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Der Israelit · 1866-01-10 · Heft 2 (10.1.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 2 (10.1.1866)
Date
1866-01-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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22 darzustelleu; so ist der Gruvdcharacter der Statistik, das innere und äußere Wbey eines jede« Verbandes der Menschen unter sich, unh die Wechselwirkung zwischen Leiden, im Kreise dar Gegenwart wiederzugeben. Sehr treffend bemerkt hierüber (schlozer: „Die Geschichte ist eine fortlaufende Statistik, und die Statistik eine stillstehende Geschichte". Der Gegenstand unserer heutigen Betrachtung ist die Statistik der Juden Europa's, und zwar wird es hauptsächlich die ästhetische, intellectuelle unh moral i s ch e Kraft unseres Volkes sein, die sich zwar, wie alles rein Geistige, nicht in Zahlen ausdrücken läßt, jedoch ebensogut Kapital ist, und sich ebensogut in der Wirklichkeit ankündigt, wie das Physische, Materielle. „Die Lebenskraft der jüdischen Race in Europa," heißt ein Werk , das Herr Legoyt, ein hoher Beamter des franz Handelsministeriums, einer der ersten Statistiker, veröffentlicht hat, in welchem er zu beweisen sucht, daß es für das jüdische Volk besondere Bedingungen der Acclimation und Lebensweise geben müsse. Wir geben hier einen Auszug aus diesem vortrefflichen Werke: „Die Geschichte der Juden ist in mehr als einer Beziehung eine der größten Episoden der modernen Geschichte. Ihr hartnäckiger Kampf und endlicher Sieg gegen unaufhörliche Verfolgungen, die sowohl aus religiösem Haffe gegen sie als auch aus Habgier in Bezug auf ihre beweglichen Reichthümer entsprungen ihr Vermögen Ausbreitung und Ansiedelung, das sie als Emigranten an alle Ende der bekannten Welt geführt hat; die Concentrirung einer Art internationalen Handels, den ein großer Theil noch von früheren Zeiten behalten hat, und zwar aus dreifachen Gründen: erstens aus einer bewunderungswürdigen eigenthümlichen Fertigkeit in diesem Fache, dann in Folge der Ueberkommnisse aus einer Zeit, wo die Israeliten zusammengedrängt, gleichsam versteckt nur nach der Erwerbung des nachten Lebensunterhalts strebten, und endlich durch die Ausschließung durch dasselbe Gesetz von allem sonstigen Umgänge mit der übrigen menschlichen Gesellschaft; die standhafte Aufrechthaltung ihrer Religion gegen die unaufhörlichen Angriffe des Proselytismus. dem nur zu oft weltliche Waffen zu Gebote standen und stehen; die nicht weniger exacte und beständige Anhänglichkeit in ihrem Exil an den Sitten, der Lebensweise und der Tradition in ihrem ursprünglichen Vaterlande; ihre beharrliche Zurückweisung der Vermischung mit andern Völkern; endlich, eine gewisse energische höhere Lebenskraft, die dieser Race eigen ist, Und welche authentische neuere Forschungen einer, angeborenen straft, die ihnen das Privilegium einräMt, sich a« asten Punkten des Globus einheimisch zu mache», zuschreiben — dieses sind, die HäuptcharaeterMe, an denen dK Beobachter, dyr Philosoph und GeschichtSforschW; dieses eigenthümliche und lebenskräftige Volk erkennt, das ganz besonders gegen Mißgeschick gewappnet ist, das, von höheren und geheimen Bestimmungen erfüllt, das maßloseste Ungemach gering schätzt und die Ueberzeugung hegt, daß es gewesen und noch heute sei das Volk Gottes. Wir wollen hier nur etnetz, her Prohleme^has in jüngster Zeit und besonders in Europa so -oft besprochen — ein Problem, das an und für sich ganz anspruchslos erscheint, aber dennoch eines der interessantesten Studien abgibt, erwähnen. Es ist dieses jene Lebenskraft, jene angeborene Stärke, jene vis ärrravs, welche bei allen Phänomen des Lebens dem Jude« eine Ueberlegenheit, der eingeborenen Bevölkerung gegenüber, einräumt, die ihn gegen alle Einflüsse des Kiima's, des Bodens, der hygienischen Bedingungen und moralischen Lebensweise fernes Wohnortes schützt. Die Anschauungsweise der christl. Welt, welche die Vertreibung der Juden als Strafe, weil sie den Stifter der christl. Religion nicht als Messias anerkennen, betrachtet, ist schon darum nicht stichhaltig, weil es unleugbare Thatsache ist, daß -- die Juden schon längst vor dessen Geburt in viele andere Länder auswanderten. In der That, lange vor dem Falle Jerusalemwaren die Juden schon über die ganze Welt verbreitet. Sie wurden in großer Anzahl schon bei den Medern, den Parthern und all den damals bekannten Völkern Asiens angetroffen. Biele lebten z» Niniveh, von wo sie durch Esra in der Zeit des Cyrus zurückgeführt wurden. Alexander der Große (?) errichtete eine jüdische Colonie zu Alexandrien. Die griechischen Juden waren so zahlreich, daß OniaS einen Tempel zu Heliopolis nach hem Modell desjenigen -n Jerusalem erbaute. Nichtsdestoweniger war Jerusalem immer, wo sie sich auch niedergelaffen haben mochte», das Land, auf das alle ihre Wünsche, Gedanken und sehnsüchtigsten Gebete beständig hinzielten. Ihr politischer und moralischer Einstuß war schon zur Römerzeit groß genug, sie zum Gegenstand einer besonderen Aufmerksamkeit des Staates zu machen. Ihre Anzahl jedoch war hauptsächlich in Judäa beträchtlich, wo man dieselbe auf 5 oder 6 Millionenveranschlagte. Kein Wunder daher, daß die Israeliten, dw römischen Legionen so kräftigen Widerstand leisteten, und es ist darum begreiflich, wenn die Geschichtsschreiber die Zahl der im Kriege gegen TituS Umgekommenen auf 1,500,000 Personen angeben. Im Mittelalter verbreitetem sich die Juden im Norden unh Süden von Europa. Da sid in Polen günstig ausgenommen wurden, errichteten sie dort ihre zahlreichste« Holpmen. Spanien, besmchers unter der Regierung dex Mauren, und Povtugal ebenso, bot ihnen eisi Asyf, das ßs, lange Zeit hochgeachtet , , sich zn Nutze machten. Es war besonders im 13. und L4. Jahrhundert, wo dev Sturm dev Verfolgung gegen fi»

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