Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1866)
- Date
- 1866-01-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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30 .12 ll'pinv'? ION dkv dt',1 sich durch dies große Verdienst würdig machen, eine Zeit des echten Thora'ebenS herbeizuführen ipiL ".i Aeittingsnachrichten und Correspon- Denzen. Deutschland. Mainz, den 7. Januar. Von dem Vorstande der H.U. I8r. univ. zu Paris erhalten wir folgendes, bereits in voriger Nummer von uns angedeutetes Schreiben: Paris, 29. Dezember 1665. Hochgeehrter Herr! Der an uns in Ihrer jüngsten Nummer gerichteten Aufforderung gemäß, beeilen wir uns Ihnen anzuzeigen, daß sich die Alliance an der Versendung einer Montefiore-Medaille nicht betheiligt hat, und ermächtigen Sie von dieser Erklärung den Ihnen beliebigen Gebrauch zu machen. Hochachtungsvoll der beigeordnete Sekretär L. Nord mann. In derselben Angelegenheit schreibt das zu London erscheinende Odroaiols, daß ein Nonteüors vominomorativs oornrnittss in London nicht existirt, daß die ganze Angelegenheit nichts als Betrug und Schwindel ist, ersonnen und ausgeführt, um Leichtgläubigen Geld abzulocken. Der verehrte Name des edlen 8ir Hlo-itzs Uontsü rrs ist hier in schmählichster Wüse mißbraucht worden. Mkainz, den 7 Januar Soeben sind wir von einer traurigen Reise zurückgekehrt; Rabbi Bär Adler aus Frankfurt a. M. weilt nicht mehr unter den Lebenden; heute früh um 9 Uhr folgten wir seiner Bahre. Es ist ein Stück jüdischer Geschichte mit Rabbi Bär Adler p"L"r zu Grabe getragen worden M aus einer alten, bedeutenden Frankfurter Familie stammend, die den berühmten i'vi R. Nathan Adler zu ihren Angehörigen zählte, wurde Rabbi Bär schon früh .im '222 b), erzogen; sein Vater war R. Morderchai Adler, der als Landrabbiner in Hannover fungirte, zwei seiner jüngeren Brüder sind R. Gabriel Adler ehemals Rabbiner zu Oberdorf in Württemberg und R. Nathan Adler '"0, Oberrabbiner zu London. Wenn Rabbi Bär auch niemals Rabbiner gewesen, so war er doch eine der bedeutendsten talmudischen Autoritäten der Gegenwart; er war der berühmte Genosse des nicht minder berühmten Rabbi AhronFuld die gemeinsam unter dem Vorsitze von R. Salomon Trier Jahrzehnte lang das Frankfurter Rabbinat verwalteten. p"j,-r s'i w2 — welche große Erinnerungen knüpfen sich daran! Wie, war dieses Frankfurt dereinst '«i0'2 12m ->'p! — Freilich besitzt heute Frankfurt noch bedeutende Vorzüge vor vielen andern Gemeinden; es hat in Herrn Rabbiner Hirsch '"2 einen der bedeutendsten Rabbinen unserer Zeit; es hat in der Unterrichtsanstalt eine gediegene Pflanzstätte der Zukunft; es hat, Gott sei Dank, noch manchen 2.1E .1^2 Talmld Chacham, aber in R. Bär Adler ist ein Mann zu Grabe getragen, der noch aus guter alter Zeit zu uns herüberragte! Rabbi Bär Adler hat vor wenigen Wochen seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert; viele dröhne, Schwiegersöhne, Enkel und Urenkel folgten seiner Bahre. Möge das Andenken des Frommen zum Segen gereichen, und mögen den gegenwärtigen und künftigen Generationen wieder Männer erblühen, die einen solchen Schatz unserer heiligen Wissenschaft in sich zur Geltung bringen, wie der Dahingegangene eS gethan. 12L"^"ll! — Aus Baden, 4 Januar. Dem „F. I." wird geschrieben: Ihren Correspondenzen aus unserem Lande möchte ich noch folgenden Bericht anfügen. Herrscht irr Baden ein Kirchsnstreit, ein Schulstreit um der Kirche Willen? Allerdings! Ist aber das Land deßhalb unglücklich? Hassen sich die verschiedenen Confessionen gegenseitig so gründlich, wie es allzuoft behauptet wird? Keineswegs. Eine schöne Probe hiervon lieferte ein am 30. December v. I. stattgehabtes israelitisches Kirch enfest zu Muggensturm bei Rastatt. Es wurde eine neugeschriebene Thorarolle in die Synagoge verbracht, zu diesem Zwecke verzierten christliche Hände das israelitische Gotteshaus mit aus dem Gemeindewalde unentgeltlich abgegebenen Tannenstämmchen und Reisern,. «K aus dem Pfarrgarten geschenkten Buchszweigen ÜM anderem Grün, mit von christlichen Frauen gespendeten Sträußen und Kränzen. Ebenso wurde das Zimmer in einem Privathause geschmückt, worin die neue Thorarolle vorlaüstg aufgestellt war, wohin namentlich auch Spiegel und GWDWMUs einem christlichen Hause geliehen waren. WWWMDnit der Thora ein feierlicher .Zug über die . allenthalben wurde ihm mit Ehrerbietung viele Böllerschüsse sandten feierlichen FreudenrWWn die Lust. In der Synagoge stand Kopf an Kopf gedrängt, darunter auch emer der christlichen Ortsgeistlichen und der Bürgermeister. Die etwa dreiviertelstündige Predigt des Rabbiners welche den Fortschritt derHumanilät betonte, wurde in lautloser Stille allseits andächtig angehört, ebenso die Gesangs- Vorträge eines gut geschulten Chors. Der Gottesdienst war zu Ende, die Menge strömte aus der Synagoge, und wurde abermals mit Böllerschüssen begrüßt. Muggensturm aber ist ein Dorf und sämmtliche christliche Einwohner sind gut katholisch. So steht.es in Baden, dem Lande mit dem kirchlichen Schulstreite — nein, dem Lande der fortschreitenden Humanität, dem Lande, dessen Fürst» Regierung und Volk den Frieden lieben und ihn wollen.