Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1866)
- Date
- 1866-01-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. lü Frankfurt a. Dt-, 15. Jan. Die bürgerliche, politische und sociale Emancipation der hiesigen Juden wurde durch die Verbreitung freisinniger Anschauungen verhältnißmäßig rasch zum Ziele geführt. Vor drei Jahrzehnten war noch die Zahl der Ehen beschränkt, welche innerhalb Jahresfrist unter Juden geschloffen werden durften. Mehr als Ein Haus durfte kein Jude besitzen. Vom aktiven und passiven Wahlrechte waren sämmtliche Juden ausgeschloffen. Jetzt sind ihnen die höchsten Staatswürden nicht mehr unzugänglich. Es gibt jetzt in unserm Freistaale keine öffentliche oder geschloffene Gesellschaft, wo die Religion eine Scheidewand machen würde; es gibt keine wissenschaftliche oder gemeinnützige Anstalt und keine merkantilische Administration, wo die Juden nicht mit ihrer geistigen und materiellen Kraft zur Förderung des Gemeinwohls Mitwirken. Das frische Aufblühen des Handels und die allseitige Wohlhabenheit in unserer Stadt hat selbst frühere Gegner der in Rede stehenden Gleichberechtigung eines Andern belehrt; sie gestehen jetzt selbst, daß die Stadt das an den Juden begangene Unrecht in früherer Zeit selbst gebüßt habe. (Augsburger Abendzeitung.) m Nürnberg, 2 t. Jan. Die hiesige israelitische Cultus-Gemeinde (bereits 159 Familien stark «"p') hat bei der königl. b. Regierung um die Eclaubniß nachgesucht, einen eigenen Rabbiner aufnshmen zu dürfen. WittelShofen (Bayern), den 19. Januar. Wenn ein Mann dieser Welt entrückt wird, dessen Hinscheiden allgemeine Bestürzung und Trauer verbreitet und dessen Verlust von den verschiedensten Ständen und Klaffen der Menschen aufnchtigst beklagt — ja beweint wird; so mag schon hieraus der hohe Werth und treffliche Character des Hingeschiedenen erhellen, und es demnach gerechtfertigt erscheinen, den Manen des Verstorbenen in den Annalen dieser, dem ächten und unverfälschten Judenthum dienenden, Zeitschrift ein ehrendes Denkmal zu setzen. Auf diese einleitenden Betrachtungen führte uns die Trauerkunde von dem im rüstigsten und strebsamsten Mannesalter zum größten Leidwesen seiner zahlreichen Freunde und Angehörigen erfolgten Ableben des allgemein verehrten Kultus-Borstehers Gutmann in unserer Rachbargemeinde Wassertrüdingen. — Derselbe bekleidete eine lange Reihe von Jahren das' gewiß nicht beneidenswerthe Amt eines Kultus-Borstehers. — In unserm Tagen, wo sich nr der Mitte der iSrael. Gemeinden gar häufig so mancherlei Interessen begegnen, ja feindlichst gegenüberstehen und durchkreuzen, die Cultus- und Gemeinde-Angelegenherten gar häufig sich selbst überlassen und von keiner höher« Central-Behörde überwacht und geregelt werden, setzt wohl eine gute, allgemein befriedigende Verwaltung und Leitung der Gemeinde-Angelegenheiten großen Takt, edle Besonnenheit und wahre Selbstverläugnung und Gottesfürcht voraus. Diese schönen und seltenen Tugenden, verbunden mit einem bescheidenen und wohlwollenden Wesen und einem regen Sinn für echtes Judenthum, die dem Verblichenen in hohem Maße inne wohnten, gewannen ihm auch die Herzen aller seiner Mitbürger, sowohl jüdischen als auch christlichen Glaubens. Seine christlichen Mitbürger betrauten ihn wegen seiner anerkannten Rechtlichkeit mit dem ehrenvollen Amte eines Gemeinde- Bevollmächtigten, sowie eines Officiers der Landwehr, wobei er manches Gute und Segensreiche bewirkte. Ueber seinen Werth als Mensch, Jsraelite und Bürger hat der zur Trauerfüerlichkeit berufene und schnell herbeigeeilte ehrwürdige Distrikts-Rabbiner Weißkopf von Wallerstein beredte und ergreifende Worte gesprochen, und mag daher auf den nunmehr Verklärten das Wort unserer Weisen vollgültige Anwendung finden: Q'PQTI Ml .1I1U „Wer bei den Menschen beliebt, ist auch bei Gott angenehm." In diesem Worte sowie in der großen Hoffnung ObipdrriM 'crais -wo scia des hohen Lohnes hochherziger Vorsteher Israels in jenen Sphären des Lichts und der Wahrheit, mögen seine, durch seinen frühen Hintritt, so tiefbetrübtsn und schmerzlichst betroffenen Freunde und Angehörigen wieder baldigst Trost und Beruhigung finden! ri"22ar>. I. Löwenmayer, Lehrer. Preußen. Hakberft^dt Erlauben Sie mir, die geehrten Leser des „Israelit" auf einen religionsgesetzlich wichtigen Umstand aufmerksam zu machen. Von einem meiner Schüler hörte ich, daß die echtfrommsn Israeliten Amsterdams keine Tafelchocolade aus den gewöhnlichen Fabriken genießen, weil sie solche theclweise von einer Beimischung thierifchsn Fettes nicht frei glauben. Das vecanlaßte mich, einen Sachverständigen darüber zu vernehmen. Dieser behauptet fest, daß bei Bereitung sehr feiner Chocolade eine Beimischung thierischen Fettes nicht zu befürchten sei. Da aber diese sehr theuer ist, die Leute aber wohlfeile Chocolade einkaufen wollen, so bekommen sie, wie die Kaufleute sagen, Waare für ihr Geld. Man verkauft ihnen wohlfeile Chocolade, die auf folgende