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Der Israelit · 1866-01-31 · Heft 5 (31.1.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 5 (31.1.1866)
Date
1866-01-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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S1 ten sie zu einer Stimmenmehrheit in der Gemeinde rvNpi? O^kiTi .in. Bon dem Rechte der Mehrheit Gebrauch machend, sollte vor Allem zur Einführung eines Frauenchores geschritten werden; dazu war aber die Beseitigung des alten Vorstandes der aus biederen, gesetzestreuen Männern bestand, nöthig. Ein neuer Vorsteher wurde gewählt, ein Mann, der in seiner schrecklichen Unwissenheit (denn derselbe versteht kaum seinen Namen zu schreiben) erst vier Wochen vorher sich die freche Aeußerung erlaubte: „DaS 7l-iin -iso hat für mich nicht mehr Werth als irgend ein anderes Buch, das in alten Zeiten geschrieben wurde." Dieses Treiben konnte ich nicht länger ruhig mit ansehen : ich sah in dem Vorstande Nichts als eine Behörde, deren Bestimmung war, mich wirkungslos zu machen, Nichts, was nur einen religiösen Anstrich hat, bestehen oder aufkommen zu lassen, und überzeugt, daß der liebe Vater im Himmel, der der Segnungen viele hat, mich mit den Meinigen nicht darben lassen wird, reichte ich am Tage der Neuwahl, mit dem Gedanken, das Lehrfach gänzlich aufzugeben, meine Resignation ein, die von den Reformfreunden mit Freuden, von den Gesttzestreuen mit Thränen in den Augen und Wehmuth im Herzen angenommen wurde. Herrn Gutheim, pii der Portugiesen, der in vierzehn Jahren außer an v"7i"' und kein ohne Hilfe einiger Kinder aus dem Armenhause in seiner Synagoge zusammenbringen konnte, riefen sie zu .-nnn 170°, .i'nn und der gute Mann, nachdem er allen Anforderungen zu genügen versprochen hatte, wurde zum Rabbiner gewählt. Ein Chor, bestehend aus Männern und Frauen, von denen die Meisten zwischen Sabbat und Sonntag, und -120 nicht viel unterscheiden, und die vielleicht noch in ihrem ganzen Leben kein Wort des Geb tes über ihre Lippen gebracht haben, wurde sogleich organisirt und einstudirt, und da die Gemeinde keinen passenden Platz für den Chor zur Disposition hat, so müssen sich diese heiligen Sängerinnen mit einem Platze unter den Männern zwischen der .-ivo und dem Viipn begnügen! Am TUN.-. V-e-i sollte der Chor zum ersten Male das fromme Werk beginnen, und wie freuten sich alle frommen Seelen.zwei Monate lang auf diesen Tag, besonders da das ein Tag ist, an dem man sich doch ohnehin Zeit nimmt, in die Synagoge zu gehen. Aber ach! diese unschuldige Freude sollte ihnen vereitelt werden, denn als kaum am das eine ganze Ewigkeit wahrende non-Gebet mitsammt dm"Tönen des Schofars zu Ende und der schöne, mit Ungeduld erwartete Augenblick gekommen war, in welchen Chor und pn das p)Ow-Kaddisch arrgestimmt halten, da wurde plötzlich die ganze Gemeinde von einer furchtbaren Erscheinung überrascht; es war kein Gespenst, doch nicht minder schrcckmerregend, denn es war ein Diener des irdischen Gerichtshofes, (vor dem kleine Seelenleben) der am Tage des höchsten Gerichtes in das Heiligthum drang, wo die Söhne Jacobs von New-Orleans vor Gottes Richterthron durch einen erbaulichen Gesang ausgleichen wollten, was sir das ganze Jahr hindurch in Wort und That verschuldet hatten. Nicht hörend auf die Zaubertöne der schönen Sängerinnen, schritt dieser steinerne Mensch immer vorwärts, bis er den Sitz des Vorstehers erreicht und diesem ein Schreiben eingehandigt hatte. Nachdem der Herr Vorsteher anscheinend das Schriftstück gelesen hatte, hieß er mit verstörtem Antlitze den Chor verstummen und verscheuchte die frommen Sängerinnen wie die Tauben von ihren Ruhestätten. Man glaubte allgemein, dies sei der Inhalt der vom Sherif erhaltenen Zuschrift und Auftrag des Lllprerue Oourt. Doch nein, das war es nicht; denn die Zuschrift ivar blos eine Vorladung auf irgend einen anderen Tag, auf welchen die Leiter der alten Partei den Vorsteher vor Gericht verlangten; aber dieser, der mit dem Lesen irgend einer Schriftart nicht gut vertraut ist, besonders wenn er seinen Secretär nicht zur Hand hat, konnte ohne sich erst von dem wahren Inhalte der Zustellung zu überzeugen, nur vermuthen, es sei ein an ihn gerichteter richterlicher Auftrag, den Chor zum Schweigen zu bringen; diesem vermeintlichen Befehle gehorchte er nun sofort, und so zerstörte er selbst in seiner Unwissenheit das Werk, das er geschaffen. Bei allen diesen Vorgängen war ich, Gott sei Dank, nicht gegenwärtig; denn ich hatte kaum die Stelle zu New Orleans aufgegeben, so erhielt ich schon den Ruf nach der Gemeinde Scheerith Jisrael in Cincinnati, und am 1.September Hatteich schon mein neues Amt angetreten. Die Gründer dieser meiner gegenwärtigen Gemeinde gehörten vormals zur Broadway- Synagoge in Cincinnati; erst als Or Lilicnthal von derselben als Rabbiner gewählt wurde und gleich bei seinem Amtsantritte die Aeußerung verlauten ließ, daß wenn die Mehrheit der Gemeinde für Reform n geneigt sei, er mitvr. Wlse Hand in Hand zu geheu gedenke und zeitgemäße Reformen einführen werde, verließen zehn bis zwölf Mitglieder sogleich die Gemeinde, ließen ihre Rechte und ihren Antheil an Gemeinrevermögen verfallen, bildeten eine neue Gemeinde, d'.e bis jetzt zu 110 Mitgliedern, lauter Orthodoxen im strengsten Sinne des Wortes, angervachien ist; dü se haben eine prachtvolle Synagoge, in eer dreimal läßlich Gottesdienst abgehalten wild und sind im Stande, ihrem Rabbiner jährlich 2000 Dollars zu zahlen. Als die heiligen Feiertage zu Ende waren, ging ich nach N. O. zurück, um meine Familie abzuholen, die ich daselbst aus Privatrückstchten zurückgelassen hatte; aber wie schmerzlich wurde ich überrascht, als ich die früher so friedliche Gemeinde in Stücke zerrissen antraf, und von allen den unerquicklichen Lor-

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