Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1866)
- Date
- 1866-01-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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53 zu ihrem Sohne: „Mein lieber Sohn, folge mir und nimm die wenn auch kleine Summe Geldes, die Dein Vater hinterlassen, und verwende sie zur Führung irgend eines Geschäftes, das eine Aussicht bietet, uns redlich zu ernähren. O wie gern möchte ich, bevor ich sterbe, Dich noch sehen, ein braves Weib heimführen und Dein eignes Haus gründen. Das Glück möchte ich noch erleben!" — Saul war ein guter Sohn, dem der Eltern Wille über Alles ging. Er nahm also das Geld und ging damit in die Ferne, um in der Fremde Maaren einzukausen und diese in der Heimath mit möglichem Vortheil wieder abzusetzen. Da sah er aber zu seinem Leidwesen, wie die Menschen meistens so unredlich im Handel sind und durch die Sucht nach Gewinn sich oft sogar zu falschen Schwüren verleiten lassen, und kehrte um und zog wieder nach Haus. — „Wo sind die Waaren, die Du eingekauft?" — fragte ihn die Mutter, nachdem sie ihn herzlich bewillkommt. — „Ich mag nicht Handel treiben, liebe Mutter," antwortete Saul, „das Uebervortheilen, Lügen und Betrügen, das ich gesehen, hat mir alle Lust dazu benommen. Ich will mich wieder, wie früher, dem Studium der Weisheit und der Gotteslehre hingeben; das ist wohl das beste Geschäft, dem ick mich widmen kann." — „Du bist mein einziges Kind," sagte die gute Mutter, „thue, mein Sohn, wie Du begehrst." — So nahm denn der Sohn abermals Abschied von seiner Mutter und zog in die Ferne, um Ort und Gelegenheit aufzusuchen, sein Vorhaben auszuführen. Da sah er auf dem Wege, den er nahm, auf dem Felde einen alten Mann ackern. Der Alte sah gar ehrwürdig aus und hatte vor sich auf dem Pfluge ein Buch liegen. Saul ging auf denselben zu, grüßte ihn und sprach: „Gott sei mit Dir!" — „Gott segne Dich!" erwiederte freundlich der Alte.— Der Alte war aber Niemand anders als der Prophet- Eliah, der Rathgeber, Beistand und Retter guter Menschen in der Noth, was freilich Saul nicht wußte. — „Ackerst Du für Dich selbst?" — srug Saul den Alten. — „Nicht so ganz," erwiederte der Alte; „ich pflüge und säe wohl, um die Meinen zu ernähren; einen großen Theil des Ertrages aber gebe ich den Armen und Dürftigen und selbst den Vögeln des Himmels und den Thieren der Erde." - Da sprach der junge Mann: „So möchte ich auch arbeiten." — „Wohin willst Du?" frug ihn nun der Alte, „und was suchst Du? gern möchte ich Dir behülflich sein." — „Ich habe mich dem Studium der Weisheit und der Gotteslehre gewidmet," erwiederte Saul, „und Gott hat mein Bemühen bisher sichtbar gesegnet; indeß wünschte ich mich in der Kunde des göttlichen Gesetzes immer mehr zu vervollkommnen. Dann möchte ich auch bald ein braves Weib heimführen, damit meine gute Mutter, die schon sehr alt ist, noch die Freude hat, mich ein eignes Haus gründen zu sehen. —" „Wohlan," sagte der Alte, „zwei vorzügliche Jungfrauen leben, die mehr als andere verdienen, ein Biederweib genannt zu werden; die eine wohnt im Osten, die andere im Westen; beide mit Namen Hanna; beide brav und fromm und begütert; beide frei, um über sich selbst schalten zu können; die Hanna im Westen, mein Sohn, ist für Dich bestimmt. — Sie lebt drei Tagereisen von hier entfernt, doch werde ich Dich begleiten und bald dahin bringen. —" So wunderbar dieses Alles dem jungen Mann vorkam, er hatte dennoch unbedingtes Vertrauen zu dem Alten gefaßt und versprach, ihm zu folgen. Sie machten sich alsbald auf den Weg und gelangten, auf fast wunderbare Weise, noch ehe der dritte Tag kam an den Ort, wo Hanna lebte. Der Alte ließ Saul vor dem Hause und ging voraus zu Hanna und sprach: „Hanna, meine Tochter, ich habe Dir einen Bräutigam mitgebracht." — Aber Hanna, obschon ihr der Alte nicht unbekannt zu sein schien, erwiederte: „Wie soll ich einen Mann nehmen, den ich nicht kenne?" — Doch der Alte sprach, daß es Gott also gefügt, und er redete Hanna so lange zu, daß sie endlich einwilligte. Er führte ihr den jungen Mann zu, und bald, nachdem die Verlobung stattgefunden, fand auf Veranlassung des Alten auch die Hochzeit Statt. Nur kurze Zeit noch verweilte der Alte bei den Neuvermählten, dann nahm er Abschied und zog von dannen. Doch schon am letzten Tag der Hochzeitwoche kam der Alte wieder. Da sah er, wie Saul den ganzen Tag mit seinem jungen Weibe in Lust und Scherz verbrachte und sich um die Erforschung der Weisheit und Gotteslehre gar wenig kümmerte. — Der Alte sah dem den ganzen Tage zu, dann sprach er zudem jungen Manne: „Saul, bereits hast Du sieben volle Tage in Lust und Scher; dahingehen lassen, ohne auch nur einmal an den Beruf Deines Lebens zu denken, deshalb wirst Du sieben Jahre als Sklave dienen müssen, für die sieben Tage der Hochzeitwoche, in denen Du Deiner nicht Herr werden konntest." — Hierauf entfernte sich der Alte. — Saul eilte ihm nach, konnte ihn aber nicht mehr erreichen. — Traurig und niedergeschlagen schlich nun Saul im Hause umher, und bange Seufzer entwichen feiner bedrängten Brust. Da sprach sein junges Weib zu ihm: „Saul, warum gehst Du so kummervoll umher und ist alle Freude von Dir gewichen? — An Geld und Gut kann eS Dir nicht fehlen, das besitzest Du nun in reichlicher Fülle. — Findest Du keinen Gefallen mehr an mir? — Oder sehnst Du Dich etwa nach Deiner Mutter und deinen Freunden?"