Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1866)
- Date
- 1866-01-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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70 O'iwb, die Schlüchtern -besitzt, -die Rede war, erwäÄrt. Es dürfte rvimeW für viele Leser des „Jsraeüt" nicht uninteressant sein, über das Leben dieses höchst merkwürdigen Mannes Einiges zu erfahren. In seiner Jugend besuchte Herr Selig die frühere iiI'w' -zu Gelnhausen, machte später fein Lehrer-Examen zu Hanau und bekleidete dann mehrere Stellen im Darmstädtischen und auch in hiesiger Provinz. Seine letzte öffentliche Stelle war zu Salmünster, die er zum größten Leidwesen seiner Gemeinde aufgeben mußte. Durch einen unglücklichen Fall zog er sich ein Leiden an eurem Beine zu, das ihn Jahre lang an's Bett fesselte. Dieser Umstand verschlimmerte sich immer mehr, bis Herr S. im Jahre 1858, schon dem Tode nahe, das kranke Bein amputiren ließ. Trotz vieler Versuche ist es dem wackeren Manne bis jetzt unmöglich, das noch übriggebliebene Bein zum Gehen zu benutzen. So sitzt, nun Herr Selig, der sich noch in den besten Jahren befindet, auf einem Wägelchen, auf dem er sich selbst von einem Orte zum andern fahren kann. Trotz dieser Unfähigkeit, sich nur von der Stelle zu bewegen, führt wohl selten Jemand ein thätigereS Leben als er. Nicht allein studirt er sehr fleißig für sich sowohl als auch gemeinschaftlich mit dem ehrwürdigen Herrn Rabbiner Schwarzschild der ihn zu diesem Zwecke häufig besucht, sondern es schaart derselbe beständig eine Anzahl auswärtiger Schüler um sich, die er mit großem Erfolge unterrichtet. So sind mir viele junge Lehrer bekannt, die sich ihre Heranbildung unter der Leitung dieses tüchtigen Pädagogen erwarben, und die sich neben ihrer gründlichen Kenntniß des Hebräischen—nebenbei gesagt, eine nicht zu häufige Erscheinung unter unseren kurhessischen Lehrern durch Gesmnungstüchtigkeit besonders auszeichnen. Herr Selig unterrichtet auch außer diesen noch einige junge Leute aus hiesiger Stadt , die sich des Abends ihren Geschäften auf einige Stunden entreißen, um dem Studium der Thora obzuliegen. Auf diese Weise und unter fortwährender Beschäftigung wirkt dieser leider an die Stelle gebundene Maun nach besten Kräften für unsere heil. Religion. Ein seltenes Gottvertrauen und eine wahrhaft bewunderungswürdige Ergebung in sein Schicksal, wie es nur dem wahrhaft frommen Manne möglich ist, erhält ihn stets bei guter Laune, so daß er seiner Umgebung Niemals lästig wird. Wer mit den Verhältnissen KurhessenS bekannt ist, weiß nur zu gut, wie groß.derMangel an Lehrern in unserem Lande ist. Das Seminar zü-Kassel, das höchstens 12 Zöglinge zählt, wird ausschließlich von Niederhessen besucht. Von den Angehörigen dieser Provinz werden nämlich nur eine - beschränkte Anzahl unentgettlich ausgenommen. Die Einrichtung dies-- JnstituS ist durchaus nicht geeignet, JeÄiändsn,der seinen Sohy dernLehrsache widmet und Mtmögen besitzt^WstHn l^ftdnmen, , Anstalt «izuyertrauen. Weim auch dieZöglinge Lememfchaftlich essen lllld zusamMen logiren, so sind dieselben dennoch^ dabei ohne Aufsicht. Die Gefahren, ^Lie unter'diesen Umständen, unerfahrenen jungen Menschen fneiyer größeren Stadt erwachse», sind vtzhtz «r verkennen. Uebrigens ist an dieser Anstalt noch so Manches auszusetzen, das därzulegen ich jedoch einer kompetenteren Feder überlassen will. Obschon sich das Unterrichtswesen au dieser Anstalt in den letzten Jahren um Vieles gebessert hat, so ist es doch bezeichnend genug, wenn gerade der .Unterricht im HebÄischen, mit Ausnahme von hebräischer Sprache vielleicht auch Religion, d. h. die Kenntniß und Erklärung- Büdinger'schen Religionsbuches, nicht obligatorisch ist. Wohl muß jeder Seminarist an dem Unterricht« chettnehmsu, doch ist l-es gerade das Hebräische, das nicht wiederholt zu werden braucht und für das keine häuslichen Aufgaben gegeben werden. Es gehen daher Viele aus Kurhessen in das Seminar nach Hannover oder neuerdings nach Karlsruhe in das Plato'sche Seminar. Jedoch gehören dazu schon ziemliche Mittel. Unbemittelten bleibt nichts übrig, als sich irgendwo in kleineren Städten die nöthigen Kenntnisse anzueignen. Gerade solchen ist Schlüchtern ein geeigneter Platz!, der denselben zugleich die Vortheile einer größeren Stadt bietet, da man dort sich auch die Kenntniß der neueren Sprachen leicht aneiguen kann. Möchten unsere Glaubensgenossen zu Schlüchtern Herrn Selig in seinem Streben für Gott und unsere heilige Religion thätig zur Seite stehen, indem sie ihn in den Stand setzen, seine Schülerzahl, durch Unterstützung derselben, zu vermehren, was ihnen nicht schwer fallen dürste, da fast alle Gemeindemitglieder G. s. D. wohlhabend sind. — Heoref. Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Gisenstadt wirb dem „Mewasser" unter Anderem Folgendes geschrieben: Einen nicht unbedeutenden Rang unter den echt-jüdischen Gemeinden Ungarns nimmt Eisenstadt cm. Mit dem großen Rechte gebührt ihr diese Stellung, denn sie hat an ihrer Spitze den weltberühmten Rabbinen vr. EsriLl Hildesheimer. Die Leser des -Mewafser" kennen gewiß sammt und sonders das segensreiche'-Wirken dieses Mannes. Sein Halls ist der Aufenthaltsort und SWnürelplatz wißbegieriger Jünglinge, deren Z-Hl sich täglich mehrt. ' So besteht unter Andereni ein Verein, n-chii - vdessen Gründung knd Bestchen dem ebMhnten -Rabbinen znzuschreioenl ist. Mit den Coryphäen unserer Zeit steht derselbe sitt- WttWöndenz;- alles Dieses kdinmt den Mvi^üden M Gute. MäM Mnß den llnermüdkchell NHl, btt zäheWstzmer ^«n8 -die anhrlHAost «dbWwÄs^ MeS GelSMn