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Der Israelit · 1866-01-31 · Heft 5 (31.1.1866) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 5 (31.1.1866)
Date
1866-01-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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84 denn erweitert und gehoben werden könnte. Die Jeschiboth nämlich, wenigstens die namhafteren, stammen mehr oder weniger aus alter Zeit, d. h. haben ein Alter von mindestens 2—3 Generationen, oder wenigstens, wenn, wie z. B.hier. ein vieljähriges Interim stattgefunden hatte, so haben sie bei ihrer Nestituirung noch dieselbe Generation vsrgefunden, denen diese Art des noch lebendig innewohnte. Daß aber jene Generationen im Ganzen und Großen, wie im Einzelnsten und Besondersten, eine ganz andere Anschauung von der jüdischen Pflicht hatten, als die unsrige, liegt zu Tage. Angewendet auf unsere Frage waltet, zwischen jenen und unserer der wesentliche Unterschied ob, daß damals Seitens der Mitglieder einer jeden Gemeinde, in der sich eine Jeschiba befand, das allgemein-jüdische Pflichtbewußtsein der '->2id irori Twir» weit mehr zum Durchbruche gekommen war, Seitens der übrigen die Solidarität der Verpflichtung viel mehr zum allgemeinen Bewußtsein ward, und eS wurde dadurch die Existenz derowirw viel leichter ermöglicht. Wesentlich endlich trug die damals ganz unoerhältnißmäßig leichtere Weise, sich mit einem Minimum zu erhalten, zur Möglichkeit so enorm großer Jeschiboth, wie Prag, Altona, Fürth, Frankfurt rc. bei. — Heute findet von allem Diesem das gerade Gegentheil statt. Die eindringliche Mahnung unserer Weisen npMTi als selbständige Seite unserer Wohlthätigkeit anzuerkennen, ihr neben eigentlicher ein besonderes Conto anzuweisen, predigt mehr und mehr tauben Ohren, und wird das Contingent derer leider immer kleiner, die dieser großen Pflicht auch nur eine Parität neben den „Humanitätswerken" gegen die Gemeindearmen zuerkennen. Gemeinden, in denen keine Jeschiba existirt, halten sich von dieser Pflicht ganz dispensirt und fühlen sich nicht einmal verpflichtet, als solche die Unterstützung der dort zuständigen Bechurim auf den Ausgabenetat der Gemeinde, oder auch nur der Privatfamilien zu setzen. Und doch ist bekanntlich auch das dringendste Bedürfniß des Studirenden bei den bescheidensten Ansprüchen und der größten Meisterschaft im Entbehren außer allem Verhältnisse zu dem früheren Maßstabe, doch ist Wohnungszins und die Ausfüllung aller übrigen Lücken^ welche selbst den glücklichsten Jüngern, die sich alle „Kosttage" verschafft haben, noch immer übrig bleiben, bei den gewiß mehr als um das Dreifache gesteigerten Ansprüchen der Wohnungsgeber, Professioniften rc. heute namhafter, als früher vielleicht der Bedarf des „reichen" Bachur war. Nimmt man nun noch dazu, daß bei dem großen Zersetzungsprocesse der Gemeinden, >der gegenwärtig, wie überall, auch in Ungarn gährt, indem so viele der Wohlhabenden theils nach Wien oder Pest, theils nach anderen Geschäftsplätzen ziehen, wo aber in den seltensten Fällen Jeschiboth sind und wo die Ankommenden eben als nur dort Domicilirende in noch fetteren Fällen die dort bestehenden mit erhalten helfe«; so wird man mich wohl nicht der Uebertreibung zeihen, wenn ich eben den gegenwärtigen Zustand für die Dauer für unhaltbar erkläre. Nun, was denn? —Was denn? Etwas sehr Einfaches und Naheliegendes, das Losungswort unserer Zeit, die Schöpferin von tausend Wundern in Handel und Wandel, das Treibende der modernen Gesellschaft, der Motor aller jener großartigen socialen Revolutionen, die sich in unserem Jahrhundert ruhig, aber unwandelbar abwickeln, wir meinen — die Organisation. Schon d"m haben (Sanh. 39 bei der Besprechung der Schriftstellen Ex. 5 und 11) vorwurfsvoll geklagt: „Was ihr Gutes und Nachahmungswürviges bei anderen Völkern seht, ahmet ihr nicht nach, wohl aber entwürdigt ihr euch durch Nachäffung der schlechten und unsittlichen Elemente unter jenen." „Wer selbst unter den Heiden ein weises Wort sagt, ist weise." (Msg. 16)2). — Nun, müssen wir nicht beschämt die Augen Niederschlagen, wenn wir die riesenhaften Resultate anstaunen, die in außerjüdischen Kreisen durch — Organisation erreicht und mit der Engherzigkeit, durch die wir heute noch die heiligsten, universellsten religiösen Pflichten verkommen lassen, vergleichen? Oder wäre es nicht im höchsten Grade niederschlagend, etwa den Gustav- Adolf-Verein mit der Opferfähigkeit, die wir für daS Gedeihen anderer, ärmerer Gemeinden aufbieten, in eine Parallele zu stellen? Wir könnten noch manche andere, ebenso niederbeugende Parallele ziehen, indeß exswxla sunt oäiosa. Ja, meine Freunde, gestehen wir es uns nur, winzig, zwerghaft, kläglich primitiv sind wir in allen Fragen, die mit den gerechten Forderungen des edlen jüdischen Idealismus Zusammenhängen. Können wir uns etwa nicht organisiren, haben wir nicht die Methode, die Taktik, das Zeug dazu? O nein, wie oft schon hat sich das Gegentheil glorreich bewährt, wie oft schon haben außerordentliche Angelegenheiten Groschen zu enormen, Achtung gebietenden, den größten O2N verbreitenden Summen geführt, wovon kein Organ mehr, als dieses, Zeugniß ablegt. Soll ich erst erinnern an den Bau für Armen- und Pilgerwohnungen, erinnern an die Bibelanstalt, erinnern an das jüngste Hunderttausend, ja für Einzelfälle an die Michelauer Waisen? — Allein, traurig, höchst traurig ist es, daß wir diese ruhmvolle Erfahrung nur für „außerordentliche" Angelegenheiten registriren können, daß, wenigstens in Deutschland und Oesterreich*) noch keine einzige für fortdauernde regelmäßige, von Generation zu Generation zu tradirende aufzuweisen ist. — (Forts, f.) 8) Vergl: TiWZdTl Vorrede. 3) Außer der ^.Ilisuoe isr^ellds ouivsrssda dürfte überhaupt kein solcher Verein existiren.

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