Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1866)
- Date
- 1866-01-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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9) Die Behauptung in Bezug auf die Moralität der Juden des Criminalgesetzes scheint richtig zu sein, und für diesen Fall ist es ebenfalls der Einfluß des regelmäßigen Lebens, der für die Dauer unbestreitbar wohlthuend ist. Es ist für unsere Sache von keiner großen Wichtigkeit, ob. diese Moralität in Prineipien, d. h. in religiösen oder philosophischen Gefühlen ihre Quelle hat, oder ob diese aus der Nothwendigkeit, welche religiösen Minoritäten für die Bewahrung ihres Stammes andersgläubigen Majoritäten gegenüber, geworden, entstanden." Soweit Herr Legoyt; wir schließen diese Betrachtung mit den ewig wahren Worten: w'ii -rn '2 111m, denn sie (die Thora) ist unser Leben und die Länge unserer Tage. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus -er Provinz Vttederhefsen Der Aufsatz in Nr. 51 und 52. Ihrer geschätzten Zeitschrift „der Israel. Lehrerstand" war vielen Lehrern aus der Seele gesprochen und in der That ein Wort zu seiner Zeit. Aus eigner Erfahrung kann der Einsender dieser Zeilen noch auf einige Umstände aufmerksam machen, welche in der angeregten Frage wohl im Betracht zu ziehen sein dürften. In der in Niederhesfen liegenden Stadt M. beabsichtigt die jüdische Gemeinde einen Lehrer anzustellen. Da die Gemeinde eine wohlhabende ist, so könnte die Stelle leicht so dotirt werden, daß ein tüchtiger Lehrer sein reichliches Auskommen hätte. Allein die Gemeinde ist der Ansicht, daß der Unterricht in der Religionslehre von dem in den übrigen Lehrgegenständen getrennt werden wüste, und zwar aus dem einfachen Grunde, damit die Judenkinder und Christenkinder in eine Schule gehen könnten, was den Religionshaß, der auf dem Lande noch in voller Blüthe stünde, vermindern oder möglicher Weise gänzlich beseitigen würde. Ich will nicht davon sprechen, daß diese Ansicht, obwohl ziemlich verbreitet, dennoch eine ganz falsche ist; es ist dies ein Thema, über welches eine competente Feder das Volk einmal gründlich aufklären müßte. Ich will hier nur hervorheben, wie durch diese unglückselige Trennung der Religionsschule von der sog. Elementarschule, abgesehen von anderen Nachtheilen, auf die wir später einmal zurückkommen, die finanzillen Kräfte der Landgemeinde nothwendig gespalten werden wüsten, und daß Niemand anders, als der Lehrer da- Gyter zu leiden hat. Möchten doch daher die Rahbiner des Landes darauf hinmerken, sowohl im Zutreffen der Lehrer und der Gemeinden, wie im Intreste der Religiös daß diese Trennung nicht da gestattet wird, wo eine Vereinigung nur irgend möglich ist; denn was wr von der Gemeinde M. berichteten, das ist ein verbreitetes Vorurtheil und muß als solches wiederholt besprochenr werden. Vielleicht würden, wenn durch eine entsprechende Belehrung die Gemeinden die Verkehrtheit ihrer Einrichtung einsehen, den Lehrern ein verbessertes Einkommen und eine angenehmere Stellung daraus erwachsen. 2?. Preußen. Berlin, 1. Januar. Der Besichtigung, welche Ihre Majestäten am 28. v. Mts. mit der hiesigen neuen Synagoge Vornahmen, folgte gestern ein Besuch des Herzogs Georg von Meklenburg und dessen Gemahlin, der Großfürstin Katharine von Rußland. Waden ersten Besuch des hohen Königspaares betrifft, so erfährt man noch nachträglich, daß namentlich Ihre Majestät, die Königin, sich über den Verlust zu äußer» geruhte, welchen die hiesige jüdische Gemeinde durch den Tod ihres Predigers und Rabbiners vr. Sachs erlitten und dann über die Theilnahme, welche der verstorbene Or. Veit den Gemeinde-Interessen zugewendet habe. (Köln. Z.) Berlin, den 3. Januar. Am 7. dieses Monats feiert unser allverehrter Rabbinatsassessor, Herr E. Rosenstein, seinen siebzigsten Geburtstag nach vierzigjähriger Amtsthätigkeit in hiesiger Gemeinde. Zur Feier dieses freudigen Ereignisses ist ein Comitä zusamengetreten, das am 10. d. M. eine Festlichkeit durch Gesang und Rede, verbunden mit einem Festmahle, veranstalten wird. Voraussichtlich wird die Betheiligung eine sehr große werden. (Wir bringen hiermit dem ehrwürdigen Greise unsere herzlichsten Glückwünsche dar; möge es ihm vergönnt sein, noch eine lange Reihe von Jahren sich der besten Gesundheit z» erfreuen. — Die Redaction.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wie». Sehr bemerkenswerth ist eS, daß Graf Goluchowski im galizischen Landtag den Antrag gestellt, den galizischen Israeliten die unbeschrankte Realbesitzfähigkeit zu ertheilen. Bekanntlich rührt das Gesetz welches die Besitzfähigkeit beschränkt, aus der Ministerzeit des Herrn Grafen her, so daß ihn die galizischen Juden seitdem als ihren Feind betrachteten und bei der Landtqgswahl so hartnäckig bekämpften,. (K. Z.) A«S Pesth schreibt man der Wiener „Presse", daß sich daselbst da- Gerücht verbreitet habe, Herd .Oberrabbiner Messel habe an det königlichen Hoftafel, gegessen. Eine darob angestellte Untersuchung stellte heraus, daß der Herr Oberrabbiner (!) ünr iWem (tt), Käse (11) und Obst genossen; er habe -war auch andere Speisen aus den Schüsseln genommen^