Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1866)
- Date
- 1866-01-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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stimmig dagegen dich ausgesprochen haben. — Von der chatenlosen Oberkirchenbehörde erwarten die Juden künstlet Fortschritt, sondern baldigen Abtritt. (Beobachter.) ByM württerrrbergischeu Douaukreis. Mt Wohlgefallen hat man bei uns öas Lob gelesen, welches in Nr. 2 d. Bl. der Gemeinde Laupheim, ihren Instituten und Lehrern gespendet worden ist, weil diese unter der Jugend 7>-»ri -nc>!?n verbreiten. Insbesondere wäre dieses Bestreben willkommen zu heißen, wenn es sich der Aegide des Herrn Bezirksrabbiners Wälder zu erfreuen haben sollte, weil wir dany hoffen dürfen, daß sich seine religiöse Wirksamkeit nicht auf die alte Landgemeinde Laupheim, wo er seinen Amtssitz hat, beschränken, sondern daß er auch nun vorzugsweise der Stadtgemeinde Ulm, welche seinem Bezirke angehtzrt, gleiche Fürsorge zuwenden werde, um wenigstens die ersten Elemente einer jüdischen Religionsgemeinde in's Leben zu rufen, Wie aus früheren Berichten im „Israelit" erhellet, fehlt eS in dieser Gemeinde, obgleich sie 70- 80 nur vermögliche und reiche Mitglieder zählt, an einer rituellen wpv, arremer würdigen Synagoge, an einem regelmäßigen Gottesdienste, an einer ordentlichen Religionsschule, an der Aufsicht über die.-iv'NL-; der Gottesdienst wird in einem gemietheten Locale abgehalten nvn — er ist nicht bloß an den Werketagen ganz und gar eingestellt, sondern selbst an Sabbaten muß das dazu fast immer zufammengebettelt werden und besteht selten aus zehn verheiratheten Männern. In der Religionsschule wo die Knaben ohne Kopfbedeckung Hebräisch lernen, steht der Vorsänger hilflos und ohne Unterstützung von Seite des Rabbinats und des Vorsteheramtcs, wenn die liebe Schuljugend, welche alle mögliche weltliche Anstalten besucht, die Religionsschule versäumt und gegen die Zucht des jüdischen Lehrers unanständig und widerspenstig sich benimmt. Die Gemahlin des l2Nip betreibt ein auch am Sabbat offenes Putzgeschäft. Wenn wir auch annehmen mögen, daß hier irw« rmv nicht stattfindet, so muß ein solches Beispiel doch öffentliches Aergerniß erregen und yzit Recht Verdacht gegen die nv'NV selbst erwecken« Sie sehen, meine Leser, daß es in der deutschen Bundessestung Ulm für den in Laupheim, „verdienstvollen" Herrn Rabbiner Wälder noch manches Verdienst zu erwerben gäbe, wenn er solchen Zuständen mir Erfolg entgegenwirken würde. Dieses Ziel wird er aber nicht erreichen, wenn er allmonatlich eine „gesetzlich vorgeschriebene" Predigt in der Synagoge Ulm's abhält, auch wenn die Bänke nicht erschreckend 69 leer stünden, sondern — doch wir überlaffen es diesem erfahrenen Geistlichen in der fast größten Gemeinde Württembergs vertrauensvoll, die Wege und Mittel zu finden, daß Ulm's religiöse Zustände sich bessern, die Lethargie weiche und der Kontrast sich hebe, welcher nach dem Eingangs erwähnten Berichte zwischen der Mutter- und Tochtergemeinde existirt und endlich in Erfüllung gehe: wv »rip-m Ntt N1PV.1 .1V;.1 .-npv , : n« -».IVO s« , Bon der Tauber. In einem württemberbergischen Städtchen am Borbach logirte unlängst ein Doktor, der zugleich Rabbiner ist, bei einem orthodoxen Israeliten, der wie sein frommer Vater, stets die Ehre haben will, daß der Rabbiner bei ihm unentgeltlich über Sabbat n-Mv, kLOi snvwi .ivv finde, wenn er im Turnus kömmt, um, wie die Württemberger Verordnung sich ausdrückt, den Gottesdienst zu leiten, d. h. eine Predigt zu halten. Nachdem auch dieser Geistliche der Einladung gefolgt und sich an der ersten der heiligen nnipv ovo gütlich gethan hatte, verließ der Gast die Familie und besuchte aM weihevollen Freitagabend ein nahes christliches Wirthshaus, um sich wie gewöhnlich den starken 1865er schmecken zu lasten, dessen Geister selbst diesen „Schaßkenner" bald besiegten und zu Expectorationen zwangen, unwürdig derer, die er am folgenden Morgen der Gemeinde von der Kanzel aus verkündigen sollte. In der Geisterstunde pochte er endlich an die Wohnung seines Hauswirthes, der sich aber nimmer aus seiner Nacht- und Sabbatruhe stören ließ, und somit den Rabbi zwang, in's Gasthaus zurückzukehren. Als er endlich den Sabbatmorgen von da aus zur Synagoge kam, um seine Functionen zu versehen, verließ die ganze Gemeinde, die inzwischen den Gottesdienst beendet hatte und weitere Herzensergießungen nicht anhören mochte, das Gotteshaus. Etliche Bürger legten am folgenden Sonntage ihre Beschwerde gegen das Benehmen des Reformrabbiners in einem Protocolle bei dem israelitischen Kirchenvorsteheramte nieder, das den Vorfall an die Dienstbehörde berichten wird Wir wollen sehen, wie die Oberkirchenbehörde diesen Exceß beurtheilt und hoffen strenge Maßregeln. Paßt dieser Schatten zu dem Bilde, das Ihr Blatt jüngst bei Beantwortung der Frage entwarf : „Was ist ein Reformrabbiner?! Hierz« zwei Vellage«. Verantwortliche Redaction: Dl. Lehman«. — Vertag der Le Rouraschen Hofdnchhandlung. — Dampf«Schnellpreflttrdruck von Z. Sottsleben in Mainz.