarten uns! Auf, o mein Lehrer, o meine Mitschüler, ich komme, komme...!" Bei diesen Worten siel der Fromme zur Erde und war todi. Die Nachricht von dem Tode Rabbi Cresselins verursachte Schrecken und allgemeines Bedauern. Besonders war der Rabbiner Jakob tief betrübt. Er ließ ihn . mit großer Feierlichkeit begraben. Als das Gebet: „Des Schöpfers Thun ist tadellos," vollendet, als man das Gras hinter sich geworfen hatte mit dem Spruche: „Einst werden sie hervorblühen wie das Gras der Erde," und die Leiche in die Gruft gesenkt war, da warf sich Rabbi Jakob ben Mei'r auf das Grab nieder, küßte den Staub, weinte und rief: ,s „Erde, Erde, wie bist du so kühn! wie so. verwegen! die leuchtenden Säulen der Welt verzehrest und zerstörest du! Ha, wie vermessen, die heilige Krone, die Israel zierte, das hohe Schild, das Juda schützte, soll in dir verwesen? Rabbi Cresselin von Chinon^ der Glanz der Gesetze Gottes, die Leuchte der göttlichen Lehre sollte in dir verlöschen? Wie, solltest du immerfort die Welt beherrschen? Nein! Nein! o Erde, Erde! blähe dich nicht so auf, Rabbi Cresselin bleibt dir nicht überlasten, der Heilige verweset nicht in dir!" Dann stand Rabbi Jakob wieder auf und weinte und entfernte sich mit dem Vorsteher, der ebenfalls über den plötzlichen Tod des Rabbiners von Chinon, sehr gerührt war. Nachdem aber Süßkind von dem Todten Abschied genommen und mit thränenden Augen das Gebet wiederholt hatte: „Des Schöpfers Thun ist tadellos, Denn alle seine Wege find gerecht; Er tödtet und belebt, Er führt ins Grab und wieder herauf. Der Mensch, ob er ein Jahr, Ob tausend Jahre lebe, Was frommt es ihn? Es ist, als wär' er nie gewesen!" . . . Der Ewige gab, der Ewige nahm; Der Name des Ewigen sei gepriesen! adoptirte er feierlich die hinterlastene Waise als sein Kind, und ließ sie mit seiner Tochter zugleich erziehen Constance, so hieß die Waise, fand an Süßkind von Orb einen zärtlichen Vater, und an dessen Tochter Liedheid eine liebevolle Schwester. Sie wuchsen beide Heran, reich an Tugend und Schönheit. Constance war voll Anmuth und Reiz; auch Liebheid war lieblich und hold. Unter den stillen Verehrern dieser zwei jungen Mädchen waren zwei Jünglinge von gleichem Alter, Gottlieb, der Sohn Süßkind'ö von Orb und sein Freund Wilhelm, der Einäugige, Sohn des Markgrafen von Meißen. (Fortsetzung folgt.) « L L Annonce. Ein junger Mann, der zur Zeit in einer großen! Stadt des Auslandes mit Erfolg als Lehrer wirkt, j früher an einer großen Neligionsschule Deutschlands! thätig war, wünscht wieder in sein Vaterland zurück- > zukebrcn und sucht zu diesem Behufe am liebsten auf j nach eine seinen Leistungen entsprechende i Stelle. Derselbe ist wohlkundig in ,71^2 und besitzt gute Real - und SpraMenninifse und wird von anerkannten Rabbinen empfohlen. Gefall. I SS L w» Franco-Osterten sud I^it. 0. L. 54 wird die Txped. d. Bl. zu übermitteln die Güte haben. (Auf Verlangen fügen wir bei, daß uns der Stelle-suchende junge Mann persönlich bekannt ist, und daß wir denselben angelegentlichst empfehlen können — Die Red. des Jsr.) Berichtigung. In dein.Artikel „Ans dem Badischen" littet mcn zu lesen: ^cite 6d, Zeile 22 v. u. „eie Bibel lebre" ftstt die Bibel!ehre; S. «7, Z- 6 v'. o. „bersorgeht" statt hervorgehen; ferner iviä Z. 24 ist Awaren" enszut .ssen. Der üvrrector.