Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1866)
- Date
- 1866-01-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447249--03995-2459426- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
45 Der Verfasser, der Sohn des Gründers der Anstalt, ist seit dem Tode seines Vaters Vorsteher derselben; sie zählte im verflossenen Jahre 34 Waisenknaben; die damit verbundene Waifen-Erziehungs-Anstalt kür jüdische Mädchen hat 16 Mädchen, so daß mit diesen Kindern der Raum des Hauses vollkommen besetzt und der Neubau eines großen Seitenflügels nothwendig geworden ist; nach Beendigung dieses Baues sollen noch viele Waisenkinder in die Anstalt ausgenommen werden; es wird die Erwartung ausgesprochen, daß der bekannte Wohlthätigkeitssinn der jüdischen Gemeinde zu Berlin genügende Mittel für die so erweiterte Anstalt beschaffen wird. Seit dem zweiunddreißigjährigen Bestehen des Knaben-Waisenhauses haben 434 Knaben Aufnahme, Verpflegung und Erziehung darin gefunden; von den bereits entlassenen Zöglingen haben sich einer dem Studium der Medicin (er ist gegenwärtig praktischer Arzt), die übrigen dem Kaufmanns- und Handwerksstande gewidmet; sie sind sämmtlich brave und nützliche Menschen geworden; einer von ihnen hat sich im Schleswig - Holsteinischen Feldzuge ausgezeichnet; zwei find im verflossenen Jahre, beide im Alter von 25 Jahren, verstorben. Das wichtigste Ereigniß für diese Anstalt war wohl, daß der zu Berlin am 22. Juni verstorbene Herr Lesser Joras dieselbe zu seiner Universalerbin bestimmte; nach Abzug der Legate, Stempel und Gerichtskosten betrug die Erbschaft die großartige Summe von 128,291 Thlrn. 27 Sgr., welche zu zwei Dritteln dem Knaben- und zu einem Drittel dem Mädchen-Waisen - Hause zugcwandt wurde. Der Verewigte hatte schon bei Lebzeiten der Anstalt 25,000 Thlr. geschenkt. Seit dem Bestehen der Knaben-Waisen-Anstalt sind für dieselbe über 120,000 Thlr. verausgabt. Das Vermögen besteht aus nahe an 180,000 Thlrn.; die Waisen erhielten beim Austritte aus der Anstalt über 4000 Thlr., der Ankauf des Gebäudes kostete 38,000 Thlr., so daß von der Berliner Gemeinde für diese eine Anstalt im Laufe der 32 Jahre mehr als 340,000 Thlr. gespendet wurden! * * * Zweiundzwanzigster Jahresbericht über die Baruch Auerbach'sche Waisen-Erziehung--Anstalt für jüdische Mädchen zu Berlin, von Dr. Leonhard Auerbach. In den 22 Jahren des Bestehens dieser Anstalt find sür die Erziehung und Erhaltung der Waisenmädchen über 25,000 Tchlr. verausgabt worden; dennoch bleibt ein unantastbares Vermögen von mehr als 75,000 Thlrn., wozu noch die Summen kommen, welche aus besondern Stiftungen einzelnen Waisenmädchen zuerkannt worden find. In Verbindung mit der Anstalt steht auch ein AuSstattungS-Fond zur Verheiratung der Waisenmädchen, der zwar erst im Werden begriffen ist, aber sicherlich bald einer bedeutenden BlÜthe entgegengehen wird. — Zu den hochherzigen Spendern, welche die Anstalt mit jährlichen Beiträgen unterstützen, gehören Ihre Majestät, die regierende Königin, Ihre Majestät, die Königin Wittwe und S. Kgl. Hoheit, der Kronprinz von Preußen. » Kol Dodi, oder Biblische Blumenlese, von vr. M. Deutsch in Pilsen, Selbstverlag des Verfassers. Bis jetzt sind vier Lieferungen erschienen, in denen der Verfasser sich in Betrachtungen über die ersten Abschnitte des Pentateuch ergeht. Die jüngst erschienenen zwei Lieferungen führen das Lebensbild Abrahams in ebenso schöner wie ergreifender und belehrender Weise vor. — » * * Worte der Trauer, gesprochen am Sarge seiner Mutter, von Emanuel Basch, Bez. - Rabbiner in Apostag. Ein rührendes Denkmal kindlicher Liebe und Verehrung; der Verfasser führt das Bild der Verblichenen in lebensvollen Zügen dem geistigen Auge vor; es war die Mutter, die ihn mit Hingebung, Liebe und Aufopferung erzogen, da ihm der Vater schon in frühen Jahren durch den Tod war entrissen worden: — » * Die jüdische Familie vom pädagogischen Gesichtspunkte aus. Vortrag, gehalten im Vereine für Wissenschaft des Judenthums in Breslau. Von vr. P. Joseph. Der Verfasser sagt Seite 8: „Zu den mächtigsten Hindernissen, die der gesunden und näturgemäßen Entfaltung der jüdischen Schule entgegentreten, gehört vor Allem die Pädagogik des Hauses, wie sie jetzt fast überall in der jüdischen Familie geübt oder vielmehr nicht geübt wird. Die elterliche Erziehung ist aus der Mode gekommen, selbst in unserem deutschen Vaterlande, das sich die Innigkeit des Familienlebens ungetrübt bewahrt hat. In gefährlicher Selbsttäuschung schieben die Eltern, in deren Hände die Natur mit dem Kindersegen zugleich die heilige Verpflichtung gelegt, das Werk der Erziehung in den ersten Lebensjahren des Kindes zu übernehmen und später nach Kräften zu unterstützen, die Erfüllung dieser ernsten und schweren Pflicht und hiermit die ganze Verantwortlichkeit der Erziehung der Schule zu. Das Haus, die Familie ist des Kindes erste und nächste Heimath, in welcher sein innerstes Denken und Empfinden die reinsten und ursprünglichsten Anklänge findet. Dem Hause, der Familie gehört das GemüthSlebeu des KindeS; ihr entsprießt das Wohl und Weh des Heranwachsenden Geschlechtes. Mit der guten Sitte und Sittlichkeit