Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1866)
- Date
- 1866-01-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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23 losLrach. Nun beginnt ein Kampf zwischen den Schlachtopfern und ihren Schlüchtern, der einer der herzzerreißendsten Episoden der Geschichte ist und der zeigt, wie «eit die Lhorheit in Gestalt religiöser Intoleranz führen kann. Friedliche und fleißige Bevölkerungen, den nützlichen Beschäftigungen des Handels im weitesten Sinne des Wortes obliegend, oder die kunstfertigsten Professionen, die nur geeignet find, das Land zu bereichern und hochzustellen, ausübend, wurden vertrieben, beraubt, gemordet, weil sie sich weigerten, ihren angestammten Glauben aufzugeben, oder weil sie gegen rohe Regierungen die Früchte langjährigen Schaffens und Abmühens zu verlheidigen suchten. Obschon verfolgt und verjagt fast über ganz Europa, besonders aber in Portugal und Spanien, widerstanden dennoch die Juden jeder Verfolgung. Strafe, Ungemach und Mißgeschick decimirten freilich ihre Anzahl, aber dennoch verschwanden sie nicht; sobald der Horizont sich nur ein wenig aufklärte, kehrten sie wieder an ihre früheren Wohnsitze zurück und traten wieder in ihre gewohnte Thätigkeit ein ..." „Außer demjenigen, was geistige Einwirkungen verursachen, das nicht zu der Gruppe der Krankheiten, welche in schwachen und empfindlichen Organisationen ihren Grund haben, gezählt werden darf, haben wir die Erfahrung gemacht, daß alle Dokumente darin übereinstimmtn, daß die Juden eine außergewöhnliche Lebenskraft besitzen. Durch was kann dieses Phänomen erklärt werden? Dietrici, nachdem er für Preußen diese Wahrnehmung in Abrede gestellt, glaubt daß dieselbe größerer Mäßigkeit, einem besseren und geordneteren Leben, und reineren Sitten zuzuschreiben sei. Wir haben dargethan, daß dieses auch die Meinung der Herren vrs. Neufville, Glatter und Mayer ist. Diese Regelmäßigkeit, diese Disciplin des jüdischen Lebens, diese größere Selbstbeherrschung, scheinen in den preußischen Criminalstatistiken, wenigstens indirect, eine Zustimmung gefunden zu haben; denn dieses ergibt unter den Israeliten eine geringere Anzahl von Übertretungen der Criminalgesetze, als bei den Christen, wie aus der folgenden Tabelle zu ersehen ist: Anzahl der Einwohner auf einen Gefangenen. 1857. 1858. 1859. Juden 172. 138. 150. Christen 111. 117. 129. Die geringere Sterblichkeit der jüdischen Race, kanü durch keine biostatische Verhältnisse erklärt, ihre Duelle muß vor allen Dingen in dem Einfluß der Race gesucht werden. „Die Juden," sagt Burdach (Physiologie 5. Bd. S. 399) „Liefern uns den Beweis, daß das menschliche Leben durch Arbeit und Strebsamkeit mehr ZähigkM erlangt, vorausgesetzt, daß diese Arbeiten sönst nicht gesundheitswidrig sind. Die Majorität derselben kann in dem größten Theile Deutschlands als arm betrachtet werden, und dessenungeachtet ist die Sterblichkeit viel geringer unter ihnen, als unter den Christen. Die Hauptursache davon ist, daß die armen Juden nie durch ihr Mißgeschick sich abstumpfen und ihre Kräfte lähmen lassen." Wit unsererseits würden die Ursachen lieber in den folgenden Thalsachen suchen: 1) Die Juden scheinen in einem weniger vorgerückten Alter zu heiralhen als die Christen. ES sind ihnen dadurch die Vortheile des verheirateten Lebens geboten. Officielle Statistiken haben bewiesen, daß in gleichem Alter unter den Verheiratheten weniger Sterbefälle Vorkommen als unter Unverheirateten. Andererseits ist unsere Behauptung gerechfertigt, wenn wir bedenken, daß sie aus Klugheit, Bedachtsamkeit und Vorsicht, nicht eher heiraten, bis sie im Stande sind, dm Ansprüchen ihrer neuen Stellung genügen zu können. Sie gehen demgemäß andererseits auch weniger frühzeitige, nachtheilige Verbindungen ein, die sowohl für das Wohlergehen der Eltern als auch der Kinder so verderblich sind. 2) Die Fruchtbarkeit der Ehen ist geringer bei denselben als bei den Christen. Dadurch erhalten sie ihre Kinder viel besser. 3) Der Jude handhabt kein Geschäft, das ihm außerordentliche Anstrengung verursacht. Er ist weder Feldnoch Fabrikarbeiter, Matrose noch Bergmann. Gewöhnlich widmet er sich dem Kaufmannsdem Banquier- Künstler- Gelehrten- oder literarischen Stande. 4) Das mosaische Gesetz enthält sanitätliche Vorschriften, die nur wohltätig auf die Gesundheit einwirken können. 5) Familienanhänglichkeit ist bei den Juden mehr als bei den Christen entwickelt. Es sind nur Fälle von besonderer Nothwendigkeit, daß die jüdische Mutter, ohne Unterschied des Ranges, ihr Kind nicht nährt. Dieses ist jedoch, wie die Aerzte Glatter und Mayer behaupten, von sehr wohltätigem Einflüsse. Wahr ist es ferner, daß die Achtung und die Ergebenheit der israelitischen Kinder gegm ihre Eltern, besonders wenn dieselben schwach und hilflos sind, zu den rührendsten Beispielen der Menschenliebe gehören. 6) Die Mäßigkeit der Juden ist unbestreitbar. 7) Die jüdische Gemeinde ist für alle ihre Mitglieder von eiNem Geiste der größten Wohlthätigkeit beseelt. 8) Der religiöse Jude ist durch einen großen geistigen Frohsinn ausgezeichnet. Er hat einen unerschütterlichen' Glauben an die Vorsehung und ist sich der hohen Bestimmung seirkt Race. bewußte Die Festigkeit, die UnzerstörbärM des jüdischen Charakters spiegelt sich in seinen Glauben am befielt wieder, der berettS Jahrtüüsenden getrotzt hoik.