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Der Israelit · 1866-01-10 · Heft 2 (10.1.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 2 (10.1.1866)
Date
1866-01-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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31 LarrphcLm, (Württemberg) im Januar. Es ist erfreulich zu hören, daß in unserem Lande, dessen religiöse Zustände in dieser geschätzten Zeitschrift schon zum öfteren geschildert und bitter getadelt wurden, doch in vielen Orten für das Thorastudium noch eifrig gewirkt wird. So wurden im hiesigen Ort, der doch sonst zu den „neugcsinnten" gezollt wird, im Jahr 1865 die Statuten der schon seit 80 Jahren bestehenden iMvri 'li wiederholt revidirt und auf Veranlassung des verdienstvollen Herren Rabbiner Wälder als Hauptzweck des Vereins festgesetzt: Sorge für Verbreitung jüdischer Lehre und Gesetzeskunde bei den Mitgliedern des Vereins sowohl als auch bei der Jugend der hiesigen Gemeinde. Außerdem machte er sich bei einer abermaligen Stotutenrevision im Jahr 1864 die Unterstützung armer hiesigen israelitischen Jünglinge, die sich dem Studium der mosaischen Theologie widmen, gegenseitige Krankenpflege, lernen bei O'828 sowie Armenunterstützung zur Aufgabe. Was nun die Verdereitung jüdischer Lehre und Gesetzeskunde bei Mitgliedern des Vereins anbelangt, so soll diesem Zwecke durch allsabbatliches Vortragen eines Genüge geleistet werden. Zrm- Verbreitung der Gesetzeskunde bei der Jugend wurde bestimmt, daß in den Unterrichtsstunden außer der gesetzlichen Schulzeit ein vom Verein anzustellender lalmudkundiger Lehrer die männliche Jugend vom 10 Lebensjahre mit den Quellen der jüdischen Religion vertraut machen sollte. Dieser letztere schöne Zweck konnte aber lange nicht erreicht werden; denn es fehlte dem Vereine theils an den nöthigen Mitteln zur Bezahlung eines Lehrers, theils und hauptsächlich wollte aber auch kein Lehrer dieses schöne aber schwierige Amt übernehmen; denn der Herr Rabbiner begnügte sich damit, die Sache angeregt zu haben und wollte den Unterricht dem israelitischen Lehrer überlaffen. Herr Lehrer Tannenbaum wäre nun der Aufgabe wohl gewachsen gewesen, da er aber betagt und durch den regelmäßigen Schulunterricht sehr angestrengt war , so mochte er dieses Amt nicht mehr übernehmen. Ein Mitglied des Vereins, der geehrte Herr flV. Stern, der tüchtige talmudische Kenntnisse, profanes Wissen besitzt, übernahm daher den Unterricht; da er aber durch anderweitige Geschäfte viel gehindert wurde, so gab er ihn nach 1/2 Jahre wieder auf. Am 9. Elul 5621 wurde der 81 jährige Stiftungstag des Vereins feierlich begangen. Bei dem abgehaltenen Festmahle, faßte das Vereinsmitglied, Hirsch Mayer den Entschluß, eine Stiftung zur Förderung der Vereinszwecke zu machen, und führte denselben auch derart dahin aus, daß er dem Pereine ein Kapital von 1000 fl. überließ, dessen jährliche Zinsen für die Zwecke des Vereins zu verwenden sind. Damit waren die Mittel des Vereins bedeutend vergrößert und daher auch der Wunsch nach einem oben näher bezeichnten Lehrer um so sehnlicher. Nach der Pensionirung des H. L. Tanenbaum im Okt. 1862 wurde nun die Oberlehrerstelle an der hiesigen israelitischen Schule H. Lehrer Elsäßer von Jebenhausen übertragen. Damit war auch der rechte Lehrer für die angegebene Aufgabe gefunden; denn H. E. besitzt nickt nur umfassende Kenntnisse in jüdischen und profanen Wissenschaften, er ist auch ein Lehrer im besten Sinne des Wortes. Bald nach seinem im März 1863 erfolgten Amtsantritte hier wurde ihm auch die Lehrerstelle für die Thalmudthoraschule gegen eine jährliche Belohnung von 100 fl. übertragen. Mit welchem Erfolge H. E. da unterrichtet, zeigre sich schon bei 3 von H. Rabb. anberaumten Prüfungen. Die jüngste fand am 16. v. M. N2L?) statt; sie war zahlreich besucht, und Alle folgten mir vieler Aufmerksamkeit dem Gange derselben Nach dem vorliegenden Prüfungsplan hatte H. E. mit den Schülern übersetzt: im Pentateuch mit '"iL-; in derviernämlich und Ferner war im Laufe desverflossenenJahresdurchgenommenworden: Mehreres aus der hebräischen Grammatik, sowie dos Wichtigste ans der Literaturgeschichte, Biographien hervorragender Männer. Tie Prüfung brachte uns die Überzeugung bei, daß die Schüler nicht nur mechanisch übersetzen gelernt, sondern daß sie auch das. was sie übersetzten, verstanden haben und Rede und Antwort dafür geben konnten. In der Grammatik haben sie es so weit gebracht, daß sie leichte Verse der heiligen Schrift enalysirend übersetzen können. In der Literaturgeschichte zeigten sie Bekanntschaft mit dem Wirken der hervorragendsten Männer war Esra an bis herab zu Mendelsohn. Der Herr Rabbiner sprach sich anerkennend über den Erfolg des Unterrichtes aus und wünschte weiteres Gedeihen, und auch wir rufen h. E. zu iL"r>! Nur zwei Bemerkungen haben wir diesem Berichte noch beizufügen. Die nachbiblische jüdische Geschichte wird in anderen Schulen noch wenig gepflegt und doch ist sie nächst der biblischen Geschichte am meisten dazu angethan, dem Kinde Hochachtung und Bewunderung gegen seine Ahnen, und Ehrfurcht vor seiner Religion einzuprägen, und sollte bei vielen auch das Uebersetzen von'"L7i und.-UL7Q wieder in Vergessenheit kommen, dieser Eindruck wird nie verwischt werden. Die weitere Bemerkung, die wir hier beifügen mochten, ist die, daß es vielleicht einmal an Lehrern, die einen tüchtigen Talmudunterricht ertheilen können, bei uns (Gott bewahre!) mangeln wird. Die jüdischen Seminaristen werden im K. evangelischen Seminar zu Eßlingen ausgebildet. Die meisten bringen aber nur sehr wenige jüdische Kenntnisse mit und betrachten deßhalb auch bei ihrer sonstigen angestrengten Beschäftigung die hebräischeu Fächer, die von dem dortigen sehr kenntnißreichen und tüchtigen israelitischen Volkslehrer und Waisenvater, H. Liebmann, ertheilt werden, bloß als Nebensache;

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