Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1866)
- Date
- 1866-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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segensreichen Einflusses auf die Erziehung des rrach- «achsenden Geschlechtes erblicken laßt. Ihnen gegenüber bieten die alten Familien ein edles vielseitige- Bild. Ehrwürdig und imposant in ihrer Erscheinung, nöthrge» sie dem objektiven Beobachter Interesse ab, da sie mitten im Wogendrange des schwelleichen und tobenden Stromes der Begebenheiten, mitten im Kampfe um Selbsterhaltung mit warmer Begeisterung für das Palladium der Familie, für die Erziehung der frisch auskeimenden Jugend, die all' ihre Hoffnungen und ihre Zukunft in sich schloß, kämpften. Selbst als die alte patriarchalische Sitte, die den Jugendunterricht, der doch ausschließlich religiöser Natur war, innerhalb der Familie fixirte und ihn zu einem integrirenden Theile des täglichen häuslichen Cultus erhob verschwunden war und öffentliche Anstalten für Jugendbelehrung emporblühten, als so der Unterricht aus dem engeren häuslichen Gebiete in'L Reich der Oeffentlichkeir trat: selbst da verlor die Familie ihre erziehende Macht nicht; ja sie stieg mit dem Verfall der öffentlichen Lehranstalten. Erst in der Neuzeit, in der der großartige, erschütternde Jdeenumschwung den heiligen Streit für Bildung und Freiheit aus dem Schooße der Familie auf den Markt der Oeffentlichkeit hinausgedrängt, die Familiensitte und das Familienleben geschwächt und gleichsam auseinandergesprengt, wo sich bei dem erschütterten Familienverhältniß die Schule der Jugend fast vollständig bemächtigt und sie von der Familie losgerissen, hat auch die jüdische Schule ihren erziehenden Einfluß aufgegeben und sich dadurch von den historischen Traditionen losgelöst. Seit mehreren Decennien haben die meisten jüdischen Familien jedes erziehliche Element aus ihren Häusern, aus ihrem Leben verbannt und sich somit jeden Einflusses auf die Erziehung ihrer Kinder begeben. Allerdings nehmen bei der fortschreitenden Ueberfeinerung unserer Culturzustände die erhöhten materiellen und socialen Bedürfnisse und Bestrebungen uns so in Anspruch, daß selbst die besten und ^gewissenhaftesten Eltern einer sorgfältigen Beobachtung und Behandlung ihrer Kinder, der fast nur noch durch die Sage bekannten Hauspädagogik, nur sehr wenig Zeit widmen können." . Zum Schlüsse meint der Verfasser der häuslichen Erziehung durch den von ihm gemachten Vorschlag ihren alten gewichtigen Einfluß zuruckgewinnen zu können — wir jedoch zweifeln an dem Erfolge. Große Dinge werden nicht durch kleine, unzulängliche Mittel beschaffen. Erst wenn die Familien wieder von der alten religiösen Innigkeit beseelt sind, erst wenn wiederum der alte Gehorsam gegen Gott die Erzieher durchdringt, erst dann wird wieder die Erziehung eine gedeihliche werden. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Hl München, 8. Jan. Demnächst feiert unser Herr Rabbiner Aub sein 70stes Geburtsfest und das Jubiläum 40jährig«r Amtsthätigkeit. Wir werden Gelegenheit haben n"'k, über die Feier näher zu referiren. — Donnerstag, den 4. d. M. (rnv i"'), und heute Montag, den 8. d. M. wurde hier v) gegeben. — S. Maj. der König von Württemberg haben dem isr. Waiseninstitnt in Stuttgart, auf die Vorlage des Rechenschaftsberichts hin, hundert Gulden und die Königin Mutter dreißig Gulden geschenkt. — München. 9. Jan. Hr. Rabbiner A ub, der seit 40 Jahren der hiesigen israel. Kultusgemeinde würdig vorsteht und sich der allgemeinsten Achtung erfreut, hat bei Gelegenheit seines morgigen siebenzigsten Geburtstages von Sr. Maj. dem König den Michaels- Orden erhalten. Aus Bayern. In Nr. 1 d. Bl. findet sich die für jeden wahren Israeliten erfreuliche Nachricht, daß es Herr Frankenburger zu Regensburg durch sachgemäße Vorstellung bei dem Rektorate des königlichen Lyceums daselbst dahin brachte, daß die israelitischen Schüler jener Anstalt von der Betheiligung an den schriftlichen Arbeiten an den Sabbaten enthoben wurden. In Bezug darauf wird es wohl nicht ungeeignet erscheinen, Ihnen zur Veröffentlichung in Ihrem wirkungsreichen obengenannten Centralorgan für das orthodoxe Judenthum ein im Jahre 1838 in unserem Königreiche Bayern erschienenes allerhöchstes Ministerial-Rescript, welches von den königlichen Kreisregierungen an die königlichen Verwaltungsbehörden erging, und von diesen in Allerhöchstem und höchstem Aufträge den königlichen Schul- und Studien-Vorgesetzten, sowie den Rabbinen resp. Cullusvorstehern der israelitischen Cultusgemeinden mitgetheilt wurde, in illegaller Abschrift (deren Identität auf Verlangen mit gerichtlicher Beglaubigung beigebracht werden kann) hiebei einzusenden. Diese Veröffentlichung wird vielen unserer Glaubensgenossen Bayerns, welchen diese allerhöchste Verfügung unbekannt blieb, willkommen sein. Sie dürfte auch manchem Familienvater vorwurfsvoll begegnen und zu bedenken Anlaß geben: Wenn doch eine allerhöchste Regierung so wohlweisliche Fürsorge der israelitischen Jugend zuzuwenden geruhet, um Religionsstörung von derselben abzuhalten, wie um so unverantwortlicher es erscheinen muß, wenn von Eltern oder Vormündern die Uebertretung der religiösen Ceremonial- und Sittengesetze bei ihren Angehörigen nicht kräftig ge-