Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1866)
- Date
- 1866-01-24
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447250--04025-2459457- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
72 eine jüdische Verwaltung, die ihren Einfluß und ihren Schutz über diese zerstreuten Glaubensgenossen auSbreiten könnte,, sein würde. Der Häuptmann Gaffelin, Chef des arabischen Bureaus, hatte die Güte, mir folgende Notizen zu verschaffen: „Die Juden einiger Theile von Soulan haben eine durchstochene Unterlippe, um einen kleinen Ring vom Horne des RhinoceroS hinein zu befestigen. Unter Tumbuktu, Soliba und Djemie gibt es jüdische Neger; die jüdischen Neger haben einen helleren Teint und eine weniger plattgedrückte Nase als die übrigen. Unter dem Stamme Scheich-el-Arab befinden sich drei oder vier solcher Neger. Die Juden von Soudan haben sich eine höhere Intelligenz als die übrigen Racen erhalten. Wenn von Industrie hier die Rede sein kann, so ist es nur unter den Israeliten. Sie sind es, die den Goldstaub herbei schaffen, der von den maurischen Kaufleuten im Inneren eingetauscht wird. Der Austausch findet auf der Grenze der Negerländer folgendermaßen statt: Die Mauren legen Stücke Glas, Spezereiwaaren, Salz und Kurzwaaren symmetrisch hin und entfernen sich. Darauf kommen die Neger, nähern sich immer mehr und lassen, wenn ihnen der Handel zusagt, an den Seiten eines jeden Stückes ein kleines Päckchen mit Goldstaub (^eksr) zurück; die Mauren kommen nun wieder und nehmen, wenn es ihnen genügt, das Gold weg; im verneinenden Falle ziehen sie einen Theil der Waare zurück und stellen ihn in den Hintergrund; die Neger kommen nun von selbst wieder, und so geht dieses fort bis man sich endlich einigt. Große Redlichkeit herrscht in diesem Tauschhandel. Warum die nähere Communication untersagt ist, weiß ich nicht anzugeben. — Unabhängig von den jüdischen Familien zu Tuggourt, Suf und Temacin, findet man einen beträchtlichen Stamm, der nach den Ansichten der Gelehrten und den Traditionen der Eingeborenen von einer jüdischen Familie, die von Beladal-Djeired stammt und ihren Glauben mit dem Islam vertauscht hat, abstammen soll. Dieser Stamm besteht aus 300 Familien, nennt sich Mehedjeria und bildet den größten Theil der Ouad Rig, wo er ein hohes Ansehen genießt, nachdem er die Rauaga beseitigt hat. Zu Tuggourt und unter den benachbarten Stämmen gibt es jüdische Handwerker und andere Juden, die eine Art Palmwein bereiten, der sehr beliebt ist. Bei den Oudena in der Sahara wohnt eine beträchtliche Fraction, die aus 100 Zelten besteht; diesen Stamm nennt man Moualed: derselbe wohnte früher zu Tolma an dem südlichen Abhange des Dejebel - el - Sultan. Diese Leute waren zuerst Juden, wurden später Christen und zuletzt Muselmänner; sie sind sehr gute Reiter; sie haben heute noch den jüdischen TypuS; einige von ihnen befinden sich zu Constantine." Diese Notizm bedürfen jedenfalls zuerst einer Bestätigung; das steht jedoch fest, daß die Tradition der Einwohner von Juden, die im Innern wohnen, spricht Ich wollte Algier nicht verlassen, ohne vorher Tunis, die bedeutendste Gemeinde in ganz Afrika, besucht zu haben. Da ich in Paris mit Angehörigen des Hofes des Bey Achmet, seit derselbe in Frankreich war, in Verbindung stand (besonders mit dessen Leibarzt, dem Doctor Latubroso), begab ich mich nach Tunis. (Fortsetzung folgt.) England. London. Das „Jewish Chronicle" veröffentlicht eine Liste zur Errichtung eines Asyls für taubstumme Kinder jüdischer Confession. Sicherlich hat die große Metropole Britaniens eine solche Anstalt, in die wohl auch jüdische Kinder ausgenommen würden, und, wie dieses in England häufig vorkommt, würden dieselben auch rituell verköstigt werden; doch ist dieses bei der grasstrenden Proselytenmacherei der hochkirchlichen Geistlichkeit höchst gefährlich. Die erste Spendenliste ergab schon die Summe von 11,000 fl. Wiederum ein deutlicher Beweis für den religiösen und wohlthätigen Sinn der „Londoner Juden". Asien. In der Nähe von TripltS in Syrien, in Nadir- Sorape haben die HH. Farwooth und Pizzicani bei ihren Nachgrabungen ein jüdisches Haus aus der Zeit von etwa 200 Jahren vor der gewöhnt. Zeitr. in vollkommen erhaltenem Zustande entdeckt. Die Gerätschaften, die sich in ihm vorfanden, sind dieselben, wie sie in Aegypten gefunden wurden, aber das Interessante bei diesem Funde ist, daß man auch Bücher fand, und zwar die fünf Bücher Moses, die Psalmen Davids und eine Sammlung von bisher unbekannten hebräischen Dichtungen der berühmtesten und gelehrtesten Juden. Alle diese Bücher wurden an die asiatische Gesellschaft nach London eingesendet. Feuilleton. Der Tanz zum Tsde. Eine wahre Geschichte nach den handschriftlichen Mittheilungen eines Zeitgenossen erzählt von L. I. Der erblindete Greis. ES war an einem schönen Sommerabende deK Jahres 1340, als sich eine beträchtliche Menschon-