Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1866)
- Date
- 1866-01-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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H»itze der Lehrerbildungsanstalt eines Landesteht. And disstr Ewsiüß des DirectoriumS wird um so tiefetr Wirrtet MäM / st länger die Dauer seiner Wit-fanikeit ist. JN^der Hesetzung eines solches einflußreichen Amtes liegt dürßm mehr, als in der irgend eineanderen Me Kundgebung des Staats- und RogirrüNgsprckLips; Und die öffentliche Aufmerksamkeit Wendet sich mit Recht denjenigen Männern zu, in deren Hände ein solch wichtiges Amt gelegt ist. Prf. Stern hat eins lange Reihe von Jahren dieser Anstatt seine Thätigkeit mit der gewissenhaftesten Sorgfalt (wenn wir uns recht erinnern, seit dem Jahre 1828) gewidmet. Als Schüler Pestalozzi's Kat er das frühere System des mechanischen Auswendiglernens allmählich aus den Schulen zu entfernen gewußt, indem er , der BnschMUngsmethooe, nach welcher vor Allem richtige Auffassung und richtiges Verständnis erzielt werden müssen, ehe der Unterrichtsstoff dem Gedächtniß eingeprägt werden und sonach, belebend und fruchtbringend Wirken kann, die Bahn eröffnet?. Wir erinnern an seine Lautirrnethode, an seine verschiedenen Sprachbüchev, deren Stoff dem Anschauungskreise der Kinder, für die sie bestimmt sind, entnommen, geistig anregen. Wärt sie die ihnen naheliegendest und ihrer Fassungskraft angemessenen Dinge aus dem Gebiete der sie umgebenden Natur und Welt ihrem Geiste vorsühren. Dabei ist jener Fehler der Lückenhaftigkeit des nicht stusenMäßigen Fortschreilrns vom Leichteren zum Schwereren) in den viele Autoren pädagogischer Werke verfielen, weist vermieden. Seme Schriften sind die Ergebnisse seiner praktischen Thätigkeit und der dabei gemachten Erfahrungen. Indem Stern auf. diese Weise, sowöbl durch eigene Lehrtätigkeit, als auch durch lehrreich- Schriften, für die Verbreitung einer geistbildenden Methode in hockst erfolgreicher Weise wirkte, und sich mm die Verbesserung des badischen Volksschulunterrichtes aneikenmingswerthe Verdienste erwarb, sonnen wir seiner Wirksamkeit, was die conscffwnell retigiö'en Anschauungen betrifft, nicht die gleiche Arrerksmung zollen-. Wir gehören nicht zu Denen, die aus dem Unterrichtsmaterial der weltlichen Ährgegenstände den religiösen Charakter ganz und gar entfernt haben wollen/ auch nicht zu denen, denen die Sittenlehre der Inbegriffe aller Religion ist, jedoch muß in gemischten Lehranstalten alles Das vermieden werden, was den einen oder den änderen CänftffisnStheil verletzen kann. Professor Stetst ist ein Mann — wir glauben darin nicht zu irrest — der eine feste religiöse Ueberzeugung besitzt. Em Mann, dem ein solcher Posten anvertraut, der namentlichdazu berufen ist , die religiöse Ueberzeüguvg zu erwecken und zu befestigen, muß natürlich sMst eme aufrichtige religiöse Ueberzeugung haben, wenstt stin Wirke« Hcht' ist Heuchelei au-strten svlk. Häk stdsch ist seiner LHtthätigkÄ dazu Mähren, was den verschiedenen Corffeffionen als das Höchste und HMtgste gilt. Wo sollte der sittliche Ernst , mit dem oaffewst behandelt werden Muß, herrilhtenwenn er nicht auf dem Boden des positiven Glaubens erwächst? Doch hier tritt uns eine Schattenseite von Prf. Sterns Wirksamkeit entgegen, die wir bei aller Verehrung, die wir sonst für ihn hegen, als höchst tadeknswerth bezeichnen müssen. Prf. Stern hat sich von seinem Eifer, für die Verbreitung des Dogmaseiner Kirche zu wirken, von dessen Wahrheit er überzeugt sein mag, oft zu unfreundlicher Gesinnung gegen diejenigen seiner Zöglinge hiüreißen lassen, die nach anderen Principien erzogen, seine Anschauungsweise nicht zu theilen vermochten. Statt des schönen Spruche-eingedenk zu sein: „Was der Glaube trennt, muß die Liebe vereinen," hat er gerade die Glaubensunterschiede der verschiedenen Confeffioneu oft in intoleranter Weise zu Tage treten lassen. Wer von den israelitischen Lehrern Badens, der ehemals zu seinen Zöglingen zählte, erinnert sich nicht, wie er im Seminar, dieser Pflanzstätte humaner Gesinnungen, in früheren Jahren — ob auch noch in späteren, ist uns nicht bekannt — ein Ghetto gebildet, indem er die israelitischen Zöglinge von den christlichen gänzlich isolirts und ihnen eine besondere Bank anwies? Wer erinnert sich nicht an verfängliche religiöse Fragen, die an diese unerfahrenen israelitischen Jünglinge gelegentlich gerichtet wurden, auf die sie nicht immer das Geeignete zu erwidern vermochten und die — wenn auch der eigentliche Zweck dadurch nicht immer erreicht wurde — doch Zwiespalt im Innern und Zweifel in Sachen des eigenen Glaubens zu erregen vermochten? Die öffentlich vorgetragene Lehre: die Bibellehre, daß die Versöhnung des Israeliten nicht anders, als durch das Blut der Opferthjere erreicht werden könne, und daß darum mit dem Aufhören des Opferkultus der Jsraelite jeder Versöhnung entbehre, weßhalb auch ein gläubiger Jude, im Bewußtsein der Entbehrung dieser Versöhnung mit Angst und Bangen der letzten Stunde entgegensetzen müsse, mußte einerseits das Judenthum und die jüdischen Zöglinge in den Augen ihrer christlichen Mitschüler herabwütoigen und konnte andererseits durch die Hinzufügung, daß die Versöhnung des Menschen jetzt nur durch den Glauben an den erlangt werden könne, der sein Blut für da- Hetl der Menschheit hingegeben, die jüdischen Zöglings in ihrem Glauben irre machen. Es wird dieses Wenige genügen, daMthun, daß so trefflich auch Prf. SternsMirken für da- Christenthujtt sein möchte, sein Verhalten den israelitischen Zöglingen gegenüber manchenTädel znWt, was denselben den Aufenthalt im Seminar nfftunter verbittern rmrßtk. Hoffen wir, daß der Neu angestellte Direktor deß evavgel. Schulseminarzu Karlsruhe, eingedenk döst