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Der Israelit · 1866-01-17 · Heft 3 (17.1.1866) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 3 (17.1.1866)
Date
1866-01-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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54 „Wohl, rnem liebes Weib/ erwiederte Saul, ^Möchte ich meine alte Mutter wieder einmal sehen." „So laß uns dahinziehen/ antwortete Hanna. Sie packten also Alles zusammen, was sie mitzunehmen gedachten, beluden ihre Esel damit und zogen fammt Knechten und Mägden nach dem Heimathlande Sauls. Auf ihrem Wege kamen sie in die Nähe eines Flusses. „Wir wollen hier ein wenig ausruhen," sagte Hanno, „und unser Mittagsmahl verzehren; wir sind heute schon eine ziemliche Strecke Wegs gegangen, und ich bin müde." — „Gut," sagte Saul, „doch will ich zuvor an den Fluß gehen, um den Staub der Füße abzuwaschen." — Als er aber kaum an den Fluß gekommen war, erschien ihm der Alte plötzlich, und ehe Saul sich von seiner Ueberraschung erholt hatte, ergriff ihn derselbe und führte ihn unwiderstehlich nach einem Schiffe, das in der Nähe am Ufer lag, und übergab ihn dort dem Herrn des Schiffes. — Umsonst wartete die arme Frau lange auf die Rückkunft ihres Mannes, sie stand auf, lief umher, schrie und rang die Hände; kein Mensch ließ sich sehen noch hören. „Gott! was beginnen?" rief sie, „ein verlassenes Weib, in einem fremden Lande!" — Doch allmählich faßte sie sich wieder und sprach: „Der gute Gott wird sich meiner erbarmen und mir beistehen. Ich will und muß hier bleiben. Hier, wo ich meinen Mann so wunderbar verloren, wird mich Gott ihn wieder finden lassen." — Und beruhigt und gestärkt durch diesen Gedanken sprach sie zu ihren Knechten und Mägden: „Wir wollen uns hier anbauen und das wilde Land urbar machen. Wir haben ja herrlichen Weizen mitgeführt, den wollen wir hier säen, der Boden ist gut, und Gott wird unser Vertrauen belohnen und der Arbeit unserer Hände Gedeihen geben. Ach, schon sehe ich die Leute aus der Ferne herbeisirömen und uns unfern Ueberfluß abkaufen." — Und so thaten sie, und Gottes Segen ruhte sichtbar auf Allem, was Hanna unternahm, so daß die anfangs so unscheinbaren Hüttchen sich schon in einigen Jahren zu einem ansehnlichen Dörfchen gestalteten, dessen Ruf selbst in die Ferne drang. — Saul war indessen nach einer fernen Stadt jenseits des Flusses gebracht und dort als Sklave verkauft worden. Zu seinem Glücke fand er einen gütigen Herrn, der ihn, als er seinen Fleiß und seine Treue gewahrte, gütig behandelte. So waren bereits fünf Jahre vergangen. Da brach in dem Lande, in welchem Saul als Sklave sich befand, eine Hungersnoth aus; in dem Landstriche aber, in welchem Hanna wohnte, war Alles wohlgerathen und herrschte Ueberfiuß, so daß viele Leute über den Fluß kamen, um Getreide einzukaufen, um so mehr, als man hörte, daß hier eine reiche Gutsbesitzerin wohne, welche die Noth, die in der Fremde herrsche, sich nicht zu Nutzen machen wolle, sondern den Ueberfluß, womit sie Gott gesegnet, billig abgebe. — Auch der Herr Sauls beschloß, zum Einkauf jenseits des Flusses zu reisen; er that so und nahm seinen Sklaven mit. Als sie nun vor Hanna kamen, da erkannte sie sogleich in dem Sklaven ihren Mann, er aber erkannte sie nicht. Sie faßte sich indessen und sagte nichts. Nachdem der Herr ihr einiges Getreide abgekauft hatte, frug sie denselben, ob er ihr nicht seinen Sklaven überlassen wolle. „Ich bedarf," sagte sie, „gerade eines tüchtigen Sklaven und würde ihn gut bezahlen." — „Nicht gern," antwortete der Herr, „er ist still und bescheiden, fleißig, willig, treu, brav und mir lieb." Da wandte sich Hanna an den Sklaven selbst und frug ihn, wie er heiße, und wie so er in die Sklaverei gerathen sei. „Mein Name ist Saul," antwortete dieser traurig und gesenkten Blickes. „Ich hatte ein geliebtes Weib mit Namen Hanna; aber durch den unerforschlichen Willen Gottes wurde ich einst, als wir uns auf einer Reise befanden, und da ich mich nur eine kurze Strecke von ihr entfernt hatte, überfallen, dahingeschleppt und in die Sklaverei verkauft. Wohin meine gute Hanna gekommen, wie es ihr geht, ob sie noch am Leben ist, ob ich sie je Wiedersehen werde, Das weiß ich nicht." Als Hanna dieses hörte, konnte sie sich nicht länger zurückhalten, und sie rief unter Freudenthränen: „Saul, mein Saul, kennst Du Dein Weib nicht mehr? Wohl habe ich lange auf Dich gewartet, wohl wäre ich fast verzweifelt, als Du nicht wiederkamst; aber der gute Gott, der Niemanden verläßt, hat mich in Schutz genommen und vor allem Bösen bewahrt, hat mein Thun mit Segen überhäuft, und jetzt ist ja Alles wieder gut. Mein Saul, ich bin reich, und ich werde Deinem Herrn geben, welchen Preis er auch fordere, und gern wird er Dich Deinem Weibe überlassen."— „Nicht so, mein gutes und treues Weib," erwiederte Saul, wenn auch nicht mit trauriger, doch mit wehmüthiger Stimme. „So sehr ich dem guten Gott danke, Dich wieder gefunden zu haben, so darf ich doch noch nicht bei Dir bleiben. Wisse, meine Hanna, daß ich sieben volle Jahre als Sklave dienen muß." — Und er erzählte ihr, wie und warum der Alte ihm dieses strafend verkündet habe, und daß eben der Alte selbst ihn auf sieben Jahre verkauft. „Fünf Jahre," sagte er, „sind bereits verflossen, noch zwei Jahre habe ich zu dienen. Darum lebe wohl! Ich hoffe zu Gott, wenn ich mein Vergehen abgebüßt habe, Dich wieder zu sehen." — Da umarmte und küßte Hanna ihren Mann und sprach voll Vertrauen zu Gott und selbst ohne Thränen zu vergießen: „So gehe mit Gott, mein Saul, wir werden uns Wiedersehen.." — Und ihr Vertrauen ward nicht getäuscht. Nachdem Saul noch zwei Jahre Sklave gewesen, zeigte sich ihm der Alte wieder und brachte ihn wohlbehalten zu

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