Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1866)
- Date
- 1866-01-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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42 selben in jüdische Schulen auf's Nachdrücklichste zu warnen. * » Geschichte der Juden und ihrer Literatur in den romanischen Staaten zur Zeit des Mittelalters von 700—1200. Nach den Quellen dargestellt von vr. M. Braunsch.weiger. Würzvurg bei A. StUber. 1S65. Der Verfaffer will dem größeren, gebildeten Publikum eine übersichtliche Darstellung und dem gelehrten Kreise einen Beitrag zur Geschichte des Judenthums (soll wohl heißen „der Juden") liefern. Beides ist ihm recht wohl gelungen. Nur die vielen sprachlichen Jncorrectheiten berühren äußerst unangenehm. Wir wünschen dem Verfaffer bald wieder zu begegnen und hoffen, daß er dann auch auf diesen Punkt größere Sorgfalt verwenden wird. Die vorliegende Arbeit ist sonst im Ganzen als eine recht gediegene zu bezeichnen. Vier Jahrhunderte aus der Geschichte der Juden, von der Zerstörung des ersten Tempels bis zur mackabäischen Tempelweihe; in zwölf Vorlesungen von vr. M. Iastrow, Rabbiner in Worms. Heidelberg bei Ernst Carlebach. 1865. In der ersten Vorlesung entwickelt der Verfaffer das Wesen und die Epochen der isr. - jüdischen Geschichte; indem wir es anerkennend hervorheben, daß bei Gelegenheit der Aufzählung der Ursachen der Hinneigung zum Götzendienst auch ein großer Theil der sogenannten Reformbestrebungen in der Gegenwart als eitel Nachahmungssucht gekennzeichnet wird, müssen wir andererseits bemerken, daß der Verfaffer der vormendelssohn'schen Periode zu nahe tritt — eine „verkommene Race" sind unsere Großväter und Urgroßväter nie gewesen; inmitten der Ghetti's schlugen die edelsten Herzen und entwickelte sich die erhabenste Geistesgröße. In der vierten Vorlesung bekennt sich der Verfasser zu der unglückseligen Theorie eines Pseudo-Jesajas; er sagt: „So gibt's noch viele ähnliche Stellen, an welchen Längst Vergangenes und Gegenwärtiges mit vielem Geschick unter einander geschoben wird, um den strengen babylonischen Herrscher, der wie jeder Despot mißtrauisch war, zu täuschen. So vernahmen die israelitschen Verbannten unter der Firma ihrer alten Propheten oder als Nachtrag zu denselben die ermutigenden Verheißungen für die nächste Zukunft, deren Erfüllung, wie wir bald sehen werden, immer näher rückte: Der ganze zweite Theil des Jesajas vom 40. Kapitel an fällt in die Zeit der babylonischen Gefangenschaft und zwar ^chon gegen das Ende derselben." „Für unseren heutigen religiösen Standpunkt ist es gleichgiltig, welcher Zeit und welchem Verfasser solche Reden uNd Schriften angehören; sie verlieren nn ihrem religiösem Werthe und an ihrer Heiligkeit nichts, wenn sie einige Jahrhunderte später verfaßt sind; sie sind auf jüdisch-religiösem Boden, aus jüdischreligiöser Anschauung entstanden, sind Schöpfungen des jüdischen Geist« und als solche unser religiöM und schriftstellerisches Eigenthum, auf das wir zu allen Zeiten mit Stolz Hinweisen dürfen, vielleicht mit um so gerechterem Stolze, je später sie geschrieben sind." Wir aber meinen, und jeder rechtgläubige Israelit wird anit uns übereinstimmen, daß es doch nicht so gleichgiltig ist, ob wir glauben, daß der Mund des göttlichen Propheten Dinge geweissagt hat, die erst nach Jahrhunderten eingetroffen sind — oder ob man annimmt, daß dieselben Verheißungen erst zur Zeit des Eintrittes der Thatsachen verkündet und dann fälschlich einem ältern Propheten untergeschoben wurden; das ganze Gebäude der Religion muß vielmehr bei solchen Eingriffelt in dasselbe wanken; wir behalten uns vor, auf das Unhaltbare und Falsche dieser gänzlich unberechtigten und die ganze heilige Schrift in Frage stellenden Theorie nächstens ausführlicher zurückzukommen. — In der neunten Vorlesung bezeichnet der Verfasser es als einen unter den Juden sich findenden Aberglauben, „daß von einer aus dreizehn Personen bestehenden Gesellschaft Einer sterben müsse". Wir haben noch nie gehört, daß Juden Derartiges glauben; jenes weitverbreitete Vorurtheil ist vielmehr ein specifisch christliches, aus dem Umstande heroorgegangen, daß am Vorabende vor des christl. Religionsstifters Tode derselbe und seine 12 Jünger eine Gesellschaft von dreizehn Personen gebildet haben; geradeso verhält es sich mit dem, was der Verfaffer über den Freitag sagt, der als der Todestag des Obengenannten von vielen Christen für einen Tag von übler Vorbedeutung gehalten wird; in Bezug auf den Montag jedoch, dem sich noch der Mittwoch zugesellt, verweisen wir auf Jore Deah Cap. 179, § 2, R.-G.-A. des Nachmanides Rr. 242, Sabbat 157 a. Diese Vorlesungen zeichnen sich ebensowohl durch vortreffliche Darstellung wie durch tüchtiges Quellenstudium aus; sie sind dazu angethan, den Sinn für jüdische Geschichte zu wecken, das größere Publikum in Bezug auf unsere Vergangenheit zu belehren und das freudige Selbstbewußtsein, mit dem der Jude auf die große Vergangenheit unseres Volkes zutüEblickkn soll, zu heben. — * ZtveiunddreLßigster Jahresbericht über die Baruch Auerbach'sche Waisen-Erziehungsanstalt für jüdische Knaben Fu Berlin, von vr. Leonhard Auerbach.